Sieht man sich die Medienkampagnen dieser Tage an, dann kann man jetzt wohl die Stunden zählen, bis es „endlich“ losgeht, da unten in Syrien. 1914 und 1939 muss das so ähnlich gewesen sein, Kriegseuphorie, so nennt man das wohl - und so steht es ja auch in den Geschichtsbüchern. Alle paar Jahrzehnte breiten sich solche Euphorieschübe wie die Pest übers Land aus - und jetzt ist es womöglich wieder soweit…

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Es soll ja Börsianer geben, die sich beim Blick auf die Nachrichtenlage mehr vor einem Aktiencrash fürchten, als davor, dass ihnen die Granaten um die Ohren fliegen könnten.

Denen sei gesagt: In unserem vollkommen fehlkonstruierten Wirtschafts- und Finanzsystem sind Kriege ein gerne gesehener „Wachstumstreiber“. Crashängste sind deshalb unbegründet. Jedenfalls mit Blick auf eine mögliche militärische Eskalation in Syrien und darüber hinaus. Völlig anders sieht die Lage natürlich aus, sollte man irgendwann einen "Schuldigen" für einen Crash benötigen, der sich nicht mehr verhindern lässt. So eine Art Systemzusammenbruch, aufgrund überbordender Schuldenberge etwa. Dann gelten natürlich ganz andere Gesetze. In diesem Fall wäre ein Krieg ein sehr willkommener Sündenbock.

Die Frage, wie sich Aktien in Kriegszeiten verhalten, hat mein Kollege Clemens Schmale vor einiger Zeit im folgenden Artikel beleuchtet. Das Fazit:

„Ganz klar ist die Sache mit dem Krieg und Aktien nicht. Die Auswirkungen sind sehr länderspezifisch. Nominell waren die Rückgänge häufig nur von zeitlich begrenzter Dauer. Ohne die Inflation zu berücksichtigen, haben sich Aktien auch während Kriegszeiten gut behauptet. Real stehen die Chancen auf stabilen Wert 50 zu 50. Hier ist keine klare Tendenz zu erkennen. Krieg schiebt einerseits die Wirtschaft an, anderseits führt er meist zu hoher Inflation und zu einer Nachkriegsrezession, in der Aktien wieder verlieren. Werterhalt durch Aktien in Kriegszeiten ist eher ein Münzwurf als eine Strategie“.

Ganz anders und sehr viel eindeutiger ist die Sache allerdings mit Blick auf die Rohstoffmärkte. Dort zeigen sehr langfristige Studien, dass das Endstadium von Mehrgenerationen-Schuldenzyklen seit mehreren Jahrhunderten mit Krieg und einem Hoch der Rohstoffpreise einhergeht.

Als letztes Kriegshoch mit maximaler „militärischer Aktivität“ kann wohl das Jahr 1942 gelten. Aus zyklischer Sicht wäre rund 80 Jahre später das nächste „Kriegshoch“ zu erwarten, also etwa im Jahr 2022.

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„Russland schwört, alle Raketen abzufangen, die Syrien erreichen. Mach Dich bereit, Russland, denn sie werden kommen, schön, neu und „intelligent“. Du solltest nicht gemeinsame Sache machen mit einem Tier, das seine Leute mit Gas umbringt, und das genießt“. (Donald Trump)

In diesem Zusammenhang muss man sich auch gar nicht über den „geheimnisvollen“ Anstieg der Ölpreise wundern: Dort führen wachsende Kriegsgefahren unweigerlich zu steigenden Preisen. Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklung des Ölpreises seit Mitte 2013 auf Wochenbasis. Natürlich ist das Säbelrasseln in Syrien nicht der einzige Grund für den jüngsten Preisaufschwung, aber ein wichtiger.

Die Charttechnik ist da jetzt recht eindeutig: Mit dem Anstieg von dieser Woche liegt der nächste wirklich bedeutende Widerstandbereich beim Öl erst bei 85 bis 90 US-Dollar. Die beiden waagrechten roten Linien zeigen das. Natürlich wird der Ölpreis diese Zone nicht in der kommenden Woche erreichen. Aber in zwei bis drei Jahren wäre das möglich. Und pünktlich zum nächsten mutmaßlichen „Kriegshoch“ könnte der Ölpreis dann auch diese Bastion nach oben verlassen…

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Geht man davon aus, dass die kommenden Jahre wachsende militärische Risiken und Konfrontationen mit sich bringen werden, und berücksichtigt weiter, dass in solchen Phasen Rohstoffe historisch gesehen besser abschneiden als Aktien, dann stellt sich die Frage, wie beide Sektoren im Moment unter Bewertungsgesichtspunkten zu sehen sind.

Dass Aktien nicht mehr ganz billig sind, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Doch wie sieht es mit den Rohstoffmärkten aus? Hier ist die Beobachtung von Bedeutung, dass diese in Relation zu Aktien heute so preiswert sind wie zuletzt Anfang der 1970er Jahre. Die folgende Grafik zeigt das:

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Was folgt daraus?

Wenn die Kriegstrommeln lauter werden, sind Anleger gut beraten, ihre Depotgewichtung zu überdenken. In Relation zu Aktien sind die Rohstoffmärkte derzeit historisch günstig. Es bietet sich daher an, den Sektor in den kommenden Jahren deutlich höher zu gewichten. Denn eines kann man nach den Lehren der vergangenen Jahrhunderte mit einiger Sicherheit sagen:

Am Ende eines Mehrgenerationenzyklus und wenn sich das Schuldenkarussell immer schneller dreht, dann ist plötzlicher Frieden höchst unwahrscheinlich…

Denn Krieg bedeutet „Wachstum“…

PS: Die folgende Nachricht hat uns nach Redaktionsschluss erreicht: Die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Bündnis 90/Die Grünen) und der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber haben Deutschland und die Europäische Union eindringlich zu einer Deeskalation des Konfliktes mit Russland aufgerufen und vor der Gefahr „eines dritten und letzten Weltkrieges“ gewarnt. Man könnte annehmen, dass diese Nachricht dem ein oder anderen deutschen Medium eine Meldung wert wäre, doch dem ist nicht so. Fast ausnahmslos ignorieren sie den Gastbeitrag, der am Donnerstag in der FAZ erschienen war.

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.