Der 29. März galt bislang als die Brexit-Deadline schlechthin. An diesem Tag sollte sich eigentlich entscheiden, ob Großbritannien in der Europäischen Union bleibt, oder ob es die EU unter mehr oder weniger großen Turbulenzen verlässt. Das Datum ist inzwischen wieder fraglich, die beteiligten Akteure ringen bekanntlich um eine Verlängerung.

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Bei all dem medialen Brexit-Getöse ist eine andere Nachricht zumindest im deutschsprachigen Raum nahezu vollständig untergegangen. Ob Zufall oder nicht, jedenfalls könnte es ausgerechnet am 29. März auch auf dem Goldmarkt zu einem historischen Ereignis kommen:

Wie die renommierte italienische Finanzzeitung „Il Sole 24 Ore“ berichtet, haben die internationalen Zentralbanken in den vergangenen Jahren nicht ohne Grund so viel Gold gekauft wie noch nie seit dem Jahr 1971:

Nach Aussage der Zeitung werden die Zentralbanken Ende März 2019 eine Art Goldstandard einführen.

Wie Il Sole 24 Ore berichtet, soll neben den bereits bekannten Bestimmungen nach „Basel 3“ eine buchhalterische Regelung existieren, die Gold in den Bilanzen großer Bankengruppen in Geld „verwandelt“. Demnach wird das Gold in den Portfolios von Zentral- und Geschäftsbanken durch einen Beschluss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) künftig zu einem „Cash-Äquivalent“, das heißt, zu einem liquiditätsäquivalenten Vermögenswert und somit „risikofrei“.

Die von Il Sole24Ore rekonstruierte BIZ-Operation soll von der US-Notenbank, der Europäischen Zentralbank, der Deutschen Bundesbank, der Bank of England sowie der Bank of France unterstützt werden. Demnach sind die großen globalen Währungsmächte darin übereingekommen, dem Gold in den Bankbilanzen künftig den gleichen Status wie Staatsanleihen zuzuweisen.

In der Praxis wird Gold in physischer Form künftig in Bezug auf die Sicherheit von Vermögenswerten als Äquivalent von US-Dollar oder Euro betrachtet. Die Regelung gilt jedoch ausdrücklich nicht für Gold-ETFs oder Derivate.

Die Norm ist fraglos von historischer Bedeutung, wurde in der Öffentlichkeit bislang aber kaum kommuniziert. Warum? Weil solche Dinge seit jeher bevorzugt im Verborgenen stattfinden...

Tatsächlich deutet sich hier die erste „Remonetisierung“ des Goldes seit den Tagen von Bretton Woods an. Das heißt, das Gold könnte im Währungssystem künftig wieder seine seit Jahrtausenden angestammte Rolle einnehmen. Oder um es mit JP Morgan zu sagen:

„Gold ist Geld – alles andere ist Kredit“

Bemerkenswert ist auch der folgende Aspekt: Sollte der Goldpreis im Zuge einer neuerlichen Finanzkrise stark ansteigen, etwa auf 5.000 oder gar auf 20.000 US-Dollar je Feinunze oder noch höher, dann würden jene Banken, die umfangreiche Goldreserven besitzen, ohne eigenes Zutun plötzlich sehr viel besser dastehen, als vor der Krise. Sie wären womöglich saniert, einfach nur, weil sie genügend Gold in der Bilanz ausweisen. Und plötzlich könnten die Finanzhäuser genau aus diesem Grund sogar an einem stark steigenden Goldpreis interessiert sein.

Ein Schelm, wer an solche Zufälle glaubt.

Der Brexit, so er denn tatsächlich kommt, könnte da unversehens zu einer Nebensächlichkeit verkommen.

Es ist also wie so oft im Leben. Dort, wo sich die Masse drängelt, sind die uninteressanten Themen zu finden. Denken Sie beispielweise an das mediale Getöse um den Klimawandel oder an den bösen, bösen Diesel.

Die wirklich bedeutenden Entwicklungen finden dagegen dort statt, wo kaum jemand hinsieht…

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.