• Apple Inc. - Kürzel: APC - ISIN: US0378331005
    Kursstand: 162,510 $ (Nasdaq) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung
  • Amazon.com Inc. - Kürzel: AMZ - ISIN: US0231351067
    Kursstand: 134,950 $ (Nasdaq) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung
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  • Apple Inc. - WKN: 865985 - ISIN: US0378331005 - Kurs: 162,510 $ (Nasdaq)
  • Amazon.com Inc. - WKN: 906866 - ISIN: US0231351067 - Kurs: 134,950 $ (Nasdaq)
  • Meta Platforms Inc - WKN: A1JWVX - ISIN: US30303M1027 - Kurs: 159,100 $ (Nasdaq)

Geradezu euphorisch haben Investoren auf die Quartalszahlen von Alphabet vom Dienstagabend reagiert. Nach den enttäuschenden Ergebnissen von Snap und Twitter hatten Anleger befürchtet, dass auch das Werbegeschäft des weltgrößten Suchmaschinenbetreibers schwächeln würde. Allerdings hat es sich etwas besser geschlagen als erwartet, was für große Erleichterung bei Investoren gesorgt hat.

Zwar ist der Konzernumsatz im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 69,69 Mrd. Dollar gestiegen und lag damit leicht unter den Schätzungen der Analysten von 70,0 Mrd. Dollar. Währungsbereinigt lag das Plus allerdings bei 16 Prozent. Zudem kletterten die Erlöse im Werbegeschäft der Tochter Google inklusive YouTube um 11,6 Prozent auf 56,29 Mrd. Dollar und übertrafen damit die Vorhersage der Finanzprofis von 55,91 Mrd. Dollar. Offensichtlich ist das Werbegeschäft bei Suchanfragen robuster als jenes bei sozialen Medien, weshalb sich Google besser geschlagen hat als Snap oder Twitter. Allerdings lagen die Werbeeinnahmen von Google um lediglich 0,7 Prozent über den Erwartungen. 0,7 Prozent!

Die Erleichterung bei Investoren war aber so groß, dass sie darüber hinweggesehen haben, dass der Umsatz des Cloud-Geschäfts trotz eines Wachstums von mehr als einem Drittel auf 6,28 Mrd. Dollar leicht unter den Schätzungen der Analysten lag. Gleichzeitig war der operative Verlust der Sparte auf 858 Mio. Dollar nach oben geschossen. Zudem lagen die Werbeeinnahmen von YouTube mit 7,34 Mrd. Dollar unter den Erwartungen, und der Gewinn je Aktie sogar deutlich darunter.

Die Frage ist allerdings, wie lange das Werbegeschäft von Alphabet noch gut laufen wird, zumal es laut Finanzchefin Ruth Porat im zweiten Quartal gerade durch den Reise- und Einzelhandelssektor angetrieben worden sei. Wenn die Inflation weltweit hoch bleibt, oder sogar noch steigen sollte, könnte das nicht nur die zwei Branchen, sondern die Weltwirtschaft insgesamt und damit das Werbegeschäft von Alphabet erheblich unter Druck bringen, zumal der Internationale Währungsfonds (IWF) zuletzt vor einer möglichen weltweiten Rezession gewarnt hat.

Wenn die Verbraucher aufgrund der stark steigenden Lebensmittel- und Spritpreise weniger Geld für andere Güter und Dienstleistungen zur Verfügung haben, dürften die Konsumenten bei Reisen auf die Ausgabenbremse treten. Und wenn der US-Einzelhandelssektor seine übervollen Läger erst einmal mit massiven Preissenkungen geleert haben wird, dann dürfte diese Branche ihre Werbebudgets deutlich kürzen.

