Die USA schwächeln massiv. Sie kommen in Sachen Wirtschaftserholung nicht annähernd an die Kraft von Deutschland heran, von China und Co. ganz zu schweigen.

Wenn man den Hauptgrund in der ausufernden Verschuldungsorgie der Vereinigten Staaten erkennt, liegt man sicher nicht verkehrt. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Die USA haben sich schleichend verändert. Es findet eine Versozialmarktwirtschaftung statt, die den USA nicht bekommt. Wir in Europa mögen das gut finden, weil wir es nicht anders gewohnt sind und eine andere Tradition haben. Aber die Amerikaner sind im Begriff das zu verlieren, was sie lange Zeit wesentlich charakterisierte: Die (ökonomische) Freiheit. Das fängt bei hohen Steuersätzen an, geht über die verpflichtende Krankenversicherung und hört bei den Bankenrettungen auf. Was die USA früher auszeichnete, das fast schon libertäre „laissez-faire“ Wirtschaftsverständnis ist weitgehend verloren gegangen.

Das war der Grund für das Entstehen der „Tea Party“ Bewegung (in Anspielung auf die Boston Tea Party 1773, eine Protestbewegung gegen die britischen Kolonialherren). Hier tummelt sich ein bunter Haufen meist doch sehr konservativer Kreise (was mir weniger gefällt), die aber in ökonomischer Hinsicht schon fast radikal liberal sind (was mir zum Teil sehr gut gefällt). Der Kongressabgeordnete und Anhänger der österreichischen Nationalökonomie Ron Paul ist ein Aushängeschild der Bewegung, aber auch eine Sarah Palin, die einst sagte sie kennt sich gut in Außenpolitik aus, weil sie von Alaska aus Russland sehen kann. Ein bunter Haufen eben.
Spannend wird es auf jeden Fall, wenn ein Tea-Party-Kandidat sich bei der republikanischen Partei für die Präsidentschaftswahlen im Herbst 2012 als Herausforderer für Obama positionieren kann (sofern dieser überhaupt Kandidat der Demokraten bleibt). Denn dann droht dem US-Dollar faktisch seit 1785 die erste Währungsreform. Sie lesen richtig, denn: Die Tea Party-Bewegung denkt unter anderem darüber nach, die US-Zentralbank Fed abzuschaffen. Ohne Notenbank ist das US-Schuldenimperium aber am Ende. Schon alleine die Möglichkeit des Gedankens an solche Entwicklungen wird in der Vorwahlzeit in der Lage sein, die Märkte zu erschüttern. Bedenken Sie nur, was das z.B. für die immens hohen Auslandsschulden bedeutet, die zu einem Großteil (noch) in China liegen. Bei der Boston Tea Party wurden mehrere Ladungen Tee ins Hafenbecken gekippt. Was macht die neue Tea Party-Bewegung mit den US-Staatsanleihen, 240 Jahre später?

Daniel Kühn