Vollkommen untätig war die Notenbank nicht. So fair muss man auch sein. Sie hat die Zinsen bereits um 25 Basispunkte gesenkt und die Bilanzverkleinerung früher beendet als zunächst gedacht. Allein durch diese beiden Effekte sind die Marktzinsen massiv gesunken, teils auf neue historische Tiefs wie etwa die 30-jährigen Staatsanleihen.

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Man kann der Notenbank nicht vorwerfen, dass sie die Zinsen nicht gleich auf 0 % senkt. Selbst ohne großangelegte Leitzinssenkungen hat sich die Lage am Finanzmarkt deutlich entspannt. Zinsen für Unternehmenskredite, Anleihen und Hypotheken sind naher historischer Tiefs. Das ist schon etwas wert und es ist daher auch verständlich, dass die Notenbank keine übergeordnete Dringlichkeit erkennt.

Noch immer werden pro Monat über 100.000 neue Jobs geschaffen und die Arbeitslosigkeit war das letzte Mal in den 60er Jahren so niedrig wie jetzt. Die Lage kann man selbstmit blühender Fantasie nicht als schlecht bezeichnen. Die Notenbank soll aber nicht danach handeln, was ist, sondern danach, was sein wird.


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Sie sollte die Entwicklung vorhersehen und entsprechend mit Vorlaufzeit agieren, um etwa einer Abschwächung auf dem Arbeitsmarkt entgegenzuwirken. Genau hier hapert es nun. Der Handelskrieg sorgt dafür, dass Unternehmen ihre Investitionen aufschieben. Das ist ein Grund dafür, weshalb jeden Monat weniger Jobs geschaffen werden.

Inzwischen greift das Thema auch auf die Verbraucher über. Das Verbrauchervertrauen dürfte nun wohl endgültig eine Trendwende vollzogen haben (Grafik 1). Das ist für den Arbeitsmarkt kein gutes Zeichen. Der Konsum ist wichtig. Beginnen Amerikaner Zweifel am Aufschwung zu bekommen, werden sie vorsichtiger und schieben gewisse Konsumausgaben auf. Das führt zu einem Abschwung im größten Teil der Wirtschaft, Dienstleistungen.

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Noch deutlicher wird die Sache, wenn man die Lagebeurteilung mit der Arbeitslosenrate vergleicht (Grafik 2). Das Sentiment läuft dem Arbeitsmarkt dabei um ca. 15 Monate voraus. Will die Notenbank den Abschwung Ende 2020 verhindern, muss sie nun so langsam mutiger werden.

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Sie wartet allerdings auf neue Daten, die einen Abschwung bestätigen, um entschlossen zu reagieren. Sind die Daten erst schlecht und bestätigen das, was man vermutet, ist es jedoch schon zu spät.

Es muss zu keinem Abschwung kommen. Es gibt keine Garantie dafür. Will man eine Garantie, dann wartet man, bis es soweit ist. Die Aufgabe der Notenbank ist es aber, Vollbeschäftigung und Preisstabilität zu gewährleisten. Das funktioniert nur, wenn sie proaktiv handelt. Erst aufräumen, wenn das Schaden schon geschehen ist, ist ineffizient und für die Bevölkerung schmerzhaft.

Der Finanzmarkt rechnet inzwischen so fest mit weiteren Zinssenkungen, dass die Fed wohl dazu gezwungen ist, den Markt nicht zu enttäuschen. Ansonsten ist die Hölle los. So kann die Notenbank gegen ihre Überzeugung zum richtigen Handeln gezwungen werden.

Für Anleger heißt das, dass der Bullenmarkt nach wie vor nicht zu Ende ist. Das Schönste kommt zum Schluss. Aller Voraussicht nach können wir noch monatelang von steigenden bzw. seitwärts tendierenden Kursen profitieren.


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