1. Gesamtergebnis: Der EZB-Kompass lag im August bei 57,4 Punkten, nachdem der Juli-Wert von 59,1 auf 57,9 Punkte herunterrevidiert wurde. Die Revision ist auf etwas niedrigere als erwartete Inflationsdaten zurückzuführen. Da der letzte Zinsentscheid vom 4. August nur vier Wochen her ist, im August kein Wert für das Economic Sentiment veröffentlicht wird, und aufgrund des sehr frühen Zinsentscheides einige Daten wie die Erzeugerpreise noch nicht vorliegen, hat sich die Datenbasis nur wenig verändert. Am auffallendsten ist noch die mit 1,3 % niedrigere als von uns erwartete Kernrate des HVPI, die gemäß unserer Prognose auch im August noch einmal auf 1,1 % zurückgehen wird. Der Score der monetären Säule lag bei 86,9 Punkten. Er setzt damit seinen starken Anstieg der Vormonate fort. Die Kreditvergabe stieg im Juli um 8,2 % yoy und auch das Geldmengenwachstum legte im gleichen Zeitraum um 7,9 % zu (+7,6 % im 3-Monats-Durchschnitt).

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2. Aufgrund des überdurchschnittlich starken Geldmengenwachstums und Kreditvergabe bleibt das Gewicht der monetären Säule wie im Vormonat auf dem Maximalwert von 25 %. Auch die reale Geldlücke bleibt extrem hoch und geht mit einem Maximalscore von 100 Punkten in die Kompassberechnung ein. Da wir die um die Verzerrungen durch Portfolioumschichtungen bereinigten Geldmengendaten verwenden, lässt sich weder der hohe Wert des M3-Wachstums noch der der realen Geldlücke mit dem Verweis abtun, dass die hohen Liquiditätswerte nicht ausgabenwirksam und nur Ausdruck eines veränderten Kapitalanlageverhaltens der Privaten sind.

3. Für die nächsten Quartale erwarten wir eine moderate Belebung der Konjunktur und zunächst seitwärts tendierende Inflationsraten. Aufgrund der von uns als sehr günstig eingeschätzten mittelfristigen Inflationsperspektiven, die sich in weiter niedrigen Kerninflationsraten äußern sollten, gehen wir trotz der genau zu beobachtenden Gefahren von der monetären Seite von einem Umfeld aus, in dem die EZB keine großen Veränderungen ihrer Geldpolitik vornehmen muss. Zinssenkungen sind aufgrund der monetären Entwicklungen trotz möglicher Belastungen, die sich aus einem Anstieg des Außenwertes des Euro ergeben könnten, sehr unwahrscheinlich. Zinserhöhungen sind zunächst ebenfalls unwahrscheinlich, da sie ohne deutliche Belebung des Arbeitsmarktes und bei anhaltender Lohnzurückhaltung nur schwer zu kommunizieren wären. Wir gehen folglich davon aus, dass die EZB ihre Leitzinsen weitere zwölf Monate konstant halten wird.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.