Viele Analysten und Kommentatoren warten auf den Beginn der Jahresendrally, dabei ist diese möglicherweise schon vorbei. Die Performance im Oktober hat eine Signalwirkung für den Rest des Jahres. Die Faustregel lautet dabei: je besser die Performance im Oktober, desto geringer die Rendite im November und Dezember.

    Grafik 1 schlüsselt diese Regel für den Dow Jones auf. Betrachtet wurden dabei genau 100 Jahre. Die Oktoberperformance ist der Größe nach geordnet – von den niedrigsten Renditen zu den höchsten. Der schlechteste Oktober in den vergangenen 100 Jahren war der Oktober 1987, als der Markt 23% verlor. Im November und Dezember des gleichen Jahres verlor der Markt noch einmal 2,7%.

    Ist der Oktober ein sehr schlechter Monat (Indizes verlieren mindestens 10%), dann ist die Wahrscheinlichkeit für eine negative Performance im November und Dezember sehr hoch. Diese Beobachtung ist nicht nur empirisch schlüssig, sondern macht auf aus logischen Gesichtspunkten Sinn. Indizes verlieren innerhalb eines Monats für gewöhnlich nur 10% oder mehr, wenn sich der Gesamtmarkt in einer deutlichen Schieflage befindet. Ohne Bärenmarkt kommen so negative Renditen selten vor. In einem dynamischen Bärenmarkt ist eine positive November- und Dezember- Performance kaum zu erwarten.

    Umgekehrt – die Oktoberperformance ist besonders gut – ist der Zusammenhang nicht so eindeutig. Man kann zwar sagen, dass der Oktober nur in einem intakten Bullenmarkt über 10% gewinnen kann (kam bisher nur 2 Mal vor), doch dieser Eindruck täuscht. Im Oktober 2015 hat der Dow Jones 8,5% gewonnen. Das ist der achtbeste Wert in den vergangenen 100 Jahren. Eine positive Performance bis Jahresende ist deswegen keine ausgemachte Sache.

    Negative Kursentwicklungen korrelieren sehr stark miteinander. Beginnt erst einmal ein Bärenmarkt, dann verlieren Aktien im Normalfall ziemlich konsequent einen Monat nach dem anderen. Im Bullenmärkten, die für gewöhnlich länger anhalten als Bärenmärkte, ist das anders. Es wechseln sich Korrekturen mit Rallyes und Seitwärtsbewegungen ab.

    Ein guter Oktober bedeutet nicht automatisch, dass der Markt bis Jahresende schlecht läuft. Es bedeutet allerdings ebenso wenig, dass sich eine Oktoberrallye fortsetzt. Der Zusammenhang zwischen einer guten Oktoberperformance und dem Rest des Jahres ist schwach. Es lässt sich dennoch im Durchschnitt feststellen, dass Aktien bis Jahresende nicht mehr gewinnen, wenn Indizes im Oktober 5% oder mehr gut gemacht haben.

    Verlieren Aktien im Oktober mehr als 5%, dann ist von einer negativen Performance bis Jahresende auszugehen. Der „Sweet Spot“ für die Jahresendrallye im November und Dezember ist eine Oktoberperformance zwischen -5% und +5%. Die Voraussetzungen für nur noch leichte Gewinne bis Jahresende sing gegeben.