Dürre in China, strömender Regen in den USA: Über eine neue Maisknappheit wird spekuliert. Eine Dollar-Rally könnte Spekulanten aber einen Strich durch die Rechnung machen..

    Mais ist die wichtigste Getreidesorte der Welt. Als im Jahr 2008 durch Missernten eine Verknappung des Körnergetreides drohte, sprangen die Preise von 3,06 auf 7,76 Dollar pro Scheffel (ein Scheffel=25.4 kg). Die hohen Preise animierten Landwirte, wieder mehr anzubauen, was ein höheres Angebot erzeugte, das die Preise innerhalb eines halben Jahres wieder bis auf 3,06 Dollar drückte. Dann blieb es ein Jahr ziemlich ruhig um Mais, dessen Preise sich auf niedrigem Niveau seitwärts bewegten. Bis heute. Denn die Spekulationen um eine Verknappung beginnen abermals.

    Allein im Oktober sprangen die Preise um 8%, zuletzt werden 3,94 Dollar gezahlt. Strömender Regen im Mittleren Westen, der Kornkammer der USA, haben die Ernte verzögert. Seit Anfang November tendieren die Preise zwar seitwärts, da es nicht mehr regnet und die Landwirte mit ihren schweren Erntemaschinen wieder auf die Felder können, um ihre Ernte einzufahren. Dennoch reißen die Spekulationen über Ernteeinbußen nicht ab, da die Qualität der Maiskolben schlecht ist und viele vom Schimmel bedroht sind, weil sie viel zu nass sind und sich nur schwer trocknen lassen, bevor sie zu den Silos oder Getreidehebern gebracht werden können.
    Bad Mais aus den USA?

    Der Feuchtigkeitsanteil muss auf 15,5% gesenkt werden, um Schimmel zu verhindern. Aus diesem Grund entstehen jetzt lange Schlangen mit Wartezeiten von vielen Stunden für die Landwirte, die ihre Ernte an die Silos und Getreideheber verkaufen wollen. „Was die Verzögerungen anbelangt, ist das die schlechteste Ernte jemals“, beklagt sich Greg Wagner, leitender Analyst bei der amerikanischen Agrarwebseite AgResource.

    Chinesischer Staubsaugereffekt?

    Die Natur beschert den Menschen Überfluss, beschützt sie aber auch nicht vor Knappheiten. Während es in den USA während des Spätsommers in Strömen regnete, breitete sich im Maisanbaugebiet Chinas eine Dürre aus. Die Ernte im nach den USA zweitgrößten Maisanbauland der Erde wird um 13% fallen, schätzen die Genfer Agraranalysten von SGS. Da dadurch die Lagerbestände fallen werden, muss China über den Jahreswechsel und in 2010 mehr Mais vom Weltmarkt importieren. Da die USA der größte Maisexporteur der Welt sind, werden dann auch dort die Lagerbestände fallen. Dies wiederum dürfte sich positiv auf die Chicagoer Maispreise auswirken, auf denen die meisten Zertifikate und Optionsscheine basieren.

    Spielverderber Dollarwende?

    Der US-Dollar könnte auf Sicht der nächsten Monate deutlich aufwerten. Die Auswirkungen der Dollarwende auf die Maispreise sind unklar. Auf der einen Seite würde ein starker Dollar die Maisexporte der USA verteuern. Andererseits werden Spekulanten Mais verkaufen, den sie zuvor als Absicherung gegen einen fallenden Dollar gekauft haben. Der chinesische Staubsaugereffekt hat aber in den letzten Monaten eindrucksvoll gezeigt, dass er sich schnell als einzige bedeutende Preisdeterminante herauskristallisieren kann. Von dem her kann es gut sein, dass die Maispreise weiter steigen, auch wenn die Dollarwende kommen sollte.

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