Es heißt, die Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich nur. In der Tat gibt es zahlreiche historische Beispiele, die zeigen, dass ein Übermaß an Schulden deflatorische Entwicklungen auslöst: Schon in der großen von den USA ausgehenden Wirtschaftskrise des Jahres 1857, als der kreditfinanzierte Eisenbahnbau in den Vereinigten Staaten vollständig zusammenbrach, war eine ausgeprägte Deflation die Folge. Erschwerend kam hinzu, dass auch viele Farmer wegen steigender Zinsen und eines Einbruchs der Weizenexporte nach Europa ihre Schulden nicht mehr bezahlen konnten. Auch hier verstärkte ein Übermaß an Verschuldung die einsetzende Deflation. Die Folge dieser Krise war eine lang anhaltende deflatorische Wirtschaftskrise, die den Menschen Hunger und Armut brachte. Die Misere war später ein wichtiger Auslöser für den Amerikanischen Bürgerkrieg.

Einige Jahre später kam es in Europa zu einer ausgeprägten Deflation. Wieder war ein Übermaß an Schulden die Ursache: In vielen europäischen Ländern waren Unternehmen auf der Basis hoher Schulden gegründet und in Aktiengesellschaften umgewandelt worden. Als die Kurse kräftig stiegen, wollten immer mehr Menschen Aktien besitzen. In der Folge entfernten sich die Unternehmensbewertungen immer weiter von allen vernünftigen Maßstäben. Der immer weiter um sich greifende Aktienboom vernebelte den Anlegern restlos den Verstand. Man kennt das ja.

Das Spektakel endete im Mai des Jahres 1873 mit einem Zusammenbruch der Wiener Börse. Bis 1876 halbierten sich die Börsenkurse. Auch die Preise von Immobilien fielen ins Bodenlose. Der Börsencrash stürzte die Wirtschaft in eine tiefe Deflation. Niemand wollte noch investieren, kaum jemand hatte Geld, sich etwas zu kaufen. Die Firmen blieben auf ihren Waren sitzen und mussten die Preise immer weiter senken. Die bis dorthin „schlimmste Wirtschaftskrise aller Zeiten“ dauerte fast 25 Jahre und endete erst um die Jahrhundertwende.

Als Folge des Börsencrashs und der einsetzenden Armut in der Bevölkerung entwickelte sich eine deutliche Abneigung der deutsch-österreichischen Bevölkerung gegen das (Banken-)Judentum in Wien und eine Ablehnung der Juden ganz allgemein. Damit wurde bereits damals der Grundstein gelegt für den späteren Aufstieg der Nationalsozialisten.

Auch der Erste Weltkrieg war letztlich eine Folge der Deflation von 1910 bis 1912. Wieder war einer deflatorischen Entwicklung ein exorbitanter Schuldenanstieg vorausgegangen. Diesmal waren es die Staaten, die sich über alle Maßen verschuldet hatten. Wer ein wenig in den Archiven stöbert, der macht erstaunliche Entdeckungen darüber, wie sich die Staatsfinanzen in dieser Zeit entwickelten: Die von der Bundesbank vorgelegten Zahlen für das deutsche Kaiserreich (1871 bis 1918) beginnen im Jahre 1876 mit dem überschaubaren Schuldenstand von 16 Millionen Mark. Das waren seinerzeit 0,09 Prozent des nationalen Brutto - sozialprodukts in Höhe von 18 Milliarden Mark. Bis 1888 kletterten die Schulden auf 884 (!) Millionen Mark, das ist ein Anstieg um mehr als 5.000 Prozent! Das Bruttosozialprodukt stieg im gleichen Zeitraum jedoch lediglich auf 20,7 Milliarden Mark. Unter Kaiser Wilhelm I. legten die Schulden des Kaiserreichs demnach jährlich um rund 33 Prozent zu, während die Wirtschaftsleistung nur um durchschnittlich 1,16 Prozent kletterte. Das Ergebnis der Schuldenorgie war eine ausgeprägte Deflation, und zwar nicht nur in Deutschland. Alle Volkswirtschaften der industrialisierten Staaten gingen in eine Phase des verlangsamten Wachstums und der Deflation über, die bis in die 1890er Jahre anhielt. Von Wirtschaftstheoretikern der 1920er Jahre wurde dafür später der Begriff „Lange Depression“ geprägt.

Aufschlussreich sind auch die Betrachtungen, die man in diesem Zusammenhang in den USA machen kann: US-Präsident Barack Obama kommt derzeit auf ein jährliches Wachstum der Schulden von etwas mehr als 16 Prozent. Vergleichbare Werte schaffte mit rund 20 Prozent Schuldenwachstum zuletzt nur Franklin Delano Roosevelt, der die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg führte. Davor war Woodrow Wilson Rekordhalter mit einem jährlichen Schulden - wachstum von 26 Prozent. Zum Vergleich: Unter US-Präsident Bill Clinton wuchsen die Schulden der Vereinigten Staaten um 3,4 Prozent pro Jahr. Dwight D. Eisenhower kam in seiner Amtszeit in den späten 1950er Jahren auf ein Schuldenwachstum von einem Prozent jährlich. Das war allerdings auch kein Wunder: Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg brummte die Wirtschaft weltweit. Die völlig am Boden liegenden Volkswirtschaften mussten wieder aufgebaut werden.

