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Lithium ist ein Leichtmetall und ist alles andere als selten. Es kommt häufiger vor als Blei und etwas seltener als Zink. Dennoch mangelt es an Lithium nicht. Lithium ist allerdings von der Gewinnung her herausfordernd. Es ist weit verstreut. Es gibt nur wenige konzentrierte Vorkommen, die effizient ausgebeutet werden können.

Lange Zeit führte Lithium ein Schattendasein. Das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern. Der Prozess hat bereits begonnen. Grafik 1 zeigt die weltweite Lithiumproduktion wie sie vom USGS (US Geological Survey) erhoben bzw. geschätzt wird. Seit Jahrzehnten steigt die Produktion tendenziell an. Seit 2011 ist sie rückläufig.

Die Lithiumpreise zeigen, dass das Metall trotz der Produktionsausweitung zwischen 1999 und 2010 inzwischen knapp ist. Entgegen des allgemeinen Preistrends bei Rohstoffen, die zwischen 2003 und 2011 stiegen, konnte der Lithiumpreis keine immer höheren Hochs ausbilden. Seit 2015 ist das anders.

Da die Produktion stagniert, die Nachfrage aber deutlich steigt, herrscht derzeit eine leichte Knappheit. Der Preis reagierte Ende 2015 darauf und verdreifachte sich. Das muss grundsätzlich nicht viel heißen, wenn das Angebot in naher Zukunft steigt. So, wie es derzeit aussieht, wird die Produktion nur langsam steigen. Die Knappheit dürfte sich fortsetzen.

Grafik 2 zeigt das Angebot an Lithiumcarbonat und die Nachfrage danach. 2016 wird die Produktion aller Voraussicht nach steigen. Verantwortlich dafür ist vor allem das Explorationsunternehmen Orocobre. Orocobre fördert bereits jetzt einige Tonnen Lithium, doch die Anlagen lassen derzeit keine höhere Produktion zu. Bis Ende 2016 soll der Engpass behoben sein und die Produktion deutlich steigen.

In den Folgejahren wird mit einer Ausweitung der Produktionskapazität der Unternehmen Albemarle, FMC und SQM (Sociedad Química y Minera de Chile) gerechnet. Diese Unternehmen sind unter den größten, die sich den Weltmarkt aufteilen. Talison hat einen noch höheren Marktanteil, ist jedoch kein börsennotiertes Unternehmen.

SQM, Albemarle und FMC sind keine reinen Lithiumproduzenten. SQM erwirtschaftet derzeit ein gutes Fünftel seiner Umsätze mit der Lithiumförderung. Der Bereich wächst, vor allem wegen des Preisanstiegs, doch als Investor kauft man mit der Aktie nicht nur ein Lithium-, sondern ein Spezialchemieunternehmen.

FMC erwirtschaftet ungefähr 10 % seines Umsatzes mit Lithium. Die übrigen 90 % teilen sich auf Landwirtschafts- (Düngemittel, Pestizide) und Gesundheitsprodukte (Nahrungsergänzungsmittel) auf. Albemarle ist ein Spezialchemieunternehmen, welches etwa 15 % seines Umsatzes mit Lithium und Lithiumprodukten generiert.

Für Anleger gibt es derzeit kein Unternehmen, welches ausschließlich Lithium fördert und börsennotiert ist. Es gibt zwar eine ganze Reihe an börsennotierten Firmen, doch diese sind Explorations- und Entwicklungsunternehmen. Sie haben größtenteils keine Umsätze und werden auch erst in ferner Zukunft die Produktion aufnehmen können. Ausnahmen dazu sind Orocobre, Lithium Americas und Nemaska.

Orocobre hat seine Produktion bereits begonnen, muss nun aber die Kapazität erweitern. Bis Ende 2016 sollte die Produktion deutlich steigen. Im Idealfall kann sich das Unternehmen ab Ende 2016 selbst finanzieren. Die Entwicklung von Lithiumvorkommen ist aufwendig und teuer. Ohne substantielle Einnahmen ist Orocobre auf Kapitalerhöhungen und Kredit angewiesen.

Lithium Americas hat bisher keine Einnahmen. Immerhin hat es die Genehmigung für ein Projekt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Explorationsunternehmen sind damit beschäftigt Vorkommen zu finden. Sind sie gefunden werden endlos viele Studien erstellt. Sind die Studien erst einmal gemacht, müssen Projekte von staatlicher Seite genehmigt werden. Bis Projekte genehmigt sind kann es viele Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern. Bis die Produktion beginnt vergehen oftmals erneut 5-10 Jahre.

Wann Lithium Americas mit der Produktion beginnen kann, ist vollkommen offen. Nach derzeitigem Stand sind über 300 Mio. Dollar an Investitionen notwendig, um das genehmigte Projekt umzusetzen. Auch eine Zusammenarbeit mit SQM ist keine Garantie für die schnelle Erschließung und den Produktionsbeginn.

Nemaska hat eine Genehmigung und ist dabei die Produktionsanlagen zu errichten. Das Unternehmen rechnet damit, dass die Produktion Ende 2018 beginnen kann. Das gibt Investoren immerhin eine gewisse Sicherheit.

Alle anderen Lithiumunternehmen, die es gibt – und es gibt eine ganze Menge davon – sind noch sehr weit von der Produktion entfernt. Sie haben nicht einmal genehmigte Projekte. Die Aktien sind hochspekulativ. Steigt der Lithiumpreis, dann können sich diese Werte schnell vervielfachen, doch sobald der Hype vorbei ist, sind die Aktien auch schnell wieder wertlos.

Derzeit bewegt sich der Lithiummarkt auf einen Hype zu. Mehr ist es noch nicht. Niemand kann abstreiten, dass durch die Elektromobilität die Nachfrage nach Lithium steigen wird, doch wie schnell die Nachfrage wirklich steigt, weiß niemand. Allein durch Teslas Bedarf dürfte die Nachfrage bis 2020 um 30 % steigen – vorausgesetzt Tesla kann seinen eigenen Plan umsetzen. Bisher war das so eine Sache mit den Plänen...

Als langfristiges Investment kann ein Einstieg noch Sinn machen, obwohl die Aktienkurse der hier genannten Unternehmen bereits eine beeindruckende Rallye hinter sich haben. Die Kurse dürften in Zukunft volatil bleiben, auch wenn Anleger derzeit die Chance haben an einem Hype zu partizipieren. Es empfiehlt sich nur kleine Positionen einzugehen.