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Der Autor Stefan Wallrich ist Vermögensverwalter in Frankfurt am Main und Experte auf dem Guidants-Desktop der V-Check.


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 „Wer nicht ausrutschen will, muss viel streuen“, wie es im Volksmund etwas flapsig heißt. Bisweilen wird deshalb dazu geraten, auch Kunst in die Vermögensanlage mit einzubeziehen und die Asset Allocation damit weiter zu diversifizieren. Seit Gründung der Wallrich Asset Management AG im Jahr 2000 beschäftige ich mich etwas intensiver mit Kunst. Ausschlaggebend war dabei der Wunsch, unser Büro niveauvoll zu bebildern, wofür ein Budget von 10.000 DM zur Verfügung stand. Beraten wurde ich dabei von einem befreundeten Galeriedirektor aus der Kölner Südstadt, von dem ich die ersten Druckgrafiken für unsere neuen Räume erstanden habe. Mehr als Druckgrafiken waren nicht drin. Einerseits benötigte ich mein Kapital für die Firmengründung und deren Aufbau, andererseits hatte ich eine gewisse Schwellenangst, um wertvollere und teurere Werke zu erwerben. Inzwischen weiß ich übrigens, dass Druckgrafiken keineswegs zu unterschätzen sind, und sie erheblichen künstlerischen Wert haben können.

Große Kunst behält ihren Wert

Der monetäre Wert von Kunst wurde mir bewusst, als kurz darauf der Neue Markt-Crash einsetzte und die Aktienkurse dahinschmolzen, wie Schnee in der Sonne. Während der DAX bis zum Frühjahr 2003 im Maximum gut 70 Prozent an Wert verloren hatte, waren es beim Neuen Markt sogar über 95 Prozent. Sicherlich waren sowohl die Indexausschläge nach oben, wie nach unten starke Übertreibungen, dennoch war die Erkenntnis, dass Kapital sehr flüchtig und volatil sein kann, ein wichtiger Grund für meine anschließend beginnende intensive Sammlertätigkeit. Gleichzeitig hatte ich auf meinen regelmäßigen Kunstmessebesuchen nämlich zeitgenössische Künstler wie Günther Uecker, Gerhard Richter, A.R. Penck, Georg Baselitz und andere gesehen und verstanden, dass große Kunst immer ihren Wert behält. Schließlich fahren wir ja auch nicht nach Rom, um das Finanzgebaren der Römer zu studieren, sondern um uns ihre Kunstwerke anzuschauen. Kapital ist zwar das Schmiermittel der Wirtschaft und damit der Gesellschaft, Kunst aber ist bleibend!

Ab diesem Zeitpunkt war ich bereit, auch etwas größere Beträge in Kunst zu investieren. Da ich damals aber noch nicht die Erfahrung und das Know-how von heute hatte, tätigte ich meine Investments zunächst nach dem Motto, dass mir die erworbenen Arbeiten gefallen mussten. Typische Anfängerfehler sind dabei natürlich nicht ausgeblieben. Zwar sprechen mich einige der Werke heute noch genauso an wie am ersten Tag, andere halten meinen gestiegenen Ansprüchen aber nicht mehr stand – eine Entwicklung, die sicherlich viele Sammler durchlaufen. Dabei habe ich gelernt, dass der Markt und letztendlich die Geschichte entscheidet, was einmal große Kunst wird. So empfehle ich auch dringend, sich zumindest bei den ersten Käufen von ausgewiesenen Kunstexperten beraten zu lassen. Das minimiert die Gefahr eines überteuerten Fehlkaufs und ein Totalverlust, wie er bei Aktienwerten durchaus mal vorkommen kann, ist damit nahezu ausgeschlossen.

Jede Zeit bringt ihre Künstler hervor

Grundsätzlich kann eine Sammlung eigentlich nur zeitgenössisch sein – es sei denn man hat ein Budget von mehreren Millionen – denn nur diese ist bezahlbar. Aber auch Künstler wie Picasso waren einmal zeitgenössisch und fast jedes große Kunstwerk war einmal erschwinglich. Jede Zeit bringt zudem ihre großen Künstler hervor.

Vielfältige und zum Teil auch qualitativ hochwertige Arbeiten finden sich deutschlandweit in unzähligen Galerien. Dabei empfiehlt es sich, Vertreter aus der „ersten Bundesliga“, wie etwa König in Berlin, Barbara Gross in München oder Bärbel Grässlin in Frankfurt anzusteuern, und insbesondere bei sehr begrenzten Budgetvorstellungen statt auf Einzelstücke bekannter Künstler, (zunächst) auf Drucke und/oder vielversprechende Nachwuchskünstler zu setzen. Auf diese Weise lässt sich das Know-how der erfahrenen Galeristen nutzen, die in der Regel schon um ihren Ruf zu wahren, gewisse Qualitätsmaßstäbe ansetzen.

Ein besonderes Verhältnis zur Galerie und bestenfalls sogar einzelnen der ausgestellten Künstler, mit denen man sich intensiv auseinandersetzt, kann dabei extrem hilfreich sein. Wie sieht sein oder ihr Werdegang aus, was sind die Zukunftspläne und Ambitionen? Auf diese Weise lässt sich am ehesten herausfinden, wie nachhaltig die jeweilige Person „ihr Handwerk“ betreibt, denn auch hier gilt, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, und Erfahrung nur durch noch mehr Erfahrung zu ersetzen ist.

Leidenschaft und Begeisterung

Vorangehen muss allerdings immer die intensive Auseinandersetzung mit der Materie als solcher. Es geht darum, sich Fachwissen aus Büchern und Magazinen anzulesen, ein Preisgefühl zu bekommen, das Auge zu schärfen und persönliche Vorlieben zu entwickeln. Gerade am Anfang kann dabei die Konzentration auf ein Spezialgebiet von hohem Nutzen sein. Je mehr Ahnung ein Käufer von der Kunst hat, die er sammelt, desto sicherer wird er seine Entscheidungen treffen, desto eher ist er in der Lage, mit einem Berater auf Augenhöhe zu diskutieren. Dies schließt insbesondere auch den Besuch von Vernissagen und etablierten Kunstmessen, wie etwa der ART COLOGNE, der Art Basel oder als „Geheimtipp“ der ARCOmadrid mit ein. Ohne Leidenschaft und Begeisterung ist dies alles natürlich nicht zu machen.

Zeitgenössische Kunst ist inzwischen zu einem Bestandteil der Wallrich Asset Management geworden. Dies spiegelt sich unter anderem in einer Firmenmitgliedschaft des Städelschen Museums-Vereins wider. Außerdem nehmen wir seit vielen Jahren an der vom Land Hessen unterstützten Aktion „Kunst privat“ teil, bei der rund 30 hessische Unternehmen und wirtschaftsnahe Institutionen ihre Sammlungen einmal im Jahr (meist im Mai/Juni) der interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen. Künstler unserer Sammlung sind unter anderem Katharina Grosse, Karin Kneffel, Nobert Bisky, Olaf Metzel und Christian Awe.


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