Japan hat die älteste Bevölkerung nach Durchschnittsalter. Es gibt nur ein Land, welches Japan schlägt. Es handelt sich dabei um Monaco. Monaco ist jedoch so klein und hat ein so spezielles Wirtschaftsmodell, dass die Überalterung de facto keine Rolle spielt. Es ist sogar fast schon Teil des Wirtschaftsmodells älteren, wohlhabenden Menschen ein steuergünstiges Zuhause zu bieten.

In Japan ist die Lage eine ganz andere. Die Bevölkerung, die im Durchschnitt immer älter wird, nicht mehr arbeitet und sozial versorgt werden muss, dämpft das potenzielle Wachstum. Deutschland befindet sich in einer ähnlichen Situation, hinkt Japan in seiner Entwicklung allerdings einige Jahre hinterher.

Deutschland ist in Europa Spitzenreiter, was das Alter der Bevölkerung angeht. Weltweit liegen Japan und Deutschland unangefochten an der Spitze. Die darauffolgenden Ränge werden jedoch fast ausschließlich von europäischen Ländern belegt. Was Japan derzeit passiert, kommt auf Deutschland in wenigen Jahren und auf Europa in 10 bis 15 Jahren zu. Die Entwicklung Japans ist daher wegweisend auch für den gesamten europäischen Kontinent. Es geht um nicht weniger als die Frage, ob das derzeitige Wirtschaftsmodell im Kontext einer schrumpfenden Bevölkerung überleben kann.

Japans Einwohnerzahl hat im Jahr 2009 seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. Seitdem geht es langsam bergab. Grafik 1 zeigt die Bevölkerungsentwicklung des Landes seit 1870. Die Bevölkerung wuchs bis zum Zweiten Weltkrieg relativ konstant. Durch den Krieg gab es einen deutlichen Knick in der Entwicklung. In den darauffolgenden Jahren beschleunigte sich das Wachstum für kurze Zeit, bevor es in den 70er Jahren abzuflachen begann.

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Diese Entwicklung ist seit Jahrzehnten bekannt. Japan selbst hat diese Entwicklung jedoch ignoriert. Der langjährige Japan-Kenner Schlesinger (Wall Street Journal) beschreibt den Umgang Japans mit der Situation schlicht als Leugnung, die sich bis zum Jahr 2000 hielt. Bis dahin sagten Demographen entgegen aller realen Entwicklungen einen baldigen Anstieg der Geburtenraten voraus.

Nachdem sich die Vorhersagen 30 Jahre lang nicht bewahrheiteten, akzeptierte Japan sein demographisches Schicksal als unumgänglich. Zu diesem Schicksal gehört eine ständig sinkende Nachfrage durch die Schrumpfung der Bevölkerung. Wenn weniger nachgefragt wird, wird natürlich auch weniger produziert. In einer überalternden und schrumpfenden Bevölkerung wird einfach weniger gebraucht.

Für unser Wirtschaftssystem ist das ein Problem. Es ist auf Wachstum ausgelegt. Die Wirtschaft wächst, indem die Nachfrage immer weiter steigt. Das bedingt Investitionen in Maschinen, Ausrüstung, Infrastruktur usw. Schrumpft die Bevölkerung, dann braucht man von allem weniger. Es bedarf einer geringeren Produktionskapazität. Neue Wohngegenden müssen gar nicht erst gebaut werden. Vielmehr geht es um den Rückbau.

Der Großraum Tokyo beheimatet mehr als 30 Mio. Menschen. Am Ende des Jahrhunderts wird das fast die Hälfte der japanischen Bevölkerung sein. Entweder schrumpft Tokyo oder der Zuzug verhindert das. In diesem Fall müssten andere Städte komplett verwaisen. Was macht man, wenn Jahr um Jahr 300.000 weniger Wohnungen gebraucht werden? – Den Bausektor anschieben wird es kaum, es sei denn, man spezialisiert sich auf den Abriss und nicht den Aufbau.

Die Japanische Wirtschaft steht nicht nur vor einem demographischen Wandel, sondern mit diesem zusammenhängend auch einem wirtschaftlichen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg jahrzehntelang. Grafik 1 zeigt das BIP pro Kopf seit 1870. Abgesehen von den Folgen des Zweiten Weltkriegs war der Trend klar. Das Wachstum war nach dem Krieg bis Ende der 80er Jahre sehr hoch. Erklären lässt sich das durch die Produktivitätszuwächse. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein deutlicher Anstieg des Produktivitätswachstums. Der Trend schwächte sich in den 70er Jahren ab. Seit 1990 stagniert die Produktivität nahezu.

Stagnierende Produktivität ist eine gefährliche Sache. Wenn die Bevölkerung schrumpft und folglich auch immer weniger Menschen arbeiten, dann kann die Wirtschaftsleistung nur steigen, wenn jeder einzelne mehr produziert. Genau das passiert jedoch nicht. Der Output pro Arbeitskraft wächst kaum noch, doch ohne dieses Wachstum ist das BIP dazu verdonnert zu sinken.

