Am Sonntag sind die 9,4 Millionen wahlberechtigten Bürger Bayerns aufgerufen, eine neue Regierung zu wählen. Zwei Tage vor der Wahl verharrt die CSU im Stammland ihrer absoluten Regierungsmehrheit in nie gekannten Umfragetiefen:

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Neueste Befragungen sehen die Partei bei knapp unter 33 Prozent. Bei der Landtagswahl 2013 hatten noch 48,7 Prozent (!) der Wähler für die CSU gestimmt.

Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sieht den Grund für den Einbruch in den vielen „Zuagroasten“, die in Bayern mittlerweile leben: Der große wirtschaftliche Erfolg des Landes habe viele Zuwanderer angelockt - und die hätten ihre Probleme mit der CSU.

Ein Desaster zeichnet sich ab, das für einige Verschiebungen in der deutschen Parteienlandschaft sorgen könnte. Selbst ein Ende der Großen Koalition ist denkbar, sollte sich die CSU tatsächlich die erwartete bayerische Watschn einfangen…

Von der SPD, deren Vorsitzende Andrea Nahles ein Ende der Regierungskoalition erst kürzlich selbst "angeregt" hatte, spricht in Bayern kaum noch jemand. Der Stimmenanteil der Sozialdemokraten dürfte sich verglichen mit 2013 in etwa halbieren. Auf dann nur noch zehn Prozent. Die Grünen haben es unterdessen schon vor der Wahl eilig, sich als Koalitionspartner anzudienen. Nachzulesen bei Spiegel Online:

„Die Grünen erwarten ein Rekordergebnis bei der Bayernwahl am Sonntag. Und dann? Wollen sie mit der CSU regieren. Unbedingt. Das scheint auch ein besonderes Anliegen der Grünen-Führung in Berlin zu sein“.

Deutlich realistischer ist allerdings eine Regierungsbeteiligung der Freien Wähler. Nachfolgend ein Portrait des Spitzenkandidaten Hubert Aiwanger und seiner Partei, nachzulesen bei ZEIT Online:

„Nicht nur die AfD macht der CSU im bürgerlichen Lager Konkurrenz. Die Freien Wähler sind, was die Christsozialen gerne wären: Stimmungsbarometer für die Landbevölkerung“.

Unterdessen kommt in den Alternativen Medien gerade erneut ein Ereignis zur Sprache, das der CSU kurz vor der Ziellinie weitere Stimmen kosten könnte:

In Produktionshalle von Söders Schwiegervater im sächsischen Rossau, nordöstlich von Chemnitz, sind Flüchtlinge untergebracht.
Nach allem, was bekannt ist, darf man davon ausgehen, dass es sich dabei um ein höchst lukratives Geschäftsmodell handelt. Nicht jedem Wähler dürfte das gefallen.

Unvergessen dürfte bei vielen bayerischen Wählern auch sein, wie Bayerns Ministerpräsident erst kürzlich den Schulterschluss mit Angela Merkel gesucht hatte. Zitat:

"Knapp zwei Wochen vor der Bayern-Wahl vollzieht Ministerpräsident Markus Söder eine 180-Grad-Wende: Er lobt Merkel, räumt kritische Positionen und geht dafür auf seinen Parteichef und Bundesinnenminister Horst Seehofer los. Söder war mit Angela Merkel in Ottobeuren zu einem gemeinsamen Wahlkampftermin zusammengekommen. Vom Auftreten der Bundeskanzlerin erhoffe er sich Rückenwind für den Urnengang sagt er jetzt sogar".

Rückenwind für den Urnengang ausgerechnet von jener Kanzlerin, der von der "Eurorettungspolitik" über den überhasteten Atomausstieg auch die Flüchtlingskrise und der Niedergang der deutschen Automobilindustrie am Revers haftet?

Nicht auszuschließen, dass Merkel selbst am taumelnden DAX nicht ganz unbeteiligt ist: Als einer der ersten Kommentatoren stellt der Finanzanalyst und Buchautor Dr. Viktor Heese im folgenden Beitrag einen Zusammenhang her zwischen der Politik in Deutschland und der Schwäche des DAX in diesem Jahr und speziell im Oktober. Zitat:

„Börsen besitzen die seltene Gabe echte gesamtwirtschaftliche Gefahren in der täglichen Informationsflut zu erkennen, die der Kleinanleger nicht zu erkennen vermag. Er ist letztendlich für die Kursschwankungen verantwortlich, die Kapitalmarkttrends gestaltet dagegen die Großfinanz.

Diese Geldgeber scheinen heute zu der Erkenntnis gekommen zu sein, dass die deutsche Politik und mit ihr die Wirtschaft es vorläufig „nicht schaffen“ wird, sich dem destruktiven Linksdruck zu widersetzen. Linke Ideologien, sozialer Unfriede und schleichender Niedergang des Leistungsprinzips (ausufernde Sozialleistungen) waren schon immer Gift für Aktien“.

Das könnte ein turbulentes und erkenntnisreiches Wochenende werden, nicht nur für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Und mit dem mutmaßlichen Höhepunkt bei Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen am Sonntag um 18 Uhr könnte das Drama erst so richtig losgehen.

Man darf gespannt sein, was die „Apokalypse“ diesmal zu bieten hat...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.