Wenn die Kurse fallen, so wie in den letzten Wochen, verbreite ich gerne Zuversicht. Wenn die Kurse steigen, so wie fulminant in den letzten Tagen, wird es Zeit, den Optimismus zu hinterfragen. Das ist kein schlechtes Timing, sondern antizyklisch. Wenn die Kurse fallen, möchte man wissen, ob es Anzeichen für eine Trendwende geben kann. Diese Anzeichen findet man nur, wenn man sich auf das Positive konzentriert.

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Umgekehrt, wenn die Kurse steigen, möchte man wissen, ob man auf dem falschen Fuß erwischt werden kann. Das gelingt nur, wenn man sich auf die Problemfelder konzentriert und diese untersucht. Es bedeutet nicht, dass man deswegen sofort verkauft. Man stellt lediglich fest, was schiefgehen kann. Wenn es dann passiert, kann man schnell reagieren.

Schnelle Reaktionszeit könnte schon bald wieder gefragt sein. Die Quartalzahlen werden nach und nach veröffentlicht. Hier drohen einige Überraschungen. Nachdem die Gewinne in den Jahren 2016 bis 2018 nur so sprudelten, ist in diesem Jahr wieder Flaute angesagt. In den ersten zwei Quartalen sind die Gewinne leicht zurückgegangen. Je nachdem wie man die Gewinne berechnet (Sonderfaktoren, Aktienrückkäufe usw.), kann man auch zu einem minimalen Wachstum kommen.

Technische Unterschiede in der Berechnung helfen im abgelaufenen Quartal nicht mehr. Das Gewinnwachstum dürfte mit -4 % deutlich negativ ausfallen. Damit befinden wir uns erneut in einer Gewinnrezession. Die letzte, 2015, endete für den Aktienmarkt nicht besonders gut.

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Zugegeben, der Gewinnrückgang hat heute noch eine ganz andere Dimension als damals. Gleichzeitig darf man aber auch nicht vergessen, dass die Gewinne praktisch seit zwei Jahren stagnieren. Dank einer Steuersenkung (Grafik 2) ist die Steuerlast 2018 deutlich gesunken. Der durchschnittliche Steuersatz der S&P 500 Unternehmen sank von 28 % auf 19 %.

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Ohne diesen Effekt wären die Gewinne schon 2018 rückläufig gewesen. So sieht kein gesunder Markt aus. Anleger sind immer noch in Wartestellung. Solange nicht klar ist, ob aus dem Abschwung eine Rezession wird, ändert sich im großen Ganzen wenig.

Hoffen darf man. Analysten rechnen im kommenden Jahr mit einem Gewinnwachstum von 10 %. Diese Erwartung war auch schon einmal höher und näher an 20 %. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Wachstumserwartung weiter zurückgeht. Gepaart mit einer aktuellen Gewinnrezession fragt man sich, wann Anleger aufwachen.

Im Vorfeld wissen wir das nie so genau. Betrachtet man nüchtern das Gewinnwachstum, dürften Aktien kaum steigen, zumal die Risiken nach wie vor erheblich sind. Wachen Anleger erst einmal auf, ist man besser einer der ersten, die durch die Tür gehen. Bis Jahresende ist erst einmal kein Crash zu erwarten. Ernüchternde Quartalszahlen können aber zu einer ruppigen Kursentwicklung führen.


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