Grafik 2 zeigt eine Prognose der Entwicklung bis Ende des Jahrhunderts. Es geht dabei nur sekundär um die Bevölkerungsentwicklung. Viel interessanter ist die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes. Die Prognose nimmt an, dass das BIP pro Kopf real um 0,75% pro Jahr wächst. Das BIP pro Kopf multipliziert mit der Anzahl an Personen ergibt die Wirtschaftsleistung des Landes.

In dieser Rechnung stagniert das BIP in den kommenden Jahrzehnten. Grundsätzlich sind auch ganz andere Szenarien denkbar. Bleibt das Produktivitätswachstum auf dem derzeitigen Niveau, dann würde das BIP bis zum Ende des Jahrhunderts um 20% sinken. Pro Kopf steigt die Wirtschaftsleistung noch immer moderat an, aber im Aggregat schrumpft sie.

Der Fall, indem die Wirtschaftsleistung den bisherigen Wachstumstrend fortsetzt, ist recht unwahrscheinlich. Dazu fehlt es an Impulsen. Unternehmen investieren so gut wie gar nicht mehr im Heimatland, doch ohne Investitionen darf man kein Produktivitätswachstum erwarten. Es fällt ja nicht vom Himmel...

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Die Wirtschaftspolitik der Regierung und der Notenbank versuchen die Investitionen und damit das Produktivitätswachstum anzukurbeln. Bisher ist das nicht gelungen. Die dahinterstehende Logik ist jedoch bestechend. Durch die Abwertung des Yen wurden japanischen Unternehmen Rekordgewinne ermöglicht. In der Theorie sollte das dazu führen, dass mehr investiert wird.

Unternehmen investieren nur, wenn sie glauben, dass ihre Investitionen auch eine ordentliche Rendite abwerfen. Genau diese Zuversicht fehlt den Unternehmen, was bei einer schrumpfenden Bevölkerung nicht verwunderlich ist. Für die Regierung und die Notenbank ist daher Inflation ein Schlüsselpunkt. Steigt die Inflation, weil die Nachfrage steigt, dann können sich Investitionen lohnen. Bei einer schrumpfenden Bevölkerung kann die Nachfrage nur steigen, wenn jeder einzelne mehr konsumiert. Konsumenten kaufen mehr ein, wenn sie mehr verdienen. Die Reallöhne stagnieren jedoch seit Jahren.

Unternehmen haben die Geldmittel zu investieren, tun es aber nicht, weil sie nicht an die Zukunft glauben. Verübeln kann man es ihnen nicht. Die Zukunft Japans kann jedoch nur gelingen, wenn investiert wird. Und zwar so viel, dass die Produktivität pro Jahr um 1,5 bis 2,5% steigt. Grafik 3 zeigt dazu die Entwicklung seit 1950 und das notwendige Produktivitätswachstum, um den Rückgang der Bevölkerung zu kompensieren. Auf den ersten Blick sieht man, dass die Produktivität so stark wachsen muss wie seit den 80er Jahren nicht mehr – und das über viele Jahre.

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So hoher und vor allem auch langfristiger Zuwachs an Produktivität ist äußerst unwahrscheinlich. Japan will es dennoch versuchen über Produktivität den Niedergang aufzuhalten. Da die Unternehmen nicht mitspielen, kann das nach derzeitigem Stand nicht gelingen. Japan befindet sich in einem Dilemma. Unternehmen investieren nur, wenn sie an die Zukunft glauben. Das tun sie nicht, weil die Bevölkerung schrumpft. Entgehen kann die Wirtschaft der Schrumpfung nur, wenn investiert wird. Ein Zirkelschluss bzw. – wenn man es positiv sieht – eine sich selbsterfüllende Prophezeiung: würden Unternehmen an die Zukunft glauben, dann investieren sie und die Wirtschaft kann wachsen, was Folgeinvestitionen nach sich zieht. Derzeit sieht es eher nach Folgendem aus: die Bevölkerung schrumpft, daher wird nicht investiert, was das Wachstum dämpft und entsprechend die Investitionsbereitschaft weiter dämpft.

Japan versucht mit der Geld- und Fiskalpolitik den Teufelskreis zu durchbrechen, bisher ohne Erfolg. Scheitert Japan in seinen Bemühungen, dann können wir uns in Europa auf schlimme Zeiten einstellen, denn wenn selbst die extrem aggressive Politik den Stein nicht ins Rollen bringt, wie soll es dann in einem Europa mit Dutzenden Ländern, die alle eine andere Meinung haben, geschehen?

Lars Gottwik

Partner & COO JFD Brokers

JFD Brokers – Just FAIR and DIRECT

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Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

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