Frankfurt (GodmodeTrader.de) - In der ersten Julihälfte war der Kakaopreis in New York auf 2.100 US-Dollar je Tonne gefallen, den niedrigsten Stand seit Herbst 2018 und weit entfernt von den 2.900 US-Dollar vor der Corona-Krise im Februar. Der Kakaopreis leidet neben einer schleppenden Nachfrageentwicklung unter den insgesamt erfreulichen Angebotsaussichten, wie Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl im „TagesInfo Rohstoffe“ schreibt.

Vor allem in der Elfenbeinküste, dem mit Abstand größten Kakaoproduzenten, sei nach ausreichenden Regenfällen die Feuchtigkeitsversorgung so gut, dass die ivorischen Kakaoanbauer eine hohe Haupternte ab Oktober erwarteten. Dagegen hätten die Beschränkungen in der Corona-Krise, insbesondere der Einbruch des Außer-Haus-Verzehrs und die Schließung von Verkaufsstellen, die weltweite Nachfrage nach kakaohaltigen Produkten belastet, heißt es weiter.

„Dies verringert auch den Bedarf an Vorprodukten. Zwar stieg in der Elfenbeinküste, die inzwischen rund 30 Prozent ihrer Kakaobohnen selbst verarbeitet, nach Angaben der Exporteurvereinigung GEPEX die Vermahlung im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr marginal auf 140.000 Tonnen. Doch in der nach wie vor größten Nachfrageregion Europa wurden laut der Europäischen Kakaovereinigung ECA im zweiten Quartal mit 314.000 Tonnen fast neun Prozent weniger Kakaobohnen als im Vorjahr verarbeitet und so wenig wie zuletzt vor fünf Jahren in einem Quartal“, so Helbing-Kuhl.

Da sei nur wenig beruhigend, dass das zweite Quartal traditionell ein eher schwaches sei. In Deutschland sei die Verarbeitung im zweiten Quartal sogar um 16 Prozent auf unter 79.000 Tonnen geschrumpft, wie der deutsche Branchenverband BDSI gemeldet habe. Für Nordamerika, wo die Verarbeitung schon im ersten Quartal fünf Prozent niedriger als im Vorjahr gewesen sei, habe die National Confectioners Association NCA für das zweite Quartal einen Rückgang um fast elf Prozent gemeldet, heißt es weiter.

„Und noch ist die Corona-Krise nicht ausgestanden. Zusätzlich auf die Nachfrage könnte der ab 2020/21 in der Elfenbeinküste und Ghana zu zahlende Aufschlag auf den Börsenpreis (Living-Income-Differential) drücken, mit dem die Lebensbedingungen der Kakaoanbauer verbessert werden sollen. Vor wenigen Tagen hatte ein großes Unternehmen der Branche sich zwar positiv zu dessen Zielsetzung geäußert, allerdings angekündigt, den Aufschlag an die Kunden weitergeben zu wollen“, so Helbing-Kuhl.