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Tokio (BoerseGo.de) - Entgegen den Erwartungen eines moderaten Wachstums ist die japanische Wirtschaft im dritten Quartal in die Rezession geschlittert. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel im Zeitraum Juli bis September um eine hochgerechnete Jahresrate von 1,6 Prozent. Von Bloomberg befragte Experten hatten hingegen mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung gerechnet. Eine Erhöhung der Konsumsteuer Anfang April von 5 auf 8 Prozent hatte der Wirtschaft bereits im zweiten Quartal so schwer zugesetzt, dass die Wirtschaft um 7,3 Prozent geschrumpft ist. Im Vergleich zum vorangegangen Quartal verringerte sich die wirtschaftliche Leistung des Landes im Sommer um 0,4 Prozent, nach minus 1,9 Prozent im Vorquartal. Schrumpft eine Wirtschaft wie nun im Falle Japans in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen, sprechen Ökonomen von einer (technischen) Rezession.

Der Einbruch im dritten Quartal entstand hauptsächlich aus dem weiteren Rückgang der privaten Investitionen: Die Eigenheiminvestitionen sanken im Quartalsvergleich um 6,7 Prozent, nach einer Schrumpfung um 10,0 Prozent im zweiten Quartal, während die sonstigen Investitionen um 0,2 Prozent (nach zuvor –4,8 %) sanken. Das Konsumwachstum ließ Anzeichen einer Erholung erkennen, insbesondere dank der Verkäufe von Gebrauchsgütern, blieb aber mit plus 0,4 Prozent zum Vorquartal ebenfalls relativ schwach. Auch die Nettoexporte trugen positiv zum BIP im dritten Quartal bei, da die Exporte stärker stiegen als die Importe.

Zusammen mit dem überraschend starken Einbruch im zweiten Quartal liegt die japanische Wirtschaftsleistung im zweiten und dritten Quartal deutlich unter den Wachstumsraten, die die meisten Analysten und die politischen Verantwortungsträger zum Jahresbeginn erwartet hatten. Damit stellt sich die Frage, ob Premierminister Shinzo Abe die zweite Mehrwertsteuererhöhung von 8 auf 10 Prozent, die ursprünglich für Oktober 2015 geplant war, verschieben wird. Abe kommt erst am heutigen Montag von einer Auslandsreise zurück. Er soll laut Medien bereits angedeutet haben, noch im Dezember Neuwahlen anzusetzen. Mit einer Entscheidung wird frühestens an diesem Dienstag gerechnet.

Aus ökonomscher Sicht spricht viel für eine Verschiebung der geplanten Steuererhöhung. Die schwachen Daten zeigen auf, dass die japanische Wirtschaft und vor allem die Binnenkonjunktur voraussichtlich noch nicht stark genug sein wird, um Steuererhöhungen abzufedern.

Die schlechten Neuigkeiten übertrugen sich von dem japanischen Aktienmarkt, wo der Nikkei fast 3,0 Prozent einbrach, in andere Märkte. So verloren auch Aktien in Shanghai und Hong Kong. Rohstoffe wie das Öl notieren erneut niedriger, und der japanische Yen fiel im Vergleich zum Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren. Zwischenzeitlich mussten für einen US-Dollar 117,04 Yen bezahlt werden. Noch vor zwei Jahren hatte ein US-Dollar weniger als 80 Yen gekostet.