Mannheim/ Shanghai (Godmode-Trader.de) - Die Coronavirus-Pandemie hinterlässt weiterhin tiefe Spuren in den Wachstumsprognosen für China für die Jahre 2020 und 2021. Nach einem erheblichen Rückgang bereits im Vormonat werden die Wachstumsprognosen für das reale Bruttoinlandsprodukt erneut deutlich nach unten korrigiert, wie aus der März-Umfrage unter internationalen Finanzmarktexperten für China hervorgeht. Die Erhebung führen das ZEW Mannheim und die Fudan Universität (Shanghai) regelmäßig auf Basis des China Economic Panel (CEP) durch.

Im März nehmen die befragten Experten ihre Prognosen für das BIP-Wachstum im laufenden Jahr demnach auf nur noch 4,3 Prozent zurück, nachdem im Vormonat noch 5,4 Prozent und im Januar noch 5,9 Prozent erwartet wurden. Im ersten Quartal 2020 soll das reale BIP Chinas nach den Prognosen um 2,1 Prozent und im zweiten Quartal um 4,2 Prozent zunehmen, jeweils im Vergleich zum Vorjahresquartal. „Für China wäre das ein extremer Rückgang des Wirtschaftswachstums“, sagt ZEW-Researcher Michael Schröder. Eine Besserung der Lage wird wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2020 allmählich eintreten. Für das Jahr 2021 erwarten die Umfrageeilnehmer dann eine Rückkehr zu fast „normalen“ Wachstumsraten von 5,5 Prozent.

Der CEP-Indikator, der die Konjunkturerwartungen internationaler Finanzmarktexperten für China wiedergibt, steigt im März allerdings auf einen Wert von 11,1 Punkten an und liegt damit um 6,7 Punkte höher als im Vormonat. „Bei der Interpretation dieses Anstiegs muss allerdings beachtet werden, dass der Prognosehorizont des CEP-Indikators zwölf Monate beträgt und die Lageeinschätzung inzwischen auf einen sehr niedrigen Wert von minus 26,4 Punkten gesunken ist“, erklärt ZEW-Ökonom Schröder.

Die befragten Experten erwarten somit eine merkliche Besserung der chinesischen Konjunktur erst für Anfang 2021, ausgehend von einer derzeit sehr schwachen Lage. „Die Schwäche der konjunkturellen Lage Chinas zeigt sich unter anderem daran, dass in allen wichtigen Wirtschaftsregionen die Immobilienpreise sinken. Damit zeichnet sich ein vorläufiges Ende des jahrelangen Immobilienbooms ab“, so Schröder.

Die Umfrageteilnehmer erwarten zudem einen erheblichen Anstieg der Staatsausgaben in China und auch eine starke Zunahme der Inlands- und Auslandsverschuldung. Die Beschäftigung soll aufgrund des schwachen Wachstums zurückgehen.