„Die zahlreichen Überarbeitungen der Kodizes haben die Führungsgremien japanischer Unternehmen dazu veranlasst, sich stärker mit Rentabilität und Kapitaleffizienz auseinanderzusetzen als in der Vergangenheit“, schreibt Daisuke Nomoto, Leiter für japanische Aktien bei Columbia Threadneedle, in einem aktuellen Kommentar. In der Folge sei die Eigenkapitalrendite japanischer Unternehmen von einem niedrigen einstelligen Niveau in den 90er- und 2000er-Jahren auf etwa 8 Prozent im Jahr 2019 gestiegen, sodass der Vorsprung europäischer Unternehmen schrumpfte. „In Verbindung mit der Integration von ESG-Aspekten in unseren Investmentprozess mittels unserer firmeneigenen Responsible-Investment-Tools und unseres intensiven Researchs ist Japan aus unserer Sicht ein Markt, der immer mehr zu bieten hat“, schlussfolgert der Experte.

Columbia Threadneedle verweist zum Beispiel auf den Corporate Governance Code, der 2015 verabschiedet wurde. Dieser sehe auch ein transparentes Verfahren für die Abberufung von Mitgliedern der Geschäftsleitung und deren Nachfolge vor. Daher richteten mehr Unternehmen Nominierungsausschüsse ein, um die gewünschte Rechenschaftspflicht zu erreichen.

Im Hinblick auf die Doppelnotierung von Mutter- und Tochtergesellschaft gebe es ebenfalls Fortschritte. „Besonders problematisch an einer Doppelnotierung von Mutter- und Tochtergesellschaft sind daraus resultierende Interessenkonflikte, die Minderheitsaktionäre in eine nachteilige Position bringen können“, schreibt Nomoto. „Aus unserer Sicht stehen solche Doppelnotierungen im Widerspruch zu den Zielen des Corporate Governance Code.“ Doch habe es in letzter Zeit einige positive Entwicklungen gegeben, zum Beispiel die Auflösung der Doppelnotierung in einigen führenden Unternehmen – darunter Hitachi, Toshiba und Mitsubishi Chemical.

Zudem habe der ehemalige japanische Premierminister Abe vor Kurzem eine Debatte über die Leitlinien der Governance-Reform angestoßen. „Wir gehen davon aus, dass dies zur schnelleren Auflösung von Doppelnotierungen beitragen wird, was die Management- und Aktionärsinteressen besser in Einklang bringen würde“, schreibt Nomoto. „Außerdem dürfte dies unserer Einschätzung nach für eine effektivere Allokation von nicht vollständig ausgeschöpftem Kapital sorgen, etwa durch Investitionen in Projekte mit höherem Kapitalrückfluss oder durch die Rückführung von überschüssigem Kapital an die Aktionäre.“

Erfreulich ist Columbia Threadneedle zufolge auch, dass Überkreuzbeteiligungen japanischer Unternehmen abnehmen dürften. Die jüngste Überarbeitung der Offenlegungspflichten zwinge die Unternehmen, Einzelheiten über strategische Beteiligungen anzugeben. Nomoto: „Da Geschäftstransaktionen laut diesem geänderten Corporate Governance Code nicht auf strategischen Beteiligungsverhältnissen beruhen dürfen, gehen wir davon aus, dass weitere Engagement-Aktivitäten zur Auflösung der Überkreuzbeteiligungen beitragen werden, was eine effizientere Kapitalnutzung fördert.“