Wenn man sich die Meinungen der lieben Kollegen so durchliest, auch hier bei www.godmode-trader.de, dann hat man den Eindruck, es kann jetzt einzig und allein um die Frage gehen, ob die Börsen ihren scheinbar unaufhaltsamen Anstieg jetzt sofort oder aber erst nach einer ausgiebigen Pause fortsetzen. Dass der Anstieg weitergehen wird, scheint aber bereits in den Köpfen verankert und mithin fest gebucht zu sein.

Erfahrene Kontra-Anleger wissen: Je ausgefallener, exotischer und „einsamer“ eine Prognose daherkommt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie abseits der Mehrheitsmeinung ins Schwarze trifft. Und im Bärenfell, das kann man durchaus so sagen, ist es zuletzt sehr ungemütlich geworden. Man kommt sich in etwa vor wie ein verrückt gewordenes Kasperle, das im „Faschingsgwand“ mit Glöckchenmütze auf dem Kopf in einem Umfeld von seriösen Krawattenträgern herumspringt und dem alle nur noch den Vogel zeigen. Ganz klar, das perfekte Umfeld, um eine ausgewachsene Kontra-Position zur allgemeinen Feierlaune einzunehmen.

Warum stellt derzeit eigentlich niemand die Frage, ob die Börsenhausse in diesen Tagen des Mai 2013 gerade ihr grandioses Finale erlebt - mit fallenden Kursen für die kommenden Jahre? Sehr einfach: Weil das im gegenwärtigen Umfeld absolut unvorstellbar erscheint...

Dabei gibt es einige hübsche Indikatoren, die zeigen, dass zumindest kurzfristig eine herbe Enttäuschung anstehen wird. Nehmen wir etwa den vergangenen Mittwoch: Als Fed-Chef Ben Bernanke verkündete, ein Ende der Geldflut in den USA sei wegen der anhaltenden Schwäche auf dem US-Arbeitsmarkt vorerst nicht zu erwarten, da feierten die Krawattenträger diese „gute Nachricht“ zunächst mit neuen Rekorden bei DAX und Dow Jones.

Blöd nur, dass in den Börsensälen schon wenig später offenbar der Champagner knapp wurde und in der Folge etwa der S&P 500 ein ausgewachsenes Intraday-Reversal aufs Parkett zauberte. Das heißt, die Kurse in den USA legten trotz der frohen Botschaft aus Washington umgehend den Rückwärtsgang ein. Die folgende Abbildung zeigt das sehr eindrucksvoll:

Nun kann man sehen, dass auch die Umsätze bei dieser überraschenden Kehrtwende nicht gerade mickrig waren (blaue Markierung). Das heißt, dem Signal ist für die kommenden Wochen einiges an Durchschlagskraft zuzutrauen.

Viel wichtiger aber ist die Frage, die sich aus diesem merkwürdigen Rückzieher unmittelbar ableiten lässt: Wenn nun schon die Aussichten auf „noch mehr billiges Geld“ zu Kursverlusten führt, was muss dann eigentlich passieren, um die Notierungen noch weiter anzuschieben? Und woher sollen eigentlich weitere positive Überraschungen kommen, wenn schon die Dauerdroge „Mehr billiges Geld“ jetzt ganz offensichtlich ihren Zauber verliert? Unser verrücktes Kasperle kennt die Antwort: Wenn „positive“ Nachrichten zu einem gänzlich gegenteiligen Ergebnis führen, dann passiert jetzt auch das Gegenteil von dem, was alle erwarten.

Hierzu passt, dass sich beim Angst und Gier- Index des Börsensenders CNN gerade ein hübsches Doppeltop zu bilden scheint – ganz ähnlich wie unmittelbar vor der dramatischen Börsentalfahrt im Sommer 2011. Noch einmal zum Mitschreiben: Wenn die Mehrheit von steigenden Kursen ausgeht, wie das im Sommer 2011 der Fall war, und wie das auch jetzt wieder zu beobachten ist, dann steigt die Wahrscheinlichkeit stark an, dass es völlig anders kommt und die Kurse einbrechen, anstatt weiter nach oben zu klettern.

Quelle: CNN

Tja, und das war leider noch nicht alles in diesem bärischen Wochenkommentar: In China ist der Einkaufsmanagerindex in dieser Woche unter die 50 Punkte-Marke gefallen. Das heißt, die Zeichen stehen auf Rezession. Die chinesische Wirtschaftsaktivität zeigt erstmals seit sieben Monaten ernste Bremsspuren.

