Ein Blick auf die Kurszettel genügt, um sofort zu erkennen, dass Large Caps die Gewinner der Krise sind. Gegenüber dem Russell 2000, der kleinere börsennotierte Unternehmen beinhaltet, liegen die Large Caps (gemessen am S&P 500) deutlich im Vorteil (Grafik 1).

Large Caps wird nachgesagt, dass sie in jeder Krise gut performen. Anleger mögen Sicherheit. Große Unternehmen haben oft eine ausreichend starke Bilanz, um Krisen zu überstehen. Ein Blick zurück auf die Finanzkrise zeigt jedoch, dass Large Caps und Small Caps gleichermaßen schlecht performten.

Heute ist das anders. Large Caps stechen kleinere Firmen an der Börse aus. Im Normalfall performen Small Caps langfristig besser als Großunternehmen. Wer kleiner ist, kann schneller wachsen. Wenn man wie Apple bereits 50 Mrd. Gewinn schreibt, ist eine Verdopplung schwierig.

Das ist nicht nur jetzt anders, sondern wird vermutlich auch das Thema der nächsten Jahre sein. Wir erleben gerade den Beginn eines Trends, der uns viele Jahre beschäftigen wird. Large Caps dürften die Outperformer der 20er Jahre werden. Der Grund dafür? Die Coronakrise.

Je größer ein Unternehmen ist, desto besser kommt es durch die Krise. Dabei gibt es zwei Kategorien von Unternehmen. Die eine beinhaltet Firmen wie Microsoft, Netflix, Johnson & Johnson und McDonald’s. Die andere Kategorie beinhaltet Firmen wie Boeing, Delta Airlines oder General Motors.


Auf den ersten Blick haben die Unternehmen selbst in der gleichen Kategorie wenig gemeinsam. Es bedarf einer Erklärung. Kategorie 1 umfasst Unternehmen, die von der Krise profitieren, eine starke Bilanz und Marke haben oder praktisch ohne Zweifel nach der Krise weiter wachsen werden.

Von der Krise direkt profitieren Firmen wie Netflix und viele Softwareunternehmen, da das Arbeiten von zu Hause die Nachfrage steigen lässt. McDonald’s leidet zwar, doch der Aktienkurs sagt alles. Anleger sind fest davon überzeugt, dass McDonald’s weiter blühen wird. Das liegt vermutlich nicht zuletzt daran, dass McDonald’s billiger ist als ein traditionelles Restaurant. Die Chancen stehen für McDonald’s besser als für Restaurants, wenn Menschen weniger Geld zur Verfügung haben.

Die zweite Kategorie beinhaltet Unternehmen, die in großen Schwierigkeiten sind. Sie sind aber „too big to fail“. Die Luftfahrtindustrie hat bereits Dutzende Milliarden an Hilfen bekommen. Diese Unternehmen werden nicht verschwinden. Im Notfall rettet sie der Staat.

Bei kleinen Unternehmen an der Börse kann man das nicht behaupten. Dem US-Staat ist es relativ gleichgültig, ob ein Unternehmen mit einer Kapitalisierung von 200 Mio. Insolvenz anmelden muss. Gleichzeitig haben kleinere Unternehmen im Durchschnitt sehr viel schwächere Bilanzen und weniger etablierte Marken. Selbst nach Öffnung der Wirtschaft wird es vielen schwerfallen wieder auf die Beine zu kommen.

Im S&P 500 stellen die 50 größten Unternehmen über 55 % der Marktkapitalisierung (Grafik 2). Die meisten dieser Unternehmen werden weiter florieren. Sie haben die Stärke, Bilanz und Marke viele kleinere Unternehmen zu verdrängen, da sich diese nun überschulden. Sofern das Geschäftsmodell oder die Technologie gut sind, werden sie möglicherweise von den Großen geschluckt. So oder so, Large Caps sind die Gewinner der Krise. Das wird sich in den kommenden Jahren auch weiterhin in den Kursen zeigen.

Clemens Schmale


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