Die Märkte rechnen für Dienstag mit einer weiteren Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank. In der Vorwoche präsentierten sich die Rentenmärkte bei deutlich nachlassenden Renditen erneut in glänzender Verfassung. Dagegen verbuchte der Euro erstmals seit zwei Monaten wieder einen Wochenverlust gegenüber dem US-Dollar.

Nach der Sitzung der Federal Reserve Bank am Dienstag dürfte der Leitzins in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal seit dem Frühjahr 2001 wieder über dem Niveau der Eurozone liegen. Vor dem Hintergrund einer nach wie vor kräftig wachsenden Wirtschaft und einer anziehenden Teuerungsrate wird die amerikanische Notenbank nach fast einhelliger Meinung der Marktteilnehmer die Zielrate für die Fed Funds auf 2,25 Prozent anheben. Dies wäre seit Beginn des Zinserhöhungskurses im Juni der fünfte Zinsschritt um 25 Basispunkte nach oben. Im kommenden Jahr erwarten wir dann eine Fortsetzung der geldpolitischen Straffung. Der amerikanischen Bondmarkt zeigte sich hiervon jedoch bislang völlig unbeeindruckt. Die Rendite zehnjähriger Treasuries gab wiederum um 10 Basispunkte nach und liegt jetzt bei niedrigen 4,15 Prozent. Auslöser für den neuerlichen Renditerückgang waren die zuletzt veröffentlichen Arbeitsmarktzahlen. Danach stiegen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf 357.000 und damit spürbar stärker als vom Marktkonsensus erwartet. Allerdings sind die jobless claims als Ausreißer anzusehen, da die übrigen Konjunkturzahlen (Verbrauchervertrauen, Erzeugerpreise) auf ein anhaltend kräftiges Wachstum hinweisen. Weitere Renditerückgänge erscheinen daher eher unwahrscheinlich.

Die Aussicht auf höhere US-Letzinsen machte sich auch am Devisenmarkt bemerkbar, wo der Euro-Höhenflug vorerst gestoppt wurde. Nachdem die Gemeinschaftswährung seit Anfang Oktober kontinuierlich gestiegen war und in der Spitze um über 10 Cent zulegte, gab es in der zurückliegenden Woche einen Rückschlag. Dieser dürfte aber von europäischer Seite eher mit Wohlwollen aufgenommen worden sein, gilt der starke Euro doch als Hauptrisiko für die Konjunktur im kommenden Jahr.

Die Rentenmärkte stufen die Konjunkturaussichten in der Eurozone weiter verhalten ein. Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentieren aktuell nur noch mit 3,6 Prozent und sind damit nicht mehr weit entfernt von dem Tief bei 3,5 Prozent vom Juni 2003, als die Sorge vor deflationären Tendenzen die Märkte im Griff hatte. Dafür gibt es aktuell jedoch überhaupt keine Anzeichen. Die Inflationsrate im Euroraum liegt mit 2,2 Prozent immer noch über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank, sodass Zinssenkungen auf absehbare Zeit kein Thema sein werden. Auch die in der Vorwoche gemeldeten Konjunkturdaten lassen darauf schließen, dass sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone im kommenden Jahr nicht entscheidend abschwächen wird. Der ZEW-Index zog im Dezember überraschend auf 14,4 Punkte an, nachdem er seit Jahresmitte deutlich gefallen war. Für Deutschland wurden in jüngster Zeit Zuwächse in der Industrieproduktion und bei den Auftragseingängen sowie ein erhöhter Überschuss im Außenhandel vermeldet. An unserer Empfehlung für Rentenfonds auf Eurobasis (z.B. UniEuroKapital, UniEuroKapital Corporates, UniEuropaRenta, UniEuroRenta) hat sich durch diese Entwicklungen indes nichts geändert. Am kurzen Ende erwarten wir angesichts der Zurückhaltung der EZB keine allzu starken Schwankungen. In den mittleren Laufzeiten ist im Jahresverlauf 2005 zwar mit gewissen Anpassungen nach oben zu rechnen, der feste Euro sollte aber vorerst noch für Unterstützung sorgen.

Ausblick: Im Zentrum des Interesses dürfte in jedem Fall die FED-Sitzung am Dienstag stehen. Neben der Zinsentscheidung warten die Marktteilnehmer auch mit Spannung auf die Statements im Anschluss an die Sitzung, könnten doch dabei Fingerzeige für die weitere Ausrichtung der Geldpolitik gegeben werden. Darüber hinaus werden mit dem New-York-Fed-Index und dem Philly-Fed-Index wichtige Frühindikatoren bekannt gegeben. Aufschluss darüber, wie es mit der Konjunktur in Japan weitergeht, könnte der stark beachtete Tankan-Index geben. Die in den zurückliegenden Wochen publizierten Zahlen lassen dabei einen Rückgang befürchten. In der Eurozone dürfte in erster Linie auf den Ifo-Geschäftsklimaindex geblickt werden, wobei ein weiterer Rückgang nicht ausgeschlossen werden kann.

Quelle: Union Investment

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