Microsoft gibt optimistischen Ausblick

Der Kurssprung bei Alphabet hat auch die Microsoft-Aktie mit nach oben gezogen, obwohl die Zahlen des Softwareriesen am Dienstagabend ebenfalls gemischt waren. Zwar war der Umsatz im per Juni beendeten vierten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 um 12 Prozent auf 51,87 Mrd. Dollar gestiegen (währungsbereinigt 16 Prozent), das lag allerdings unter den Erwartungen der Analysten von 52,44 Mrd. Dollar. Zudem war das Wachstum des Cloud-Geschäfts Azure auf 40 Prozent zurückgegangen, währungsbereinigt waren es 46 Prozent. Das lag unter dem Plus von 44 Prozent, das Finanzprofis vorhergesagt hatten, während Microsoft einen währungsbereinigten Zuwachs um 47 Prozent in Aussicht gestellt hatte. Gleichzeitig rangierte der Gewinn je Aktie mit 2,23 Dollar etwas unter den Schätzungen.

In seiner Pressemeldung hat Microsoft den Gegenwind aus mehreren Richtungen klar aufgezeigt. Neben der Tatsache, dass der Dollar noch stärker gestiegen ist als das Management bei der Senkung der Prognose Anfang Juni erwartet hatte, schlugen auch die Produktionsunterbrechungen in China wegen der Corona-Lockdowns bis Mai, sowie ein schwächelnder PC-Markt im Juni durch, die das Geschäft mit dem Betriebssystem Windows um mehr als 300 Mio. Dollar gedrückt haben. Zudem hat die Kürzung der Marketingbudgets das Werbegeschäft von Microsoft, unter anderem bei dem Karrierenetzwerk LinkedIn, um mehr als 100 Mio. Dollar belastet.

Dennoch gab Vorstandschef Satya Nadella einen optimistischen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. So sollen Umsatz und operativer Gewinn jeweils prozentual zweistellig wachsen. Der Grund: der Konzern ziehe größere Aufträge für Azure an Land. Gleichzeitig würden Kunden auf teurere Versionen des Office-Cloudgeschäfts umsteigen. Zudem werde sich der Ausgabenanstieg abschwächen, weil die Dynamik beim Personalaufbau gebremst wird.

Meiner Meinung nach hätten Investoren ohne die Euphorie bei Alphabet bei Weitem nicht mit einem so deutlichen Kurssprung bei Microsoft reagiert. Vielmehr hätten die durchwachsenen Zahlen des Softwareriesen zumindest kurzfristig für Verunsicherung gesorgt, zumal der Konzern in seinem Ausblick selbst vor anhaltendem Gegenwind gewarnt hat, wie einer anhaltenden Schwäche im PC-Markt, oder dem Druck auf das Werbegeschäft. Zudem soll das Wachstum bei Azure im laufenden Quartal währungsbereinigt um 3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal zurückgehen.

Fed-Sitzung und US-BIP-Zahlen sorgen für Kursausschläge bei US-Growth-Aktien

Am Mittwochabend hat dann die Fed-Sitzung für eine kräftige Rally bei US-Technologieaktien insgesamt gesorgt. Zwar hat die US-Notenbank die Leitzinsen wie erwartet um 75 Basispunkte (0,75 Prozentpunkte) auf 2,25 bis 2,50 Prozent angehoben. Allerdings hat die Fed die Einschätzung für die US-Konjunktur heruntergestuft. Zudem hat Fed-Chef Jay Powell angekündigt, dass die künftigen Zinserhöhungen von den Konjunkturdaten abhängen würden, und die Höhe der Zinsanhebungen reduziert werden könnten.

Nach Powells Aussagen waren die Zinsen für zweijährige US-Anleihen eingebrochen, woraufhin Investoren kräftig bei US-Growth-Aktien zugegriffen haben, nach dem Motto: je schwächer die US-Wirtschaft ist, umso mehr braucht man Unternehmen mit einem starken Wachstum auf der Umsatzseite.

Nach den enttäuschenden Zahlen und Ausblick von Meta Platforms am Mittwochabend (dazu gleich mehr) und den überraschend schwachen Daten zum US-Wirtschaftswachstum am Donnerstagnachmittag lief das Spiel anfangs wieder in die andere Richtung, sprich die US-Techaktien waren unter Druck. So war das Bruttoinlandsprodukt der USA im zweiten Quartal überraschend um annualisiert 0,9 Prozent geschrumpft. Das war der zweite Rückgang in Folge, nachdem bereits im ersten Quartal ein Minus von annualisiert 1,6 Prozent zu Buche gestanden war. Der annualisierte Wert wird errechnet, indem man die Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit vier multipliziert.

