Nach Einschätzung der meisten Experten dürften die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik im Dezember weiter lockern. Was genau EZB-Präsident Mario Draghi am 3. Dezember verkünden wird, steht allerdings noch in den Sternen.

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    Insgesamt diskutiert die EZB laut Reuters ungefähr 20 verschiedene Vorschläge, wie die Geldpolitik weiter gelockert werden könnten. Als wahrscheinlichste und am wenigsten umstrittene Möglichkeit zeichnet sich dabei ab, dass der Einlagensatz von aktuell minus 0,2 Prozent weiter in den negativen Bereich gesenkt werden dürfte. Banken müssten dann also noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

    Durch den Strafzins sollen die Banken animiert werden, mehr Kredite in die Realwirtschaft zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei der EZB zu parken. Vier EZB-Ratsmitglieder sagten der Nachrichtenagentur Reuters, dass es beim Einlagensatz noch erheblichen Spielraum nach unten gebe. Einige sprachen sich auch um eine stärkere Absenkung als nur um 0,1 Prozentpunkte aus und verwiesen auf die Schweiz und Dänemark, wo der Einlagenzins bereits bei minus 0,75 Prozent liegt.

    QE-Ausweitung: Werden bald auch Unternehmensanleihen und Aktien gekauft?

    Aber es zeichnen sich noch weitere und auch extremere Maßnahmen ab, die die EZB im Dezember oder Anfang 2016 verkünden könnte. Neben einer reinen Verlängerung oder Aufstockung des QE-Programms von 60 Milliarden Euro pro Monat könnte die EZB die Anleihenkäufe auch auf weitere Wertpapierklassen ausdehnen. Eine reine Ausweitung des Volumens könnte nur einen begrenzten Effekt haben, sagte ein EZB-Ratsmitglied zu Reuters. Außerdem können die Käufe von Staatsanleihen nicht beliebig ausgedehnt werden, ohne dass die Märkte illiquide werden.

    Deshalb bleibt die Ausdehnung des QE-Programms auf andere Vermögenswerte eine reale Möglichkeit. Bereits im Dezember 2014 hatte EZB-Präsident Mario Draghi gesagt, im EZB-Rat sei bezüglich des Ankaufs von Vermögenswerten über "alles außer Gold" gesprochen worden. Neben Unternehmensanleihen könnten dabei auch die Aktienmärkte (z.B. über breit gestreute ETFs) ins Visier der EZB geraten.

    SNB und Bank of Japan kaufen schon Aktien

    Die EZB wäre nicht die erste Notenbank, die Aktien aufkauft. Die japanische Notenbank kauft seit einigen Jahren auch Anteile an ETFs und Immobilien-Trusts (REITs), um so mehr Geld in die Märkte zu pumpen.

    Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) besitzt ein beachtliches Aktienportfolio. Per 30. September 2015 hatte die SNB ganze 18 Prozent ihrer Devisenreserven in Aktien angelegt. Die Aktien werden dabei laut SNB ausschließlich passiv bewirtschaftet, indem breite Marktindizes von Industrie- und Schwellenländern nachgebildet werden. So besitzt die SNB Aktien von mehr als 2.500 US-Unternehmen, wobei Apple, Exxon Mobile und Microsoft die größten Positionen sind.