Selbst Jahre nach Ende des Hypes am US-Immobilienmarkt stiften Meldungen über verbriefte Hypotheken noch immer Unsicherheit - nicht nur unter skeptischen Anlegern oder Crash-Propheten: Nein, die neuesten Meldungen vom US-Immobilienmarkt besorgen zunehmend auch wieder Banken. Die einstigen Profiteure des Immobilienbooms sehen sich inzwischen Klagen ausgesetzt. Ramsch-Hypotheken mit einem Gesamtvolumen von über einer Billion US-Dollar könnten rückabgewickelt werden. Auch die Deutsche Bank scheint betroffen. Es sieht danach aus, als hätten die Banken bewusst Hypotheken minderer Qualität verbrieft.

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    Nicht Banken-Kritiker oder Verfechter einer strengeren Regulierung der Finanzmärkte erheben diese schweren Vorwürfe, sondern Bill Frey, Wall-Street-Banker mit Privat-Jet und einem Händchen für Immobiliendeals. Seine Idee: Er schart die Verlierer der Immobilienkrise hinter sich und verklagt die Banken. Mehr als 600 Milliarden US-Dollar schwer ist die Interessengemeinschaft bis heute. "Und es kommen noch immer neue
    Interessenten hinzu", freut sich Frey.

    Fast die Hälfte der Hypotheken bereits vor Verbriefung "faul"

    Sollten die Vorwürfe, die der Investor den Banken macht, der Wahrheit entsprechen, bergen die bevorstehenden Gerichtsverfahren finanziellen Sprengstoff: Wie Frey recherchiert hat, sollen einzelne Kreditnehmer auf verschiedenen Hypothekenanträgen gleich mehrere Erstwohnsitze angegeben haben. Beantragt ein Käufer eine Hypothek für einen Erstwohnsitz, gilt diese deswegen als besonders sicher, weil man davon ausgeht, dass die Investoren ihren Erstwohnsitz in jedem Fall halten wollen. Wird dieses Privileg allerdings von einer Bank für mehrere Häuser eines einzelnen Kreditnehmers gewährt, kann von Sicherheit keine Rede mehr sein.

    Auch weitere Mängel wie fehlende Unterlagen und ungenaue Angaben sollen dazu geführt haben, dass bei Stichproben annähernd die Hälfte der Darlehen nicht den Vorgaben entsprochen hat. Diese Zahlen stammen nicht etwa aus Untersuchungen Freys, sondern aus unabhängiger Quelle. Keith Johnson überprüfte als Chef des Analysehauses Clayton Holdings Hypotheken-Pools im Auftrag verschiedener Banken.

    Deutsche Bank: "Kein Kommentar"

    Nachdem Anfangs noch dreißig Prozent der Kredite überprüft wurden, schrumpfte die Stichprobe zeitweise bis auf 5 Prozent. In den Jahren 2006 und 2007 sollen 46 Prozent der Kredite in ersten Tests durchgefallen sein. Dennoch wurde ein Großteil dieser Hypotheken später verbrieft. Wie Johnson angibt, bis zu 39 Prozent der ehemals als "faul" bewerteten Kredite. Auch die Deutsche Bank soll bei der Zweitprüfung flexibel gewesen sein: Von mehr als 66.000 Krediten soll Johnsons Unternehmen anfangs 35 Prozent abgelehnt haben - dennoch wurden mehr als die Hälfte der Hypotheken schlussendlich gebündelt und verbrieft - sagt Johnson.

    Die Deutsche Bank verweigert bislang jedweden Kommentar. Andere Banken verweisen darauf, dass es verschiedene Methoden gibt, Hypotheken hinsichtlich ihrer Qualität zu überprüfen. Diese Argumentation gibt schon einen ersten Hinweis darauf, auf was sich Frey und seine klagefreudigen Anhänger einstellen können. Kenner der Szene wie Guy Cecala, Herausgeber eines Fachmagazins, sind wenig optimistisch für die Klage und erwarten ein Zeitspiel der Banken.

    Dabei wäre die Antwort so naheliegend: Nachdem die Immobilienblase geplatzt, Lehman pleite und die Haushalte der meisten westlichen Industrienationen ruiniert sind, weiß man, dass es in jedem Fall zweierlei Analyseverfahren gibt: gute und schlechte. Ob wissentlich schlechte Verfahren angewendet wurden, müssen nun wohl die Gerichte klären.

    Autor: Nico Popp - Finanznachrichtenredaktion BoerseGo.de

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