Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Kaum ein Jahr, nachdem das bolivianisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen YLB-Acisa ins Leben gerufen wurde, soll es schon wieder vorbei sein. Der bolivianische Staatspräsident Evo Morales persönlich hat das Projekt annulliert, nachdem die dortige Bevölkerung protestiert hatte. Die Leute fühlten sich offenbar nicht angemessen an den Gewinnen beteiligt (s. auch hier: Bolivien: Regierung stoppt Lithium-Abbau-Projekt).

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Deutschland wollte sich Zugriff auf Lithium verhaften, diesen Rohstoff, der so wichtig ist für Batterien und auch für die Autoindustrie. 300 bis 400 Mio. Euro in den nächsten Jahren sollten investiert werden. Der Geschäftsführer und Eigentümer der Firma ACI Systems aus Zimmern ob Rottweil - des deutschen Parts des Joint Ventures YLB-Acisa - Wolfgang Schmutz will den Kopf dennoch nicht in den Sand stecken. „Wir arbeiten am Projekt mit Volldampf weiter“, sagt Schmutz im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Schließlich habe er noch nicht einmal eine offizielle Benachrichtigung über den Stopp. Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sagte Schmutz: „Jetzt werden Lösungen gesucht und gefunden. Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Politik.“ Es gebe Verträge und rechtsverbindliche Vereinbarungen. „Aber wir wollen nicht vor Gericht, sondern lieber einvernehmliche, konstruktive Lösungen finden, die allen helfen - vor allem den Menschen vor Ort“.

Das Bundeswirtschaftsministerium zeigte sich nach der Annullierung des Joint Ventures zur Lithiumgewinnung überrascht. Man habe die Nachricht der Annullierung „mit Bedauern zur Kenntnis" genommen, teilte das Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. „Nachvollziehbare Gründe für diese Entscheidung sind der Bundesregierung bisher nicht bekannt." Man stehe mit der deutschen Botschaft in Bolivien und mit der Firma ACI Systems in Kontakt, um das weitere Vorgehen zu erörtern.

Die bolivianische Regierung äußerte sich bislang nicht zu dem Fall. Dem Abkommen zufolge sollte YLB 51 Prozent der Anteile am Joint Venture halten. Geplant war vom Jahr 2022 an eine Förderung von 30.000 bis 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr, genug für Hunderttausende E-Autos mit Lithium-Batterien. 85 Prozent des Lithiums sollten nach Deutschland gehen.

„Wenn es nicht weitergeht, sind wir alle Verlierer“, sagte Schmutz der FAZ: In den Jahren 2023, 2024 spätestens müsse man liefern können, „sonst machen andere das Geschäft.“ Bisher werde das große Geschäft mit dem heißbegehrten Lithium schließlich woanders gemacht, in Chile und Argentinien. Den protestierenden Menschen aus der Region um den Uyuni-Salzsee geht es vor allem um Geld. Sie fordern eine Erhöhung der staatlich geregelten Lizenzgebühren von 3 auf 11 Prozent. „Wir werden im Rahmen einer Stiftung tun, was wir können“. versprach Schmutz. Geplant ist, dass ein Teil der Gewinne in die Region fließt.“