Donald Trump macht wieder Schlagzeilen, nachdem es in den letzten Monaten sehr ruhig war. Die Ruhe war unfreiwillig. Soziale Netzwerke sperrten Trump nach dem Sturm auf das Kapital in Washington. Das hat weder dem Ex-Präsidenten der USA noch vielen seinen Anhängern gepasst. Es wurde als Zensur begriffen. Gegen die Entscheidungen von Twitter und Facebook kann Trump wenig ausrichten. Es ist unwahrscheinlich, dass sie ihn wieder zurück auf ihre Plattformen lassen. Will Trump trotzdem über soziale Netzwerke kommunizieren, braucht er ein eigenes. Genau das soll es nun geben. Zu diesem Zweck soll die Trump Media & Technology Group über ein Blankoscheckunternehmen an die Börse.

Um SPACs (Special Purpose Acquisition Companies, Blankoscheckunternehmen) war es zuletzt ebenfalls ruhig. Nach einem ausgeprägtem Boom 2020 und in der ersten Jahreshälfte 2021 gehen die eingesammelten Gelder deutlich zurück (Grafik 1).


Das Interesse ging ebenfalls zurück (Grafik 2). Im Vergleich zum Jahresbeginn interessiert sich niemand mehr für SPACs. Das dürfte sich in den kommenden Tagen nochmals ändern. Das SPAC mit dem die Trump Media Group an die Börse will, konnte eine der größten Rallys der Börsengeschichte aufweisen.


Der Kurs der Digital World Acquisition Corp. stieg von 10 Dollar auf zwischenzeitlich 175 Dollar. Dieser Kurssprung entspricht einer Marktkapitalisierung von 4,62 Mrd. Dollar. Allein durch die Ankündigung konnte Trump Vermögen von über 4 Mrd. schaffen.

Digital World Acquisition Corp

So schnell dieses Vermögen geschaffen wurde, so schnell war es auch zum Teil wieder verloren. Der Kurs ist sehr volatil und verlor inzwischen wieder 50 % vom Hoch. Dennoch zeigt es, wie groß das Interesse an Trump immer noch ist.

Trump hatte einmal 89 Mio. Follower auf Twitter und 33 Mio. auf Facebook. Da Trump ganz offensichtlich noch viele Anhänger hat, kann man davon ausgehen, dass auch viele auf sein neues soziales Netzwerk kommen könnten. Genau damit verkauft Trump seine Idee. Er gründet ein Netzwerk und all seine bisherigen Follower kommen mit. Mit 50 bis 100 Mio. Nutzern auf einem Netzwerk lässt sich schon Geld verdienen…

Entsprechend lässt sich der Kurssprung bei dem SPAC erklären. Das Netzwerk soll offen sein und ohne Zensur auskommen. Das dürfte nicht nur Trump-Anhänger anziehen, sondern viele Randgruppen. Das Potenzial ist enorm. Trotzdem ist der Kurs des SPAC nach dem ersten Kurssprung wieder deutlich gefallen. Wie lässt sich das erklären?

Ein Grund ist vielleicht der Business Plan der Trump Media Group. Es gibt nämlich keinen. Ein paar Zahlen zu früheren Trump-Followern auf Twitter und Facebook wurden in einer Präsentation zusammengewürfelt. Dazu wurden Netflix und Disney vermengt und die Logos von Microsoft Azure, AWS (Amazon Web Services) und Google Cloud hinzugefügt.

Die Idee mag eine Marktlücke füllen. Es fehlt nur ziemlich offensichtlich an Substanz. Abgesehen davon nutzt ein soziales Netzwerk wenig, wenn es in App Stores von Apple und Google nicht verfügbar ist und Cloud Anbieter den Service verweigern.

Unabhängig davon, was man persönlich von Trump hält, steht zu befürchten, dass die Rechnung nicht aufgeht. Es könnte eine Wiederholung eines anderen Versuchs werden. Ein Trump Unternehmen wäre nicht zum ersten Mal an der Börse (Grafik 3) und wäre gescheitert.

Clemens Schmale


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