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Die Insolvenzen häufen sich. Das gilt auf mehreren Ebenen. Eine dieser Ebenen ist zweifellos die politische. Weder die EU noch die Eurozone kommen noch voran. Alles ist irgendwie festgefahren. Politisch ist selbst der kleinste Nenner nicht mehr wirklich gemeinsam. Ob der politische Bankrott dem wirtschaftlichen folgt oder umgekehrt, ist schwer zu sagen, doch es bröckelt an allen Ecken und Enden.

Besonders gut ist das in Italien zu sehen. Obwohl Bankaktien in ganz Europa und auch Italien zuletzt heiß begehrt waren, kann dahinter nicht viel mehr als heiße Luft stecken. Die Krisenbank schlechthin, Monte dei Paschi, muss bis Jahresende 5 Mrd. Euro an frischem Kapital herbeizaubern. Einem Bloomberg Bericht zufolge sind bisher 500 Mio. zusammengekommen. Da fehlt noch ein ganzes Stück.

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Bca Monte dei Paschi di Siena

Das ist eine sehr interessante Entwicklung. Als die Kurse der Bankaktien im laufe des Jahres immer neue Tiefs erreichten, machte sich sogar die EZB große Sorgen. Die Kurse spiegeln die Zuversicht von Investoren wider. Je tiefer die Kurse sind, desto schwieriger ist es für Banken neue Aktien auszugeben, um sich Kapital zu beschaffen.

Nach dieser Logik sollte es Banken nach der Rally der letzten Wochen eigentlich leicht fallen den Kapitalmarkt anzuzapfen. Das ist ganz offensichtlich nicht der Fall. Der Risikoappetit von Investoren ist nur mit der Lupe zu erkennen. Die Rally hat anscheinend wenig mit einer neuen Zuversicht und Überzeugung zu tun, dass die Krise überwunden ist. Vielmehr scheinen ein Short Squeeze und kurzfristige Spekulationslust für die Rallye verantwortlich zu sein.

Im Vergleich zu vergangenen Jahren ist die Rally nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nicht jeder Kurs ist so katastrophal wie der von Monte dei Paschi, doch Grund zur Freude gibt es bei kaum einer Bankaktie. Außer viel heißer Luft ist da keine Substanz. Das gilt nicht nur für Monte dei Paschi, sondern für den ganzen italienischen Bankensektor. Eine Bank nach der nächsten braucht frisches Kapital.

Die Regierung genehmigt nun erst einmal ein Hilfspaket von 20 Mrd. Das reicht hinten und vorne nicht. Italienische Banken haben ca. 225 Mrd. an Eigenkapital. Zählt man Reserven und Rücklagen hinzu, verdoppelt sich diese Summe. Demgegenüber stehen aktuell 380 Mrd. an faulen Krediten. 200 Mrd. davon sind akut ausfallgefährdet. Banken werden einen Großteil davon endgültig abschreiben müssen.
Schätzungen zufolge bräuchten Banken über 50 Mrd. an zusätzlichem Kapital, um bestehen zu können. Dieser Wert gilt von vielen als akzeptiert. Das wirft nun einige Fragen auf. Einerseits stellt die Regierung nur 20 Mrd. in Aussicht, andererseits scheinen die 50 Mrd. nur eine Momentaufnahme zu sein und einen wichtigen Aspekt zu unterschlagen. Wirtschaftlich bewegt sich in Italien wenig. Das Wachstum ist zu gering, um die Lage zu verbessern.

Nun kann man sich vorstellen, was geschieht, wenn man den nicht einmal so unwahrscheinlichen Fall annimmt, dass Italien in diesen Monaten sein zyklisches Wachstumshoch erreicht. Eine Eintrübung der Lage kann zusätzlich zu den 380 Mrd. an bestehenden faulen Krediten 100 Mrd. hinzufügen. Wer soll das noch auffangen?

Der Staat kann zwar im Notfall immer Hilfen ankündigen, doch schon jetzt liegt ein Drittel der italienischen Staatsschulden in den Bankbilanzen. Der Staat muss neue Schulden aufnehmen, um Banken zu helfen. Dies tut er, indem Banken die Anleihen kaufen. Das wirkt wie ein magisches Perpetuum Mobile: der Staat retten die Banken, die den Staat retten.

Der italienische Staat ist ebenso bankrott wie die Banken. Das gilt nicht nur finanziell. Allein die Ankündigung der 20 Mrd. verstößt gegen alles, was politisch nach der Krise versprochen wurde. Sollten Steuerzahler nicht auf immer und ewig von der gemeinschaftlichen Haftung befreit werden? Wurde dazu nicht ein Monstrum an Regulation geschaffen?

An Regeln hält man sich anscheinend nur, wenn es einem passt. Als Bürger fühlt man sich da schon auf den Arm genommen. Die Intervention des Staates wirkt wie eine politische Kapitulation vor sich selbst. Vom moralischen Bankrott muss man gar nicht erst anfangen zu reden. Unterm Strich ist die Lage einerseits frustrierend, andererseits kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die politische und wirtschaftliche Insolvenz ganzer Länder auf Dauer spurlos an den Börsen vorübergeht.

Clemens Schmale

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