Washington (Godmode-Trader.de) - Geht es nach dem Internationalen Währungsfonds (IWF), sind die wirtschaftlichen Verwerfungen durch die Corona-Pandemie noch lange nicht ausgestanden. Nie in seiner 75-jährigen Geschichte hat der Fonds einen derart düsteren Konjunkturausblick veröffentlicht wie jetzt. „Wir sind in einer beispiellosen Krise", sagte Chefvolkswirtin Gita Gopinath am Mittwoch bei der Vorlage der jüngsten IWF-Prognose in Washington.

Das Welt-BIP soll demnach in diesem Jahr um 4,9 Prozent sinken. Das sind 1,9 Prozentpunkte mehr als noch im April prognostiziert. 2021 soll es zu einem Wachstum in Höhe von 5,4 Prozent (bisher 5,8 Prozent) kommen. Der IWF verwies darauf, dass es bei einer Verschärfung der Corona-Lage zu weiteren negativen Anpassungen kommen würde.

Besonders schlimm trifft es dieses Jahr Italien und Spanien mit einem Minus von jeweils 12,8 Prozent und Frankreich mit einem Rückgang von 12,5 Prozent. Derartige Einbrüche gibt es in der Projektion des Fonds sonst nirgendwo. Auch die Aussichten für Deutschland mussten nach unten korrigiert werden. Gegenüber ihrer ersten Prognose im April haben die Ökonomen mit einem Minus von 7,8 Prozent weitere 0,8 Prozentpunkte Wachstum gestrichen. Dies werde die „schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise" vor rund 90 Jahren sein, warnte Gopinath. Armut und Arbeitslosigkeit würden sich dadurch global verschärfen. Die globale Wirtschaftsleistung werde infolge der Pandemie in diesem und im nächsten Jahr insgesamt um 12,5 Billionen Dollar (11 Billionen Euro) geringer ausfallen, erklärte Gopinath.

In der Betrachtung fehlt aus Sicht von Volker Hellmayer von Solvecon-Invest die Erkenntnis, dass es sich nicht um eine endogene Schwäche der Weltwirtschaft, sondern um eine administrierte Rezession handele. Dieser Qualitätsunterschied sei bezüglich der Anwendung der arithmetischen Formeln zur Prognoseberechnung von hoher Bedeutung. Aus diesem Grund stelle sich die Frage, ob die IWF-Prognose überhaupt zielführend sei. Der IWF fokussiere sich auf eine temporäre Anomalie (Lockdown), die Ausdruck von politischen und nicht originär ökonomischen Entscheidungen gewesen sei. Diese IWF-Prognose sei deshalb „Ausdruck eines Übermuts, den Moment losgelöst von Qualitätsmerkmalen als Zukunft zu diskontieren“.