Heute wird verkauft - und zwar alles, von Öl über Euro über Bundes- und US Anleihen bis hin zu Gold. Wenn fast alles Assetklassen im Gleichschritt laufen, dann ist das kein gutes Omen. Für gewöhnlich schichten Anleger in unsicheren Zeiten von einer in die andere Anlageklasse um. Oft werden Aktien verkauft und Anleihen gekauft. Wenn alles gleichzeitig auf den Markt geworfen wird, dann stimmt für gewöhnlich etwas nicht. Wenn Anleger ausnahmslos eine Präferenz haben (Cash), dann sollte man gut aufpassen. Die Stimmung kann sehr schnell kippen.

    Angefangen hat wieder einmal alles mit Griechenland. Die Regierung beteuerte bis gestern noch die heute fällig werdende Rate an den Internationalen Währungsfonds zurückzuzahlen. Nun, zwischen gestern und heute fand anscheinend ein gewisser Denkprozess statt, der die Regierung in Athen umgestimmt hat. So greifbar wie heute war der Bankrott Griechenlands seit 2010 nicht mehr.

    Die Zahlung soll nun zusammen mit den restlichen im Juni fällig werdenden Raten Ende des Monats stattfinden. Der Aufschub der Zahlung ist nach den Vereinbarungen mit dem IWF möglich. Bisher haben die wenigsten Länder, die Kredite vom IWF erhielten, davon Gebrauch gemacht. Angeblich war Smbia in den 80er Jahren das letzte Land, welches diese Möglichkeit beanspruchte.

    Sambia ist nicht gerade ein Land, mit dem man verglichen werden möchte, zumal ein Zahlungsaufschub fast nur eines bedeuten kann: die Regierung hat das Geld nicht. Bis Ende Juni wird sie das Geld auch nicht mehr auftreiben können. Der Aufschub hat für die Regierung aber trotzdem einen großen Vorteil. Würde sie jetzt das letzt bisschen Geld an den IWF überweisen, dann bliebe vermutlich nicht mehr genügend Geld übrig, um die Löhne und Renten am Monatsende zu zahlen. Mich würde es nicht wundern, wenn der Staat diesen Verpflichtungen einige Tage vor Monatsende nachkommt. Wenn dann die Zahlung an den IWF fällig wird, wird es heißen: Sorry, leider kein Geld mehr.

    Den Markt macht das verständlicherweise sehr nervös. Der Dax kann sich nur so mit Ach und Krach halten. Noch ein paar Punkte tiefer und die mittelfristige Bodenbildung ist gescheitert. Abgaben bis 10.700 wären dann fast vorprogrammiert.

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    DAX

    Hoffnungen auf eine Einigung darf man sich freilich immer noch machen. Eine Handelsstrategie allein auf Hoffnung aufbauend bringt jedoch selten Freude. Bis Ende Juni wird es vermutlich sehr holprig bleiben. Ende des Monats dürfte dann die Katze aus dem Sack gelassen werden.

    Folgt man den Äußerungen des IWF und der Politiker, dann ist mit einer Einigung kaum noch zu rechnen. Jedes Mal, wenn aus Athen die Nachricht einer baldigen Einigung kommt, äußern sich alle anderen Parteien zurückhaltend. Die momentanen Kommentare sind immer gleich: "Uns steht noch ein langer Weg bevor." Bis Ende Juni sind es noch gut 3 Wochen. Die Finanzmärkte sind zweifellos schnelllebig, aber 3 Wochen ist keine lange Zeit. Ein langer Weg ist in 3 Wochen kaum zurückzulegen.

    Bis die Griechenlandfrage beantwortet ist dürfte an den Märkten die "Angst vor der Angst" regieren. Fundamental ändert der griechische Bankrott nichts mehr. Seit Jahren ist klar, dass die Schulden nicht mehr einbringlich sind. Der einzige Unterschied wird dann sein, dass es schwarz auf weiß geschrieben steht. Das ändert jedoch wenig daran, dass sich die Eurozone weiter erholt und die US Wirtschaft aus ihrem Winterloch gekrochen ist. Der heutige Arbeitsmarktbericht war überraschend gut.

    Den Märkten hat das nur sehr kurz geholfen. Die Reaktion der Anleihenrenditen in den USA zeigt, dass gleich wieder eine Zinserhöhung im September befürchtet wird. Es ist immer das gleiche Spiel. Fundamental sieht es mittelfristig jedoch nach wie vor gut aus. Wenn jetzt etwas Luft aus den Märkten entweicht, dann ist das zu begrüßen. Es wird viele neue, gute Gelegenheiten geben in den Markt einzusteigen. Ob mir das persönlich gelingt bleibt abzuwarten. Mein Sommerurlaub außerhalb der Reichweite des Internets nähert sich...