Nachdem der Maispreis am 30. Juni nach Veröffentlichung überraschend hoher Lagerbestände und Anbauflächen um fast 10% an einem Tag eingebrochen war, hatte kaum jemand noch Hoffnung auf positive Überaschungen. Dann kamen sie doch, als das US-Landwirtschaftsministerium in dieser Woche den WASDE-Bericht (Globale Agrar-Angebots und Nachfrage-Schätzungen) publizierte. Die darin gemachten Schätzungen waren konservativer, als viele zuvor erwartet hatten.

    „Kurzfristig rechnen wir damit dass die Auswirkungen bullish für Mais, bullisch bis neutral für Weizen und Raps und neutral bis bearish für Sojabohnen und Baumwolle sind“, schreiben Analysten von Macquarie in einer Studie. „Es ist zu früh, die Rally bei Mais abzusagen“, schreibt Barclays nach Auswertung des WASDE-Berichts. Tatsächlich notiert Mais nun wieder bei 7 Dollar pro Bushel (ca. 25,4 kg), nachdem der Preis nach dem WASDE-Bericht am 1. Juli bis auf 6,06 Dollar eingebrochen war. Der im Juni erreichte historische Höchststand lag bei 7,99 Dollar.

    Die größten Änderungen nahm das USDA für die neue, gerade heranwachsende Ernte vor. Die Lagerbestände am Ende dieser Saison werden nunmehr auf nur noch 870 Millionen Bushel geschätzt, das ist „143 Millionen Bushel unter den Markterwartungen“, schreibt Macquarie. Die Gesamtnachfrage nach US-Mais werde in der Saison 2011/12, die am 1. November beginnt, bei 13,5 Milliarden Bushel liegen und damit um 245 Millionen Bushel höher, als bislang erwartet. Dieser Zuwachs verteilt sich zu 50 Millionen Bushel auf auf die Futtermittelherstellung, zu 100 Millionen Bushel auf Ethanol und zu 100 Millionen Bushel auf den Export. Die Geschäftsaussichten am Exportmarkt hätten sich durch neuerdings wieder höhere chinesische Käufe gefestigt. Das USDA erhöhte die Prognosen für die chinesischen Käufe von US-Mais um 1,5 Millionen Tonnen (59 Millionen Bushel) auf 2 Millionen Bushel nach oben. Analysten von Macquarie schätzen die Gesamtmenge, die China in den Staaten vom 1. November 2011 bis zum 31. Oktober 2012 kaufen wird, auf 3-4 Millionen Tonnen (118-157 Millionen Bushel). Die Analysten rechnen damit mit der bis zu doppelten Menge an chinesischen Käufen als die offiziellen Stellen in Washington.

    In China „sorgt eine steigende Nachfrage für reduzierte Lagerbestände“, schreibt das USDA. Der dortige Schweinefleischmarkt erlebt gerade einen Boom. Die Großhandelspreise für Schweinefleisch liegen laut einem Bericht aus Chinas „Global Times“ vom 6. Juli mit 24,8 Yuan (2,75 Euro) pro Kilogramm auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren. Da der Schweinebestand in China durch eine Seuche Ende des Jahres 2010 reduziert und der Restbestand durch die nachfragestarke Zeit zum Chinesischen Neujahr zusätzlich reduziert ist, benötigen chinesische Schweinezüchter nun höhere Mengen Mais, um Jungtiere aufzuziehen.

    Auf der Angebotsseite behielt das USDA die Schätzungen gegenüber dem am 30. Juni veröffentlichten Report bei. Nun wird das Wetter im dritten Quartal bestimmen, wie die Ernte tatsächlich ausfallen wird. „Das dritte Quartal ist für gewöhnlich eine willkürliche Zeit für die Preisbildung bei Mais“, schreiben Analysten der Deutschen Bank in einer Studie. Die Preisbildung werde stark beeinflusst durch die Crop Progress Reports des USDA und von anderen Nachrichten, die Aufschluss darüber geben, wie gut die Ernte heranwächst.

    Autor: Jochen Stanzl, Chefredakteur Rohstoff-Report

    Der Rohstoff-Report ist eine Publikation der BörseGo AG