Nach der Finanzkrise pumpten die Notenbanken astronomische Geldbeträge in die Wirtschaft. Manch einer befürchtete eine große Geldentwertung, Schreckensszenarien einer neuen Hyperinflation machten gar die Runde. Doch die große Inflation blieb bisher aus. Kommt sie doch noch?

    Kritiker der ultralockeren Geldpolitik befürchteten einen deutlichen Anstieg der Inflation. Doch passiert ist genau das Gegenteil: Die Inflationsrate ging immer weiter zurück, teilweise sogar in den negativen Bereich. Statt Inflation droht aktuell eher Deflation.

    Das Schreckgespenst schlechthin der Deutschen ist die Inflation der Jahre 1914 bis 1923. Das Deutsche Reich finanzierte den Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 vor allem mit der Druckerpresse. Nach dem verlorenen Krieg reagierte die Weimarer Republik auf die hohen Reparationsforderungen mit einer immer hemmungsloseren Ausweitung der Geldmenge. Die Geldbasis wurde bis Ende 1922 um einen Faktor von 253 gegenüber dem Jahr 1910 vervielfacht. Bis Ende 1923, als die Inflation ihren Höhepunkt erreichte, wurde die Geldbasis sogar um einen Faktor von mehr als 100 Milliarden ausgeweitet.

    Die folgende Grafik zeigt die Abwertung der Papiermark gegenüber der zu einem Drittel durch Gold gedeckten „Goldmark“ des Kaiserreichs. Zu beachten ist die logarithmische Ordinate (y-Achse).

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    Quelle: Wikipedia (User: Delphi234)

    Auch wenn nach der Finanzkrise von 2008 die Notenbanken mit einer starken Ausweitung der Geldmenge reagierten, gibt es doch wichtige Unterschiede zur Zeit der Weimarer Republik. Zum einen fand die Geldflut bisher kaum einen Weg in die Realwirtschaft. Zum anderen, und das ist entscheidender, sind die Dimensionen der Geldmengenausweitung weitaus geringer als in der Weimarer Republik.

    Die folgende Grafik zeigt einen Vergleich der Ausweitung der Geldmenge zu Zeiten der Weimarer Republik und heute. Wegen der extrem starken Ausweitung der Geldmenge im Jahr 1923 ist dieses Jahr in der Grafik nicht dargestellt. Bezugspunkt für die heutigen Notenbanken ist das Jahr 2002. Die Geldbasis in diesem Jahr entspricht dem Faktor eins. Für die Reichsbank wurde die Geldbasis des Jahres 1910 als Vergleichsmaßstab genommen. Deutlich wird, dass Fed, EZB und Bank of Japan die Geldbasis nicht annähernd so stark ausgeweitet haben wie zu Zeiten der Weimarer Republik. Entscheidend ist auch hier die logarithmische Darstellung auf der Ordinate (y-Achse).

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    Fazit: Nach der Finanzkrise haben die wichtigsten Notenbanken ihre Geldbasis deutlich weniger stark ausgeweitet als die Reichsbank zu Zeiten der Weimarer Republik. Eine Hyperinflation wie in den Zwanziger Jahren in Deutschland ist auch für die kommenden Jahre und Jahrzehnte nicht zu befürchten. Während die Reichsbank die Geldbasis bereits während des Ersten Weltkriegs annähernd verzehnfachte, bewegt sich der Faktor der Geldbasisausweitung bei Fed, EZB und BoJ bisher im mittleren einstelligen Bereich. Auf dem Höhepunkt der Inflation Ende 1923 war die Geldbasis 100 Milliarden mal so hoch wie im Jahr 1910. Auch bei einer erneuten Wirtschaftskrise dürfte die Geldbasis nicht annähernd so stark ausgeweitet werden wie zu Zeiten der Weimarer Republik.