Zwei Quartale in Folge mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung bedeutet für viele Experten üblicherweise eine Rezession, weshalb die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen nach der Veröffentlichung der Daten kollabiert sind. Da Investoren zu Recht befürchten, dass dieses Umfeld das Geschäft der US-Technologiefirmen erheblich belastet, haben die Investoren bei vielen Aktien aus dem Sektor anfangs den Verkaufen-Knopf gedrückt, ehe die Investoren – wegen des Zinseinbruchs - wieder bei den Techwerten zugegriffen haben, woraufhin sie sich erholt haben.

Meta Platforms verbucht erstmals Umsatzrückgang

Hingegen stand die Aktie von Meta Platforms weiter unter kräftigem Abgabedruck. Der Grund: Der Umsatz war im zweiten Quartal um ein Prozent auf 28,82 Mrd. Dollar gesunken und lag damit leicht unter den Schätzungen der Analysten von 28,93 Mrd. Dollar. Das war das erste Mal überhaupt, dass der Konzern einen Erlösrückgang gemeldet hat. Da half es auch nichts, dass währungsbereinigt ein Plus von drei Prozent zu Buche gestanden war. Gleichzeitig sind die Werbeeinnahmen um 1,5 Prozent auf 28,15 Mrd. Dollar geschrumpft und unterschritten die Erwartungen von 28,53 Mrd. Dollar klar. Wenigstens lag die Zahl der täglich aktiven User (Daily Active Users, kurz DAU) mit 1,97 Mrd. leicht über den Schätzungen.

Umso schlechter war allerdings der Ausblick. Für das dritte Quartal hat das Unternehmen einen Umsatz von lediglich 26 bis 28,5 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt, das lag meilenweit unter den Schätzungen der Analysten von 30,32 Mrd. Dollar. In der Mitte der Spanne bedeutet das einen Erlösrückgang um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Zeiten, dass Meta Platforms ein Wachstumsunternehmen war, sind offenbar erst einmal vorbei – ein Schock für viele Investoren. Die Begründung für die sehr schwache Prognose hat Meta gleich mitgeliefert: Die schwache Weltwirtschaft, die kräftig auf das Werbegeschäft drückt. Entsprechend muss Vorstandschef Mark Zuckerberg auf die Kostenbremse treten und hat die Kostenprognose für das Gesamtjahr von 87 bis 92 Mrd. Dollar auf 85 bis 88 Mrd. Dollar eingedampft. Das heißt natürlich vor allem den Personalaufbau deutlich zu strecken.

Amazon prognostiziert Beschleunigung des Umsatzwachstums

Am Donnerstagabend legten dann Apple und Amazon die Ergebnisse vor, wobei Investoren gerade jene des weltgrößten Internethändlers euphorisch gefeiert haben. Amazon hat im zweiten Quartal den Umsatz um 7,2 Prozent auf 121,23 Mrd. Dollar gesteigert, und damit die Schätzungen von 119,53 Mrd. Dollar übertroffen. Währungsbereinigt lag das Plus sogar bei 10 Prozent.

Wachstumsmotor war das Geschäft in der Region Nordamerika, wo sich der Konzern deutlich besser geschlagen hat als der Einzelhändler Walmart. Gleichzeitig ist das Cloud-Geschäft AWS von Amazon um 33 Prozent auf 19,74 Mrd. Dollar gewachsen und hat damit die Erwartungen übertroffen. Zwar ist der operative Gewinn des Konzerns auf 3,32 Mrd. Dollar eingebrochen, damit war er allerdings doppelt so hoch wie Analysten vorhergesagt hatten. Dabei hat sich ausgezahlt, dass Vorstandschef Andy Jassy auf die Ausgabenbremse getreten hat, gerade beim Personalaufbau.

