Die Angst um wetterbedingte Ernteverluste hat die Preise für Arabica-Kaffeebohnen das erste Mal seit 13 Jahren über die 2-Dollar-Marke springen lassen. Die Bohnen, die wegen ihres milden Geschmacks beliebt sind, verteuerten sich um über 3% und erreichten bei $2,0315 pro Pound das höchste Niveau seit dem 18. September 1997. Seit Juni klettern die Preise an, als mehrere karibische Tropenstürme die optimistischen Ernteprognosen, die es noch zu Jahresbeginn gab, über den Haufen warfen. Die häufigen Regenfälle haben die Erträge gemindert. Die Nachfrage steigt kräftig an – und man kann nicht einfach mit dem Finger schnippen und die Ernte klettert wieder. Die Lagerbestände lagen in der gerade vergangenen Woche nur noch bei 1,8 Millionen Sack Bohnen, was einem Rückgang um 44% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Einige Kaffeeröster wie Starbucks haben bereits auf die gestiegenen Notierungen reagiert und ihre Preise erhöht.

    Gleichzeitig hat das Tageshandelsvolumen an der „Intercontinental Exchange“ (ICE) einen neuen Rekordwert markiert. Neben der Knappheit an Kaffee wird auch schon seit Wochen über Schieflagen bei großen Hedgefonds spekuliert. Zumindest die Heftigkeit der Kursbewegung spricht für die These, wonach ein oder mehrere Hedgefonds sich die Finger mit Shortspekulationen verbrannt haben. Die „Financial Times“ berichtete, ihr lägen Informationen vor, wonach ein großer Rohstoffhändler gezielt Shortspekulanten in die Enge getrieben habe. Möglicherweise könnte es sich um eine Urvariante des Missbrauchs an den Terminmärkten gehandelt haben, ein so genanntes „Corner“. Dabei drängt ein Marktteilnehmer andere in die Ecke (engl. Corner), beispielsweise indem er eine große Kaufposition aufbaut, und dann auf Erfüllung der Lieferverpflichtung besteht. Ist die Gegenseite (der Verkäufer; bzw. die Shortposition) nicht in der Lage die Lieferverpflichtung zu erfüllen, muss sie ihre Position durch den Aufbau von Kaufpositionen neutralisieren. Wenn der Markt eng ist, also nur wenige andere potentielle Verkäufer vorhanden sind, kann es durch die gesteigerte Nachfrage zu einem sich selbst verstärkenden Prozess kommen: Die Notierungen steigen schlagartig an, was weitere Verkäufer (Shortpositionen) in Bedrängnis bringt, die nun ebenfalls ihre Positionen durch Käufe glattstellen wollen, oder auf Grund von Nachschussverpflichtungen bzw. Marginanforderungen (Margin Call) müssen. Das führt zu weiter steigenden Preisen, wodurch letztendlich ein Short-Squeeze ausgelöst werden kann. Beim bewusst herbeigeführten Corner nutzt derjenige, der die dominante Kaufposition aufgebaut hat, die Notsituation der Gegenseite nun sukzessive aus, um seine eigene Position mit erheblichem Gewinn abzustoßen.

    Historisch betrachtet gibt es dutzende Beispiele für erfolgreiche und gescheiterte Corners, ihre Geschichte reicht bis in die Anfangszeiten des amerikanischen Terminkontrakthandels zurück. Die Funktionsweise wird klar, wenn man sich das spektakuläre Scheitern des legendären amerikanischen Weizencorners im Jahr 1897 vor Augen hält: Damals versuchte der als „Weizen-König“ bezeichnete Harvard-Absolvent Joe Leiter, den Dezemberfuture am „Chicago Board of Trade“ (CBOT) zu manipulieren. Der Spekulant eröffnete in diesem Konktrakt Longpositionen über mehr als 10 Millionen Büschel Weizen, da er wusste das die Lagerbestände im näheren Umland niemals ausreichen konnten, um die Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Den Dezemberfuture wählte er bewusst, da im tiefsten Winter der übliche Wassertransportweg über die Großen Seen wegen Vereisung häufig nicht passierbar war. Er setzte darauf, dass die Gegenpartei ihren Verpflichtungen wegen logistischer Schwierigkeiten nicht nachkommen könnte. Allerdings schlug der Plan fehl: Seine Kontraktpartner schlossen sich unter Leitung des dominierenden Verkäufers P.O. Armour zusammen, und heuerten eine wahre Armada von Schiffen an, die mit Hilfe von Eisbrechern und Schleppdampfern termingerecht Weizen aus allen Landesteilen herbeischafften. Zwar versuchte Leiter durch weitere Käufe den vollständigen Kollaps des Corners abzuwenden, doch vergeblich: „Finally, the corner collapsed in a pit of frantic brokers fighting like madmen“, heißt es in zeitgenössischen Quellen. Leiter erlitt einen Verlust von mehreren Millionen Dollar und wurde für immer vom Handel am CBOT ausgeschlossen.

    Auch wenn sich die Bedingungen an den Terminbörsen seit dieser Zeit stark verändert haben, ist ein Corner auch heute nicht undenkbar. Das gilt vor allem für einen Markt wie Kaffee, der wegen der hohen Volatilität ein beliebter Tummelplatz für Spekulanten aller Art ist. Diese haben normalerweise keinerlei Interesse an der physischen Erfüllung der Kontrakte. Sobald sich der Verfallstermin nähert, schließen sie ihre Positionen. Falls die Position aufrechterhalten werden soll, wird sie durch neue Käufe oder Verkäufe von Kontrakten mit längerer Laufzeit „gerollt“. Im vorliegenden Fall dürfte das Schließen der Positionen Probleme bereitet haben, da in den von der „Intercontinental Exchange“ (ICE) zertifizierten Lagerhäusern derzeit Ebbe herrscht. Die Arabica-Lagerbestände liegen gegenwärtig nur bei 2,2 Millionen Säcken, was dem niedrigsten Stand seit 2002 entspricht. Dadurch könnte es zu einem kurzfristigen Mangel an verkaufswilligen Händlern gekommen sein, was zu Problemen bei der Liquidation von Shortposition führen kann. Dass großer Bedarf herrschte macht ein Blick auf die Rekordvolumina am 11. Juni deutlich, an dem mehr als 110.000 Kontrakte an der ICE umgesetzt wurden. Allerdings bleibt festzuhalten, das global betrachtet durchaus genug Kaffee vorhanden ist. Die kurzfristig verfügbaren Vorräte lagerten lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort. Dadurch ergibt sich tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit dem beschriebenen historischen Weizencorner.

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    http://www.godmode-trader.de/Premium/Trading/Gold-Rohstoff-Trader

    Schöne Grüße

    Ihr Jochen Stanzl - Chefredakteur Finanznachrichten Boerse-Go.de