Der Bankrott einer Notenbank ist möglich, aber unbedeutend. Sie kann ja selbst Geld schaffen. Eine Zahlungsunfähigkeit wie bei normalen Geschäftsbanken oder jedem anderen Unternehmen ist damit nicht möglich. Trotzdem blicken Skeptiker der expansiven Geldpolitik argwöhnisch auf die enormen Verlustrisiken.

Die Bilanzsumme der Bundesbank liegt inzwischen bei 2,5 Billionen Euro. Der Zuwachs gegenüber 2019 liegt bei mehr als 700 Mrd. Euro. Grund dafür waren höhere Anleihekäufe unter den diversen QE-Programmen und eine Ausweitung der Target2-Salden. Es floss wieder mehr Geld aus anderen Euroländern nach Deutschland. Die Bundesbank häuft dadurch Forderungen gegenüber anderen Notenbanken wie z.B. der italienischen an.

Der Bestand an Staats- und Unternehmensanleihen ist bereits ein Risiko. Fallen Anleihen aus, muss die Notenbank den Verlust tragen. Im Vergleich dazu ist der mögliche Ausfall von Forderungen unter Target2 eine ganz andere Hausnummer. Die Forderungen belaufen sich inzwischen auf 1,043 Billionen Euro.

Wegen dieser Risiken erhöhte die Bundesbank die Risikovorsorge. Aus diesem Grund wies sie auch keinen Gewinn aus. Die Rückstellungen für Risiken beläuft sich nun auf knapp 18 Mrd. Euro. Ja, sie lesen richtig. Den Risiken aus der Bilanzsumme von 2,5 Billionen steht eine Risikovorsorge von 18 Mrd. gegenüber.

Kommt es tatsächlich zu Verlusten, weil sich der Euroraum auflöst, sind diese 18 Mrd. vollkommen belanglos. Seit 1981 schrieb die Bundesbank 191 Mrd. Euro Gewinn. Davon hat sie 185 Mrd. an den Bund ausgeschüttet. Hätte sie den Gewinn einbehalten, wären die Rückstellungen adäquater. Wofür aber Rückstellungen bilden, wenn man nicht bankrottgehen kann?

Das ist eine berechtigte Frage. Wieso die Rückstellungen nun überhaupt aufgestockt wurden, ist nicht klar. Vielleicht war es stiller Protest gegen die Geldpolitik in der Eurozone.

Was auch immer der Grund war, im Ernstfall hat die Bundesbank bereits Erfahrungen mit einer Pleite, auf die sie zurückgreifen kann. In den 70er Jahren schrieb sie hohe Verluste. Innerhalb von 10 Jahren wurden 22 Mrd. Verlust angehäuft. Für damalige Verhältnisse war das richtig viel.

Rückstellungen und Eigenkapital waren aufgebraucht. Es wurde sogar darüber debattiert, ob der Staat die Bundesbank rekapitalisieren sollte. Dazu kam es nicht. Die Verluste wurden ausgesessen. Der Verlust stammte übrigens aus Bewertungsveränderungen der Devisenreserven.

Mit dem Ende des festen Wechselkurssystems (Bretton Woods) häufte die Bundesbank Devisenreserven an. Vor allem die USA hatten ein hohes Leistungsbilanzdefizit. Deutschland hatte einen Überschuss. Mit den steigenden Devisenreserven konnten Neubewertungen zu horrenden Verlusten führen.

Clemens Schmale


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