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In der Geschichte zeigt sich immer wieder, dass kriegerische Auseinandersetzungen für hoch verschuldetet Staaten eine durchaus „segensreiche“ Wirkung haben. Eine vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs für die Vereinigten Staaten wegen totaler Überschuldung fast schon zwingend notwendige Währungsreform konnte nur vermieden werden, weil sich im Kriegsverlauf die für damalige Verhältnisse enorme Auslandsverschuldung in Höhe von vier Milliarden US-Dollar in Forderungen von elf Milliarden US-Dollar verwandelte. Damit war das Schuldenproblem der Vereinigten Staaten mit einem Schlag gelöst. Währungsreformen wurden nach dem Ersten Weltkrieg dagegen in vielen Ländern Europas notwendig. Damit wurde nun auch das europäische Schuldenproblem ganz plötzlich „beseitigt“. Allerdings zahlte die Bevölkerung einen hohen Preis in Form von Vermögensverlusten durch die Währungsreform. Wie gesagt: Dies geschah erst nach dem Ersten Weltkrieg. Schulden hatten die Staaten auch schon davor.

Krieg und Schulden... Auch Kriege, die scheinbar nur enorme Kosten verursachten, hatten in Wahrheit einen Entschuldungseffekt. So stieg etwa während des Vietnam-Krieges von 1960 bis 1975 die US-Staatsverschuldung nominell zwar enorm an. In Prozent des Bruttosozialproduktes ausgedrückt halbierten sich die Staatsschulden allerdings von 46 auf etwa 23 Prozent. Abbildung 31 zeigt das. Achten Sie auf das rote Rechteck.

Dieser Effekt wird erzielt, weil mit dem Ausbau der Rüstungsindustrie das Bruttosozialprodukt enorm aufgebläht wird. Zusätzlich bewirken enorme Geldmengenausweitungen in Kriegszeiten (!) starke Inflationsschübe. Das zusätzliche Kapital gelangt dann über die Rüstungsindustrie in den Geldkreislauf. Die Phänomene Krieg und Inflation sind deshalb historisch betrachtet eng miteinander verknüpft und traten immer gemeinsam auf. In diesem Zusammenhang sollte man vor allem die jüngsten Entwicklung in Nordkorea wie auch im Iran sehr aufmerksam beobachten. Zwar folgte nicht auf jeden Krieg auch eine Währungsreform, dennoch sind alle großen Kriege durch Inflationsschübe gekennzeichnet. Mehr noch, die großen Kriege setzten immer dann ein, wenn die Welt am Rande oder inmitten einer schweren Deflation stand. Sie waren sozusagen die Ultima Ratio, um die Folgen einer schweren Deflationskrise abzuwenden. Deshalb zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher, dass ein starker Anstieg der Inflationsraten und dem damit verbundenen Wirtschaftsboom immer auch mit kriegerischen Auseinandersetzungen verbunden war (Abbildung 32). Schließlich kamen auch die beiden für die Deutschen wichtigsten inflationären Ereignisse, die Hyperinflation von 1923 und die Währungsreform von 1948 keineswegs über Nacht, sondern waren direkte Folgen von Verschuldung, anschließender Deflation und Krieg.

Fassen wir also zusammen: Sieht man sich die wichtigen Krisen der vergangenen 200 Jahre näher an, dann stellt man bemerkenswerte Gemeinsamkeiten fest: Es zeigt sich, dass seit dem Jahr 1837 Phasen von dramatischer Geldentwertung immer an einige Bedingungen geknüpft waren: Auf einen Wirtschaftsboom folgte zunächst eine Spekulationsblase, die wahlweise Aktien, Rohstoffe, Staatsanleihen oder andere Vermögenswerte erfasste und zu exorbitanten Übertreibungen führte. Auch der massive Ausbau von Überkapazitäten war regelmäßig eine Folge dieser Boomphasen. Auf diese durch zu viele Schulden angeheizten Spekulationsblasen, die irgendwann platzten, folgte ausnahmslos, und das ist sehr wichtig, eine Phase der Deflation! Niemals in der Geschichte kam es nach einer geplatzten Spekulationsblase sofort und ohne Umwege zu einer Inflation, geschweige denn zu einer Hyperinflation. Der deflationären Phase folgte zunächst ein Krieg – und erst anschließend kam es zu einer massiven Geldentwertung, die in einigen Fällen in einer Hyperinflation gipfelte.Wie wir die Lage einschätzen und was wir unseren Lesern raten, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de