New York (GodmodeTrader.de) - Das überraschende Ergebnis des EU-Postengeschachers ist ein Sieg auf ganzer Linie für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Nachdem Angela Merkel klargemacht hatte, dass die EU-Kommissionspräsidentschaft für den Fall eines Scheiterns von Manfred Weber auch keinesfalls an einen Franzosen gehen würde, landete der junge Präsident mit dem Vorschlag von Ursula von den Leyen einen veritablen Coup. Gleichzeitig reservierte sich der französische Präsident mit der EU-Kommissionspräsidentschaft für Ursula von der Leyen den ersten Zugriff auf die EZB, wo im November die Nachfolge von Mario Draghi ansteht, wie Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, in seinem aktuellen Marktkommentar schreibt.

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Nachfolger Donald Tusks als EU-Ratspräsident werde der geschäftsführende belgische Premierminister Charles Michel, der ebenfalls als Vertrauter des französischen Präsidenten gelte. Unterm Strich lasse sich also festhalten, dass sowohl die EU-Doppelspitze – Kommissions- und Ratspräsidentschaft – als auch die EZB-Chefetage sich künftig in ausgesprochen frankophilen Händen befinden dürfte. Bien fait, Monsieur le Président, heißt es weiter.

„Die Griechen haben gewählt und der regierenden Syriza-Partei von Regierungschef Alexis Tsipras eine empfindliche Niederlage beigebracht. Mit fast 40 Prozent der Stimmen und einer absoluten Mehrheit im Parlament siegte die konservative Nea Dimokratia mit ihrem Spitzenkandidaten Kyriakos Mitsotakis. Es bleibt abzuwarten, ob Mitsotakis in der Lage ist, seinen Wahlversprechen Taten folgen zu lassen“, so Lück.

Immerhin zeige aber die vorgezogene Neuwahl und deren Ergebnis, dass die griechische Demokratie, die älteste der Welt, sehr lebendig sei. Leider lasse sich dies vom Nachbarland Türkei weniger behaupten, wo der zunehmend autokratisch agierende Präsident Erdogan kurzerhand den unliebsamen Zentralbankchef Murat Cetinkaya abgesetzt habe. Investoren würden zu Recht skeptischer bezüglich der Sicherheit von Anlagen in der Türkei, die Lira habe entsprechend nachgegeben, heißt es weiter.

„Insgesamt sehen Marktteilnehmer die jüngsten Entwicklungen in Europa aber positiv. Wir nehmen den Ausblick auf expansivere Geld- und Fiskalpolitik sowie eine leichte wirtschaftliche Erholung im weiteren Jahresverlauf zum Anlass, europäische Aktien von „Untergewichten“ auf „Neutral“ hochzustufen“, so Lück.