Paul Tudor Jones ist Gründer des Hedgefonds Tudor Investment Corporation und ist mit seinen Wetten an den Finanzmärkten fünffacher Milliardär geworden.

WERBUNG

In einem Interview mit dem Finanzsender CNBC am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte Jones jetzt, dass ihn die aktuelle Situation an den Aktienmärkten stark an die Zeit vor dem Platzen der Dotcom-Bubble zur Jahrtausendwende erinnere.

"Wir befinden uns im verrücktesten geldpolitischen [Policy]-Mix der Geschichte", sagte Jones in dem Interview. "Es ist so explosiv, dass es jeder Vorstellung widerspricht. Es erinnert mich sehr an das frühe Jahr 1999 [als die Inflation niedrig war und die Aktienmärkte in die Höhe schossen]. Der Unterschied besteht darin, dass die Fed Funds Rate [der US-Leitzins] 4,75 Prozent betrug - heute sind es 1,62 Prozent. Damals hatten wir einen Haushaltsüberschuss, heute haben wir ein Defizit von fünf Prozent. So etwas kann man sich nicht ausdenken ... es sind verrückte Zeiten."

Auch im Jahre 1999 schossen die Kurse steil nach oben – bevor die Blase schließlich platzte und die Märkte den Rückwärtsgang einlegten.

Die folgende Grafik zeigt, wie stark die Kursentwicklung im Nasdaq Composite zuletzt der Kursentwicklung vor dem Platzen der Dotcom-Bubble ähnelte.

Letzte-Phase-der-Rally-Erinnerungen-an-1999-werden-wach-Kommentar-Oliver-Baron-GodmodeTrader.de-1

Wegen der rekordniedrigen Zinsen und dem US-Haushaltsdefizit könne die Rally aber noch ein gutes Stück weitergehen, so Jones.

Auf die Frage, ob man schnell aus dem Markt aussteigen müsse, weil die Situation 1999 entspreche, sagte Jones: "Nicht wirklich. Der Zug hat noch einen langen, langen Weg vor sich, wenn man darüber nachdenkt."

"Wir befinden uns in solch außergewöhnlichen Zeiten. Wir haben noch nie einen solchen fiskalischen Geldmix gesehen. Es spricht also für einen massiven Blow-Off an der Spitze."

"Am Top werden die Zinsen theoretisch wesentlich höher sein", sagte Jones. "Die Animal Spirits werden laufen, die Börse wird laufen, bis die Fed irgendwann ins Spiel kommt [und diese verrückte Geldpolitik umkehrt], die sie betreibt."

Auslöser für einen Rücksetzer könnte aber auch das Coronavirus in China sein, so Jones. "Ich denke, dass das eine große Sache ist." Die Parallelen zur SARS-Epidemie zwischen 2002 und 2004 sei groß. "Wenn man sich die Ereignisse des Jahres 2003 anschaut, reicht die Schätzung [für den BIP-Rückgang in China] von 0,5 Prozent bis 2 Prozent, ein halbes Prozent für Südostasien, und die Aktienmärkte wurden zweistellig abverkauft", so Jones.

Der Starinvestor und milliardenschwere Hedgefondsmanager hat einen ungewöhnlichen Handelsstil. Wie er beispielsweise im Buch "Market Wizards" von Jack D. Schwager selbst in einem Interview beschreibt, praktiziert Jones vor allem das Swingtrading und versucht Wendepunkte an den Märkten vorherzusagen.

Wichtiges Hilfsmittel für Jones sind dabei zum einen die Elliott-Wellen-Theorie und zum anderen der Vergleich aktueller Kursverläufe mit historischen Vorbildern. Auch fundamentale Aspekte spielen für Jones eine wichtige Rolle.

Zur Elliott-Wellen-Theorie sagte Jones: "Die Elliott-Wellen-Theorie ermöglicht es, unglaublich günstige Gelegenheiten aus Risiko-Chancen-Gesichtspunkten zu finden. Aus diesem Grund schreibe ich dem Elliott-Wellen-Ansatz einen Großteil meines eigenen Erfolgs zu."


Tipp: DER Experte für die Elliott-Wellen-Theorie im deutschsprachigen Raum ist André Tiedje, dem Sie auf seinem Guidants-Desktop folgen können.