Unabhängig davon, ob Lula da Silva oder sein Herausforderer Geraldo Alckmin die Präsidentschaftsstichwahl am 29. Oktober gewinnt, die Herausforderung ist eindeutig: das Umfeld für inund ausländische Investitionen muss weiter verbessert werden. Gemäß des Genfer World Economic Forum sticht bislang lediglich Chile mit effizienten Institutionen und Märkten in der Region hervor. Die erreichte Wettbewerbsfähigkeit ist demnach sogar höher als in Spanien oder Tschechien. Brasiliens Position wird hingegen weiterhin durch eine finanzpolitisch angespannte Situation belastet. Letztlich ist diese zusammen mit der nach wie vor hohen Verschuldung der Grund für die sehr hohen Realzinsen. Da jedoch von seiten der Rohstoffpreise und der Konjunktur der Druck auf die Inflationsentwicklung nachlässt, dürfte die Notenbank den neuen Spielraum für eine spürbare Lockerung der Geldpolitik nutzen. Längerfristig kann dieser Trend aber nur durch strukturelle Verbesserungen untermauert werden. Deshalb muss der neue Präsident vor allem darauf abzielen, den Abbau der Verschuldung voranzutreiben und den finanzpolitischen Handlungsspielraum zu erhöhen. Bislang sind rund 90% aller Staatseinnahmen bereits ausgabenseitig vorgeplant. Nur über Reformen, bspw in der Sozialversicherung, lässt sich dieser Prozentsatz reduzieren. Hierfür ist jedoch ein starkes Wählermandat notwendig, so dass in diesem Zusammenhang die Bedeutung der anstehenden Wahlen im Oktober deutlich wird, auch wenn die grundsätzlich vorsichtige finanzpolitische Ausrichtung beider Kandidaten positiv ist. Längerfristig niedrigere Zinsen sind ein wesentlicher Faktor, der die Investitionstätigkeit der Unternehmen stimulieren kann. Das Potenzial bzw. der Nachholbedarf Brasiliens wird durch die im Emerging Market Vergleich geringe Investitionsquote von knapp unter 20% verdeutlicht. Hinzu kommt, dass der Zufluss an Direktinvestitionen erst begonnen hat etwas zuzulegen. Das Niveau ist mit rund 1,8% des BIP in diesem Jahr noch recht gering. Im kommenden Jahr erwarten wir einen Anstieg auf rund 2,0%. Niedrigere Zinsen und stärkere Auslandsinvestitionen sind die richtige Mischung, die über eine Belebung der binnenwirtschaftlichen Dynamik das BIP-Wachstum auch bei abnehmenden außenwirtschaftlichen Impulsen stabilisieren kann. Die Genfer Studie geht aber noch darüber hinaus und verweist auf die zentrale Bedeutung verbesserter Institutionen, ohne die das Wachstumspotenzial nur schwer genutzt werden kann.

Quelle: Cominvest

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