New York (Godmode-Trader.de) - Der Irak fühlt sich offenbar nicht mehr an die Vorgaben der OPEC-Förderbeschränkungen gebunden. Schätzungen eines Händlers zufolge bietet das zweitgrößte OPEC-Mitglied zwischen 160.000 Barrel pro Tag (bpd) und 320.000 bpd mehr als gewöhnlich am Spot-Markt für Oktober an, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Ein paar zusätzliche Fässer dürften die irakische Quote nicht verletzen, sagte ein irakischer Offizieller mit Kenntnis der Exportpläne des Landes gegenüber Bloomberg lapidar.

Dem Irak, dem größten Nachzügler bei der OPEC+-Produktionskürzungen, wurde Zeit bis Dezember dieses Jahres gegeben, um die frühere Überproduktion auszugleichen. Noch also ist Zeit, doch bisher hat Bagdad noch keine Anstalten gemacht, Disziplin in Sachen Förderung zu wahren. Sollte das Land die Genehmigung für höhere Ölausfuhren erhalten, dürfte die ohnehin schwächelnde Förderdisziplin innerhalb der OPEC weiter sinken, warnen Experten. Das wiederum würde den Ölpreis belasten.

In der ersten Hälfte dieses Monats scheint der Irak seine Ölexporte in die Höhe getrieben zu haben, obwohl der zweitgrößte Produzent der OPEC in den letzten Monaten immer wieder versprochen hat, sich an die OPEC+-Förderkürzungen zu halten. Zwischen dem 1. und 15. September beliefen sich die irakischen Rohölexporte auf 3,26 Mio. bpd und lagen damit um 8 Prozent über dem August-Durchschnitt, wie Bloomberg-Berechnungen ergeben. Es ist allerdings noch nicht absehbar, ob der ansteigende Trend der ersten Septemberhälfte sich auch bis Monatsende fortsetzen wird, da die Lieferungen in der Regel ungleichmäßig über einen Monat verteilt werden.

Am Donnerstag tauchten Meldungen auf, denen zufolge der Irak erwartet, dass die OPEC+ es ihm erlauben wird, die Ölexporte ab dem nächsten Jahr wieder zu steigern. Mittlerweile hat das irakische Ölministerium den Bericht aber dementiert.

Saudi-Arabien, Top-Produzent und De-facto-Führer der OPEC, griff zuletzt unwillige Mitglieder des Kartells an, weil sie offenbar versuchten, „den Markt zu überlisten“. „Versuche, den Markt auszutricksen, werden keinen Erfolg haben und sind kontraproduktiv, wenn wir die Augen der Welt auf uns gerichtet haben", sagte Saudi-Arabiens Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman vergangene Woche mit Blick auf Staaten, die die Förderbeschränkungen umgingen.