Als ich mich vor vier Jahren das erste Mal mit dem Thema ELA (Emergency Liquidity Assistance) beschäftigte, waren die "Notfallhilfen" eigentlich nur Insidern bekannt. Obwohl im Rahmen der Finanzkrise bereits rege von dem Instrument Gebrauch gemacht wurde, vor allem von Irland, welches damals in arge Turbulenzen kam (inzwischen aber schon wieder ein Musterschüler der EU ist!)

Damals spekulierte ich wie folgt:

“Aber was wäre z.B., wenn die griechische Zentralbank - unter Druck der eigenen Regierung, gedemütigt durch die EZB und andere Zentralbanken und womöglich sogar kurz vor dem Exit Griechenlands aus dem Euro zurück in die Drachme - einfach am Markt eigene Staatsanleihen aufkaufen würde? “

Nun, soweit ist es nicht gekommen. Dennoch sind wir beim Volumen der ELA mittlerweile bei knapp 90 Mrd. EUR angekommen. Das “Fluchtkapital” dürfte bei deutlich über 100 Mrd. EUR liegen. Dieses Geld lagert im Ausland und/oder unter den Kopfkissen besorgter Griechen.

Abgesehen davon, dass die aktuelle Regierung Tsipras/Varoufakis die Fluchtbewegung nach Kräften und wohl mit voller Absicht befördert hat, stellt sich die berechtigte Frage, wie diese immense Summe zurück ins Land fließen könnte, wo sie doch so dringend benötigt wird.

Auch wenn man Bestands-und Stromgrößen zu Recht nicht vergleichen sollte: Wir reden hier von einer Summe, die mehr als der Hälfte des nominalen BIP Griechenlands entspricht. Würde man einen entsprechenden Aderlass in Deutschland provozieren, müssten wir von rund 1,5 Bio. EUR ausgehen…

Dass dieser immense Kapital-Abfluss der ohnehin nicht gerade boomenden griechischen Wirtschaft kaum helfen kann, bedarf keiner weiteren Diskussion.

Aber wie kommt das Geld nun zurück? Vor allem wenn jeder jetzt ausgehandelte Kompromiss keine hohe Halbwertszeit haben kann.

Denn die Griechen wollen unbedingt einen hohen Schuldenerlass, während die Geberländer genau dies nicht wollen. Da bringt das Feilschen um ein paar 100 Mio. EUR bei den Sparmaßnahmen nicht viel. DAS ist der entscheidende Knackpunkt - nicht ein paar Punkte bei der Mehrwertsteuer oder den Renten.

Solange die Griechen keinen bedeutenden Schuldenerlass “ausgehandelt” haben, werden sie keine Ruhe geben. Und solange keine Ruhe einkehrt, wird das Fluchtgeld nicht zurückkehren - denn es ist weiterhin jederzeit mit dem Grexit zu rechnen.

Deswegen könnte der sofortige Austritt aus der Eurozone - trotz aller damit verbundenen Probleme - die bessere Alternative sein. Die Griechen, die ihr Geld in Sicherheit gebracht haben, könnten dann von der zu erwartenden massiven Abwertung der neuen Drachme profitieren. z.B. wäre ein neuer Immobilienboom, wie von Hans-Werner Sinn erwartet, durchaus realistisch.

Aber warum dann nicht gleich einen Schuldenschnitt? Der Grexit würde ja wahrscheinlich ebenso einen Schuldenerlass nötig machen.

Ja, aber der wäre dann praktisch erzwungen! Einen freiwilligen Schuldenerlass will keiner der Regierungschefs der Euroländer seinen Wählern erklären müssen. Und die Signalwirkung an andere Krisenstaaten ist noch wichtiger. Zumal in einigen Staaten (z.B. Spanien) bald Wahlen anstehen…

Der Euro ist und bleibt ein fragiles Gebilde. Würde man mit dem jetzigen Wissen erneut vor der Wahl stehen, käme sicherlich die Währungsunion erst am Ende des politischen Einigungsprozesses. Nun wird man sich wohl noch für viele Jahre irgendwie weiter durchwursteln müssen.