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Tokio (Godmode-Trader.de) - Der japanische Premierminister Shinzo Abe hat für Tokio, Osaka und fünf weitere Präfekturen den Notstand ausgerufen. Dieser gilt bis zum 6. Mai. Mit dem Notstand im Rücken sind lokale Behörden ermächtigt, die Menschen anzuhalten, möglichst zu Hause zu bleiben. Zugleich hat Abe auch ein riesiges Konjunkturpaket im Umfang von fast 1 Bio. Dollar enthüllt, mit dem Ziel, die schlimmsten Auswirkungen des virusbedingten Stillstands der Wirtschaft abzufedern.

Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im Schlussquartal 2019 auf das Jahr hochgerechnet um 7,1 Prozent gesunken, so stark wie seit dem Quartal April bis Juni 2014 nicht mehr. Nachdem die Regierung aus Gründen des Gesundheitsschutzes der Menschen im Grunde gezwungen ist, die Wirtschaft in Teilen herunterzufahren, droht nun eine weitere schwere ökonomische Kontraktion. Noch aber hält die Regierung eine umfängliche Schließung des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft nicht für angebracht. Mit rund 2.000 Infektionsfällen und zuletzt 56 Toten hält Japan dem Virus bislang auch besser stand als viele andere Länder.

Vier Wochen Stillstand in der jetzigen Notstands-Region und ein angenommener Nachfragerückgang dort um 40 Prozent könnte die jährliche Wirtschaftsleistung ganz Japans um 0,7 Prozentpunkte senken, hat Goldman Sachs berechnet. „Im Moment gibt es nicht wirklich eine Wahl. Man muss die Begrenzung der Verbreitung des Virus zu einer Priorität machen", sagte der Chefökonom Yuichi Kodama vom Meiji Yasuda Research Institute der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Ich denke, die Maßnahmen, die die Regierung bisher ergriffen hat, waren im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Befugnisse relativ angemessen."

Das Konjunkturpaket will das Schlimmste verhindern. Die Maßnahmen sehen unter anderem Barmittel in Höhe von 300.000 Yen für einkommensschwache Familien vor, deren Einkommen wegen der Coronavirus-Krise um mehr als die Hälfte geschrumpft ist. Haushalte mit Kindern bekommen einmalige Zahlungen von 10.000 Yen pro Kind. Weitere bis zu zwei Mio. Yen bekommen Inhaber kleiner Firmen sowie mittelgroßer Unternehmen, deren Umsätze eingebrochen sind.

Wie unsicher die Wirtschaftsaussichten sind, belegte zuletzt die vierteljährliche Tankan-Umfrage der Bank von Japan. Demnach ist die Stimmung der japanischen Großunternehmen des Verarbeitenden Gewerbes so schlecht wie seit sieben Jahren nicht mehr. Der entsprechende Stimmungsindex sank auf minus 8 Prozentpunkte und zeigt damit erstmals seit April 2013 wieder mehr pessimistische als optimistische Unternehmen.

Tokio und seine drei Nachbar-Präfekturen Kanagawa, Chiba und Saitama machen ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts Japans aus, wobei der industrielle Ausstoß dem Volumen Kanadas entspricht. In Osaka sind etwa die Geräte- und Elektronikhersteller Panasonic, Keyence und Sharp ansässig. Rechnet man die Region Kobe neben Osaka und Fukuoka hinzu, so machen die für den Notfall vorgesehenen Gebiete laut einer Bloomberg-Berechnung etwa 48 Prozent des BIP Japans aus.