Eigentlich hat für Donald Trump alles sehr, sehr gut begonnen. Er gewann die Wahl gegen die absolute Favoritin. Er setzte sich überraschend gegen einen Vorsprung von Clinton von ca. 5 Prozentpunkten durch. Er begeisterte den Aktienmarkt und selbst die Zinsen für Anleihen stiegen. Trump brachte damit mehr zustande als die Notenbank.

ANZEIGE

Anleger und Bürger waren außer sich vor Freude. Großes war geplant: Steuern sollten sinken, das Gesundheitssystem reformiert und der Handel fairer werden und die Infrastruktur sollte wieder glänzen. Davon ist bisher nicht viel umgesetzt worden und wird es vermutlich auch nicht mehr.

Für jeden Präsidenten sind die ersten Wochen und Monate die wichtigsten. Was in dieser Zeit nicht zustande gebracht wird, kommt meist auch nicht mehr zustande. Die Administration hat noch viele offene Stellen. Deswegen geht alles etwas langsam, heißt es. Ich halte das für übertrieben optimistisch.

Ob nun alle Posten gefüllt sind oder nicht, ist unerheblich. Die Gesetzesvorlagen sind derzeit einfach noch so schlecht, dass selbst die Republikaner ihre Mühe haben. Daran ändert auch nicht mehr Personal etwas.

Dass der große Wurf bald kommt, ist unwahrscheinlich. Geht es nach Wettquoten, ist die Wahrscheinlichkeit für die Umsetzung von Reformen je nach Vorhaben inzwischen unter ein Viertel gesunken. Immerhin hielt sich bis heute noch die gute Stimmung in der Wirtschaft und unter dem Volk.

Inzwischen befinden sich viele Indikatoren wieder auf dem Rückzug. Einkaufsmanager sind nicht mehr ganz so optimistisch. Je nachdem, wer den Index erhebt, sind die Werte nun wieder auf dem Level, welche sie schon vor der Wahl hatten – also niedrig.

Solange das Volk Spaß hat, ist das alles nicht wichtig. Sind die Wähler gut gelaunt, dann geben sie Geld aus. Die gute Laune ist nun aber dahin. Die Verbraucherstimmung ist Anfang Juni nach vorläufigen Ergebnissen deutlich gesunken. Es kommt aber noch schlimmer. Seit Ex-FBI-Direktor Comeys Anhörung befindet sich die Stimmung im freien Fall.

Unter Demokraten war die Stimmung seit den Wahlen mies. Demokraten wussten es schon immer: Trump taugt nichts. Diese Erkenntnis reift nun auch unter dem republikanischen Wahlvolk. Dort geht die Stimmung besonders stark zurück.

Bestätigt sich dieser Trend, dann handelt es sich um ein stimmungstechnisches Erdbeben. Grafik 1 zeigt das Vertrauen im historischen Kontext mit dem Worst-Case für Juni. Verglichen mit der Historie wäre es einer der größten Einbrüche der letzten 40 Jahre.

Eine solche Entwicklung sollte auch Anlegern zu denken geben. Der Aktienmarkt und die Verbraucherstimmung sind hochkorreliert. Geht die Stimmung jetzt in einen Sturzflug über, wird sich die Börse nicht lange dagegenstemmen können.

Trump ist freilich der Meinung, dass hier eine große Hexenjagd veranstaltet wird. Diese Hexenjagd findet allerdings in den eigenen Reihen statt. Der eingesetzte Sonderermittler wurde von Republikanern vorgeschlagen. Trumps Vermutung wirkt da schon etwas paranoid.

Clemens Schmale

Sie interessieren sich für Makrothemen und Trading in exotischen Basiswerten? Dann folgen Sie mir unbedingt auf Guidants!