Der Bund und die Lufthansa haben sich auf eine staatliche Rettung der im Zuge der Corona-Pandemie von der Pleite bedrohte Airline geeinigt. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes stimmte den vereinbarten Hilfen am Montag zu. Auch der Lufthansa-Vorstand befürwortet die Hilfen.

Das Hilfspaket beinhaltet Stabilisierungsmaßnahmen und Kredite von bis zu 9 Milliarden Euro:

  • Stille Einlage: Bis zu 5,7 Milliarden Euro sollen in Form einer stillen Einlage des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in das Vermögen der Lufthansa fließen. Davon werden 4,7 Milliarden Euro als Eigenkapital eingestuft. Dieser Teil der stillen Einlage ist unbefristet und kann vom Unternehmen ganz oder in Teilen gekündigt werden. Die Verzinsung der stillen Einlage beläuft sich in den Jahren 2020 und 2021 auf vier Prozent und steigt dann bis auf 9,5 Prozent im Jahr 2027 an, falls sie nicht zuvor getilgt wird.
  • Aktienbeteiligung: Der Stabilisierungsfonds des Bundes wird außerdem im Rahmen einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnen, um eine Beteiligung von 20 Prozent an der Lufthansa aufzubauen. Der Bezugspreis soll nur 2,56 Euro je Aktie im Vergleich zu einem Marktpreis von zuletzt mehr als 8,50 Euro betragen, so dass der Bund mit dem Einstieg voraussichtlich ein sehr gutes Geschäft macht. Für die Beteiligung in Höhe von 20 Prozent sollen so nur rund 300 Millionen Euro fällig werden. Über zwei verschiedene Möglichkeiten kann der Bund seine Beteiligung auf 25 Prozent erhöhen. Davon soll aber nur zur Verhinderung einer feindlichen Übernahme oder zum Verwässerungsschutz Gebrauch gemacht werden. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds verpflichtet sich zum Verkauf seiner Lufthansa-Aktien bis zum 31. Dezember 2023 zum Marktpreis, wenn die die Lufthansa ihre stille Einlage bis dahin vollkommen zurückzahlt und der Bund auf einen Mindestveräußerungspreis von 2,56 Euro je Aktie zuzüglich einer jährlichen Verzinsung von 12 Prozent kommt.
  • Darlehen: Bis zu drei Milliarden Euro sollen im Rahmen einer syndizierten Kreditfazilität unter Beteiligung der KfW und privater Banken mit einer Laufzeit von drei Jahren zur Verfügung gestellt werden. Hier müssen die jeweiligen Gremien noch zustimmen.

Im Gegenzug für die Finanzhilfen muss die Lufthansa für die Dauer der Hilfen auf Dividendenzahlungen verzichten und die Managervergütung begrenzen. Zwei Sitze im Aufsichtsrat sollen in Abstimmung mit der Bundesregierung besetzt werden. Das Stimmrecht dieser Aufsichtsratsmitglieder soll aber nur im Übernahmefall eingesetzt werden.

Vorstand und Aufsichtsrat der Lufthansa müssen dem Paket noch final zustimmen. Ein solcher Beschluss soll kurzfristig erfolgen. Anschließend müssen die Kapitalmaßnahmen noch von den Aktionären auf der Hauptversammlung abgesegnet werden. Schließlich muss noch die EU-Kommission die Hilfen genehmigen, wobei Auflagen wie die Abgabe von Start- und Landerechten verhängt werden könnten. Bundeskanzlerin Merkel sagte in einer Sitzung des CDU-Präsidiums am Montag, dass sie harte Auflagen der EU ablehne.

Die Lufthansa-Aktien, die bereits zuvor in Erwartung der Ankündigung deutlich zugelegt hatten, reagierten nicht mehr stark auf die offizielle Ankündigung. Zuletzt notieren die Aktien mehr als sechseinhalb Prozent im Plus.

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Lufthansa-Aktie

Fazit: Das Hilfspaket ist ein gutes Geschäft für den Staat, da er die neuen Lufthansa-Aktien zu einem Bruchteil des aktuellen Kurses zeichnen kann. Andererseits dürften auch die Lufthansa und ihre Aktionäre wenig Grund zur Klage haben, immerhin kommt die Lufthansa durch die stille Einlage sehr günstig an frisches Kapital und kann auch selbst darüber entscheiden, wie schnell die Hilfen wieder zurückgezahlt werden. Der Staat verzichtet zudem auf eine Einmischung ins operative Geschäft.

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