Tokio (Godmode-Trader.de) - In Japan fiel die Umfrage („Tankan“) der Bank of Japan unter 10.000 Firmen im Land für das zweite Quartal so schwach aus wie zuletzt im Jahr 2009 zu Zeiten der großen Finanzkrise. Der Tankan-Schlüsselindex der Geschäftsbedingungen für große Hersteller ist von minus 8 auf minus 34 Punkte gefallen. Experten hatten ein nicht ganz so schwaches Ergebnis erwartet. Gleichwohl liegt der Wert immer noch weit über dem Tief von minus 58 Punkten, das während der globalen Finanzkrise 2009 erreicht wurde. Ein negativer Index bedeutet, dass die Pessimisten in der Mehrheit sind.

Wegen der Corona-Pandemie war die Industrieproduktion Japans weggebrochen. Bei den Autobauern etwa schrumpfte der Ausstoß im Inland im Mai in Folge vorübergehender Stilllegung der Bänder und schwacher Nachfrage um 61,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit so stark wie nie zuvor. Unter dem Einbruch hatten auch Zuliefererfirmen zu leiden.

Die 27-Punkte-Veränderung des Tankan Gesamtwirtschaftindex im Verhältnis zum ersten Quartal deutet darauf hin, dass das japanische Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 8 Prozent geschrumpft ist.

Unterdessen sanken die Bedingungen der großen Nicht-Hersteller im Tankan von 8 auf minus 17 Punkte und lagen damit noch über ihrem Tiefstand von minus 31 im 1. Quartal 2009. Die Tankan-Umfrage wurde zwischen dem 28. Mai und dem 30. Juni durchgeführt, als sich die Aktivität zwar erholte, aber immer noch stark rückläufig war. Die "Beschäftigungsbedingungen" stiegen von minus 28 auf minus 6 Punkte, im Einklang mit der Arbeitslosenquote, die in diesem Quartal auf 4 Prozent anstieg.

Positiv war allerdings, dass die Großunternehmen ihre Investitionsprognosen für das im Juli beginnende Fiskaljahr auf 3,2 Prozent (y/y) nach oben korrigierten. Das ist zwar deutlich niedriger als die im letzten Jahr für das zweite Quartal prognostizierten Werte, deutet aber darauf hin, dass sich die Unternehmensinvestitionen besser halten werden, als viele Analysten erwartet hatten. Im zweiten Quartal 2009 fielen die Investitionspläne der Unternehmen für das kommende Fiskaljahr mit minus 9,4 Prozent (y/y) wesentlich pessimistischer aus. Dies ist ein positives Zeichen für die Bank of Japan, die stets argumentiert, dass die Nachhaltigkeit der Inlandsnachfrage von den Unternehmensinvestitionen abhängt.

Da die Erholung nun an Fahrt gewinnt und die Corona-Neuinfektionen außerhalb Tokios gering bleiben, dürfte die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder an Fahrt aufnehmen.