Die intensivierte M&A-Aktivität in der ersten Jahreshälfte und ihre Wirkung auf die internationalen Aktienmärkte wurden bereits eingehend analysiert. Da sowohl Private Equity als auch so genannte White Knights bei diesen Transaktionen eine wichtige Rolle gespielt haben, müssen auch die Folgen solcher Deals auf die Renten- und Kreditmärkte entsprechend berücksichtigt werden.

Private-Equity-Häuser haben während der letzten Monate in erheblichem Umfang Mittel aufgenommen und dieser Trend scheint die unternehmerische Kreditaufnahme insgesamt anzukurbeln. Private-Equity-Gesellschaften kaufen Unternehmen auf, indem sie einen Großteil der Akquisitionskosten in der Bilanz des übernommenen Unternehmens ausweisen. Sofern sich noch Anleihen des Zielunternehmens im Umlauf befinden, bedeutet dieser Anstieg der Schuldenlast in der Regel, dass das Kredit-Rating des betreffenden Unternehmens auf „High Yield“ heruntergestuft wird. In der Folge kann die Anleihe beträchtlich an Wert verlieren.

Private-Equity-Firmen haben einen enormen Finanzierungsbedarf. In 2004 betrug das Übernahmevolumen 200 Milliarden Dollar, die Hälfte davon entfiel auf europäische Transaktionen . Eine britische Buyout-Gesellschaft nimmt derzeit mehrere Millionen Euro auf, um Europas größten Buyout-Fonds aufzulegen.

Die Aktivitäten von Private-Equity-Firmen stimulieren jedoch nicht nur die Kreditaufnahme von Unternehmen, sondern ziehen größere Kreise. So lassen sich die Geschäftsführungen von Zielunternehmen neue Methoden zur Abwehr feindlicher Übernahmeversuche von Private-Equity-Gesellschaften einfallen und minimieren ihre Attraktivität als Übernahmeziel. Dies kann beispielsweise durch Rückkauf ihrer Aktien geschehen, um die Aktionäre bei der Stange zu halten. Zur Finanzierung dieser Rückkaufaktionen geben die betreffenden Unternehmen Anleihen heraus. Unserer Einschätzung nach sind derzeit zahlreiche Emittenten mit Investment-Grade-Rating erheblichem Druck ausgesetzt, Fremdmittel aufzunehmen, da Aktionäre höhere Renditen fordern. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Risiken bei der Konzipierung von Portfoliostrategien gebührend zu berücksichtigen. Dies gilt um so mehr im gegenwärtigen, von einem hohen Ereignisrisiko gekennzeichneten Umfeld.

Analysten haben diese Herausforderungen jedoch im Griff. Anleihen sind vertragliche Vereinbarungen, für die bestimmte Bedingungen gelten. Die Aufgabe der Analysten besteht darin, nach Bedingungen Ausschau zu halten, die den Anleiheinhabern besseren Schutz bieten. Dabei kann es sich beispielsweise um Put-Optionen handeln, die dem Investor bei Eintritt eines bestimmten Ereignisses (wie z. B. einer Übernahme) einen Anspruch auf den Rückkauf seiner Anleihen durch das emittierende Unternehmen verleihen. Der Rückkauf findet dann mindestens zum Nennbetrag statt.

Bei der Beurteilung der Herausforderungen durch die Private-Equity-Branche sollte auch die Herkunft der Buyout-Firma berücksichtigt werden, da hier wesentliche Unterschiede zwischen dem US- und dem europäischen Markt bestehen. So ist der europäische Markt weniger liquide als der amerikanische, was eine höhere Kursvolatilität zur Folge hat. Auf dem europäischen Anleihemarkt wird der Handel weitaus stärker von Gerüchten oder spekulativen Presseberichten beeinflusst. Andererseits werden Credit Default Swaps in Europa sehr viel intensiver genutzt. Anleger haben damit effektiv die Möglichkeit, einen gewissen Risikoschutz zu erwerben, wenn sie eine Schwächung von Kreditwerten befürchten. Diese markttechnischen Transaktionen sind in Europa im Wesentlichen weiter verbreitet als in den USA.

Auf jeden Fall sollte man die weitere Entwicklung im Private-Equity-Sektor und ihre Wirkung auf die internationalen Anleihemärkte verfolgen, wenn die aktuelle M&A-Welle zum Sommer hin verebbt.

Quelle: Schroders

Die Schroders-Gruppe ist eine führende internationale Vermögensverwaltungsgesellschaft, die 1804 gegründet wurde. Schroders verwaltet Anlagen für Pensionsfonds, Regierungsbehörden, Wohltätigkeitsorganisationen, Körperschaften, Familienunternehmen und vermögende Privatpersonen weltweit und ist ein führender Verwalter von Investmentfonds. Schroders bietet Anlagen in allen wichtigen Vermögenskategorien in entwickelten Ländern und Schwellenländern an: Aktien, Schuldtitel, Geldmarktinstrumente, Beteiligungen und Immobilien. Das weltweit verwaltete Vermögen betrug zum 31. März 2006 rund 184,2 Mrd. Euro.