Schockwellen haben diese Nachrichten (vorerst) „nur“ nach Japan geschickt: Kommt von dort jetzt der Nadelstich, der die mittlerweile vierjährige weltweite Börsenhausse zu Grabe trägt? Wegen besagter schwacher Wirtschaftsnachrichten aus China war der Nikkei225 am Donnerstag inklusive der nachbörslichen Indikation um fast neun (!)Prozent abgeraucht. Der Handel mit Staatsanleihen musste ausgesetzt werden.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/05/23/crash-gefahr-handel-mit-staatsanliehen-in-japan-ausgesetzt/
Tatsächlich sieht der Kursverlauf japanischer Bonds jetzt nicht gerade einladend aus:

Besonders das jüngste „Gezappel“ beim Nikkei lässt Schlimmes befürchten: Die Tageskerze vom Donnerstag sieht stark nach einem beginnenden Bärenmarkt aus. Die Zutaten hierfür sind angerichtet: Sollten in Japan gänzlich unerwartet die Zinsen nachhaltig nach oben drehen, könnten hier, wie auch im weltweiten Börsenkasino schon bald sehr turbulente Zeiten anbrechen.

Ein Blick nach Japan: So beginnen Bärenmärkte...
Zur Erinnerung: Weil in Japan trotz der rekordhohen Staatsverschuldung immer alles „irgendwie gut gegangen ist“, haben die Anleger die Risiken, die sich dort mittlerweile aufgetürmt haben, völlig aus den Augen verloren. Mit anderen Worten. Das Potential einer unerwarteten negativen Überraschung ausgerechnet aus Japan ist riesig...

Gold und Silber: Eine Katastrophe...
Und dann haben wir ja noch Gold und Silber. Meine Güte, wie grottenschlecht die Stimmung dort jetzt ist. Niemand will noch irgendetwas mit den Pretiosen zu tun haben. Herrlich!

Was das allfällige Gerede vom Ende der Goldhausse angeht: Diese Erwartung steht und fällt mit der Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft und einem damit verbundenen Ende der beispiellosen Geldflut.

Fragen Sie sich selbst: Wie oft wurde in den vergangenen Jahren die Wiederauferstehung der US-Konjunktur gefeiert - und wie oft hat sich diese Hoffnung wenig später als trügerische Illusion erwiesen? Und jetzt, da China schwächelt, Japan offenbar ins Trudeln gerät und ganz Europa vor einer massiven Rezession steht, einer Rezession, die ihre eisklammen Finger allmählich auch nach Deutschland ausstreckt, jetzt soll das plötzlich anders sein?

Die Silbermünze Libertad (Freiheit) - Quelle: pro aurum

Die vollkommen marode US-Wirtschaft als stampfende Dampflok für eine Weltkonjunktur, die aus dem Tritt gekommen ist und die vor lauter Schulden kaum noch aufrecht stehen kann? Wie einfältig muss man eigentlich sein, um an solche Wunder zu glauben?

Viel wahrscheinlicher als eine plötzliche Gesundung der US-Konjunktur scheint da schon die Aussicht auf eine „Rettungsaktion“ à la Japan, bei der in den kommenden Monaten auch in den USA alle geldpolitischen Hemmungen fallen werden.

Mit den entsprechenden Folgen für ein Papiergeldsystem, das inzwischen vor allem von der Hoffnung getragen wird, die Probleme, die durch zu viel Geld entstanden sind, mögen doch durch den Einsatz von noch mehr billigem Geld bitte wieder verschwinden.

Was für eine grandiose Dummheit, die wir alle da gerade abliefern.

Wir alle? Glücklicherweise nicht ganz, denn es gibt inzwischen immer mehr Lichtblicke. Signale von aufgeweckten Zeitgenossen, die verstanden haben, was da gerade läuft. Was uns besonders freut: Ab Juni können wir den vielen Traumtänzern und Gesundbetern die Deutschen Wirtschaftsnachrichten in gedruckter Form unter die Nase halten.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/05/24/neu-die-dwn-kommen-als-gedrucktes-magazin/
In der Juni-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs werden wir den Dingen wie immer auf den Grund gehen und unseren Lesern sagen, was jetzt zu tun ist...

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de