Für Euphorie hat zudem der Ausblick gesorgt. Im dritten Quartal soll der Umsatz 125 bis 130 Mrd. Dollar erreichen, das lag deutlich über den Schätzungen der Analysten von 127 Mrd. Dollar. In der Mitte der Spanne entspricht das einem Erlösplus von 15 Prozent, womit sich das Wachstum bei dem Internethändler beschleunigen würde. Da störte es Investoren nicht, dass die Prognose für den operativen Gewinn von 0 bis 3,5 Mrd. Dollar unter den Schätzungen von 3,8 Mrd. Dollar lag.

Apple ist zuversichtlich

Auch die Ergebnisse von Apple können sich sehen lassen. Im per 25. Juni beendeten dritten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 stieg der Umsatz um 1,9 Prozent auf 82,96 Mrd. Dollar und lag damit leicht über den Schätzungen der Analysten von 82,76 Mrd. Dollar. Auf der Analystenkonferenz hat Vorstandschef Tim Cook eingeräumt, dass der Umsatzausfall aufgrund von Lieferschwierigkeiten unter 4 Mrd. Dollar lag, nachdem Cook ursprünglich 4 bis 8 Mrd. Dollar vorhergesagt hatte.

Für Zuversicht bei Investoren hat zudem gesorgt, dass die iPhone-Erlöse um 2,8 Prozent auf 40,67 Mrd. Dollar zugelegt und damit die Schätzungen (38,85 Mrd. Dollar) deutlich übertroffen haben. Offenbar haben Verbraucher trotz der hohen Inflation und der drohenden weltweiten Rezession weiter bei iPhones zugegriffen, was ich so nicht erwartet hatte. Zwar lagen die Umsätze mit Mac-Rechnern und Wearables, wie der Apple Watch, unter den Erwartungen, der Konzern führte das allerdings auf Lieferschwierigkeiten zurück. Zudem haben sich Kunden vor der Vorstellung neuer Macs im Juli mit Käufen zurückgehalten.

Erleichtert waren Investoren zudem, dass die Umsätze in China trotz der Lockdowns um lediglich 1,1 Prozent auf umgerechnet 14,6 Mrd. Dollar gesunken sind, das war besser als erwartet. Welche Cash-Maschine Apple ist zeigt, dass der Konzern fast 23 Mrd. Dollar an operativem Cashflow generiert hat und mehr als 28 Mrd. Dollar an Investoren zurückgegeben hat über Aktienrückkäufe und Dividenden. Cook sagte er erwarte, dass sich das Umsatzwachstum im laufenden Quartal beschleunigen wird. Allerdings veröffentlicht das Unternehmen weiterhin keine Prognose. Wenn Apple es – trotz der drohenden weltweiten Rezession – schaffen sollte, das Wachstum bei den Erlösen zu beschleunigen, wäre das mehr als beeindruckend.

Wie geht’s weiter bei den Aktien?

Meiner Meinung nach muss man zwischen Apple, Amazon, Microsoft und Alphabet auf der einen Seite und Meta Platforms auf der anderen unterscheiden. Nach den Zahlen und den guten Ausblicken sollten die Papiere des Quartetts erst einmal weiter klettern, zumal bei einem weiteren Einbruch der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen die Investoren weiter bei Growth-Aktien zugreifen sollten. Da spielt es auch keine große Rolle, ob das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das eine Unternehmen größer ist als jenes für das andere.

Hingegen könnte die Aktie von Meta Platforms zumindest noch ein paar Tage seitwärts tendieren, zumal die Ergebnisse und die Prognose alles andere als berauschend waren. Anschließend könnte der Titel aber allmählich nach oben drehen, weil viele Investoren Meta weiterhin als Wachstumsunternehmen betrachten könnten, obwohl sich der Umsatzrückgang im laufenden Quartal beschleunigen soll.

In der kommenden Woche geht der Zahlenreigen bei den US-Techs weiter. Am Dienstag, 2. August veröffentlicht der Fahrdienstleister Uber vor der Börseneröffnung in den USA die Ergebnisse, nach Börsenschluss ziehen Advanced Micro Devices (AMD) und PayPal nach. Am Mittwochabend nach Börsenschluss folgt dann Ebay. Gerade von den Ausblicken der Unternehmen wird abhängen, ob die Kurserholung, wie zuletzt bei AMD weitergeht, oder ob ein Kurseinbruch wie bei Meta folgt.