In diesem Konjunkturzyklus läuft alles ein wenig schneller ab. Die Rezession im Frühjahr 2020 war kurz. Das war nicht zuletzt den Staatsausgaben zu verdanken. In den USA waren die Ausgaben am offensichtlichsten. Über 800 Mrd. Dollar wurden über Schecks direkt an Haushalte ausbezahlt. Arbeitslosengeld konnte zudem länger bezogen werden und es wurde zeitweise um 600 Dollar pro Woche aufgestockt. Unternehmen wurden bezahlt, um Jobs zu erhalten. Für viele Kredite galt vorübergehend ein Moratorium. Wer trotz Hilfen seine Miete nicht zahlen konnte, war geschützt. Zwangsräumungen wurden ausgesetzt. Insgesamt beliefen sich die Hilfen auf 5 Billionen Dollar oder 25 % der Wirtschaftsleistung. Wer vor der Pandemie nicht wusste, wie Helikoptergeld aussieht, weiß es spätestens jetzt.

Beim Verteilen von fünf Billionen Dollar mit der Gießkanne ist es kein Wunder, dass sich die Wirtschaft schnell erholte. Vor allem der Privatkonsum schob die Wirtschaft an. Der Güterkonsum stieg sprunghaft an und liegt noch immer deutlich über Trend. Inzwischen liegt auch der Dienstleistungskonsum nicht nur über dem Vorkrisenniveau, sondern ebenfalls über Trend (Grafik 1).


Jeder fragt sich, wie lange dieses hohe Konsumtempo beibehalten werden kann. Oft wird angeführt, dass Haushalte auch viel gespart haben. Ein Teil des staatlichen Geldes wurde aus die Seite gelegt. Inzwischen liegen die monatlichen Sparbeträge unter Trend (graue Line, Grafik 1). Obwohl weniger gespart wird, sind noch zwei Billionen aus den ersten Pandemiequartalen vorhanden. Damit lässt sich noch viel Konsum finanzieren.

Die Sache ist jedoch komplizierter. Das Ersparte ist ungleich verteilt. Die Schichten mit geringen Einkommen haben das in der Pandemie Ersparte größtenteils aufgebraucht. Alle anderen Einkommensgruppen dürften wie in früheren Perioden das zusätzlich Ersparte über viele Jahre abbauen, wenn überhaupt. Woher kommt dann das hohe Konsumtempo, wenn nicht aus dem Ersparten? – Kredit.

Die Kreditnachfrage steigt vor allem bei Konsumkrediten (Kreditkarte, Autokredite). Für einige Kreditarten ist die Historie kurz. Nichtsdestotrotz ist die hohe Nachfrage nach Konsumkrediten bemerkenswert, insbesondere bei Kreditkarten (Grafik 2).


Banken sind derzeit noch bereit, den Kredit auch zu vergeben. Die Vergabekriterien sind noch locker (Grafik 3). Eine Trendwende deutet sich bereits an. Noch sind die Vergabekriterien aber alles andere als strikt. Wer will, bekommt Kredit.

Haushalte nutzen diese Möglichkeit. Im vergangenen Quartal stiegen revolvierende Konsumkredite (größtenteils Kreditkarten) um fast 60 Mrd. Dollar an (Grafik 4). Das ist ein Rekord. Es ist der mit Abstand größte Betrag der Geschichte. Auch relativ zur Wirtschaftsleistung ist der Anstieg sehr groß und der sechstgrößte der gesamten Datenhistorie seit 1943.

Der Konsum schiebt die Wirtschaft an. Das klingt zwar gut, doch die Basis ist ungesund. Viel Konsum wird nicht aus Einkommen oder Ersparnissen finanziert, sondern auf Kredit. Allein für Kreditkartenschulden müssen Amerikaner bereits jetzt mehr als 100 Mrd. an Zinsen pro Jahr zahlen. In einer Phase, in der die Zinsen rasant ansteigen, ist der Konsum auf Kredit eine Sorge.

Clemens Schmale


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