Zürich (GodmodeTrader.de) - Laut einem aktuellen UN-Bericht haben klimabedingte Katastrophen in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen: Die Zahl der Überschwemmungen, Stürme, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände stieg von durchschnittlich 165 auf 320 pro Jahr. Dabei verursachten sie in diesem Zeitraum mehr als doppelt so hohe Schäden wie zwischen 1978 und 1997, wie John Seo, Manager von Cat-Bond-Strategien für GAM Investments, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Im Jahr 2017 habe unter anderem eine Serie schwerer Hurrikans in der Karibik und an der US-Ostküste für eine Rekord-Schadensbilanz gesorgt, und auch 2018 gehe mit verheerenden Waldbränden in Kalifornien ein Katastrophenjahr zu Ende. Bedingt durch den Klimawandel liege die Vermutung nahe, dass die Zahl der Katastrophen künftig eher zu- als abnehmen werde, heißt es weiter.

„Bereits im vergangenen Jahr musste die Versicherungsbranche einen ihrer größten Verluste hinnehmen. In Zukunft wird die Branche alleine die entstehenden Kosten nicht stemmen können“, so Seo. In der Folge müsste der nicht versicherte Anteil der Verluste vom Staat, von Unternehmen und von Privatpersonen getragen werden. „An dieser Stelle beweisen Insurance Linked Securities (ILS) ihren Wert, da sie ein strukturiertes Investmentinstrument für fehlende Gelder in der (Rück-) Versicherungsbranche darstellen“, so Seo weiter.

Und dieses Kapital aufzustocken sei dringend notwendig: Der Versicherungsmarkt sowohl in Schwellen- als auch Industrieländern sei mangelhaft und die (Rück-) Versicherungsbranche nur sehr unzureichend auf die enormen Kosten potenziell schwerwiegender Katastrophen vorbereitet. Das hätten nicht nur das Ungleichgewicht zwischen dem Kapital der (Rück-) Versicherungsbranche und den prognostizierten Schäden aus den potenziell größeren Katastrophenereignisse 2017 und 2018 deutlich gemacht, sondern auch die große Diskrepanz zwischen wirtschaftlichen und versicherten Schäden bei Katastrophen. Selbst in den USA, dem am weitesten entwickelten Versicherungsmarkt der Welt, seien im Jahr 2017 nur 20 Prozent der von Hurrikan Harvey betroffenen Haushalte versichert, beim Hurrikan Florence im Jahr 2018 seien es weniger als 30 Prozent der wirtschaftlichen Schäden gewesen, heißt es weiter.

„Die sogenannte ‚Katastrophenlücke‘ ist groß und wächst weiter“, erläutert Seo. Die gesamte weltweite Rückversicherungskapazität von 350 Milliarden US-Dollar sei ungefähr gleichmäßig über verschiedene versicherte Risiken verteilt, sodass rund 40 Milliarden an Rückversicherungskapital für eine gegebene Gefahr bereitstünden. Dagegen klaffe eine strukturelle Katastrophenlücke von schätzungsweise 500 Milliarden zwischen der traditionellen Rückversicherungskapitalbasis und dem globalen Exposure gegenüber Katastrophenrisiken. „Diese globale Lücke dürfte sich alle zehn Jahre verdoppeln“, schätzt Seo. Grund dafür seien die steigenden Wiederbeschaffungskosten, eine Konzentration der versicherten Sachwerte auf Hochrisikozonen wie Küstenregionen mit großer Bevölkerungsdichte und strengere Regulierungen.

„Der zusätzliche Kapitalbedarf zum Schließen dieser wachsenden Lücke zwischen der Versicherungsdeckung und den erwarteten Verlusten aus Katastrophen ist größer als das derzeit verfügbare Kapital der Rückversicherungsbranche. Dies erfordert eine Lösung außerhalb des traditionellen Rückversicherungsbereichs“, erklärt Seo. Kapitalmarktlösungen in Form von ILS könnten die Lücke stopfen.

ILS böten Investoren strukturierte Investmentmöglichkeiten in Anlagen, die Kapital für den (Rück-) Versicherungsmarkt bereitstellten. Einige der bekannteren Unterkategorien von ILS umfassten verbriefte Rückversicherungsverträge, Sidecars, Industry Loss Warranties (ILW) und Katastrophenanleihen (Cat Bonds). „ILS haben eine ähnliche Funktion wie traditionelle Rückversicherungen. Sie bieten Anlegern in der Regel attraktive Renditen im Gegenzug für die Inkaufnahme eines Verlustrisikos, wenn bestimmte Ereignisse eintreten sollten. Das Risikoniveau ist dabei mit dem von Hochzinsanleihen vergleichbar“, erklärt Seo. Cat Bonds zum Beispiel dienten in erster Linie dazu, (Rück-) Versicherungsunternehmen bei der Bewältigung von sehr selten eintretenden beziehungsweise extremen Verlustszenarien zu unterstützen. Unternehmen und Staaten griffen zunehmend auf diese Anlageklasse zurück, um diese Risikoereignisse abzudecken.

Ein entscheidender Grund für die Aufnahme von ILS in breit diversifizierte Portfolios bestehe darin, dass sich ihre Renditetreiber fundamental von denen traditioneller Anlagen unterschieden: „Durch die Fokussierung des Risiko-Exposures auf einen begrenzten Aspekt des zugrundeliegenden versicherten Risikos werden breitere Markt- oder operative Risiken ausgeschaltet, die mit der Anlage in Eigenkapitaltitel von (Rück-) Versicherungsunternehmen verbunden wären“, so Seo. ILS böten somit nicht nur eine echte Diversifikation gegenüber traditionelleren Anlagen, sondern würden Anleger mit einer grundsätzlich stabilen Rendite belohnen, sofern keine große Katastrophe eintrete.

Die zentrale Herausforderung für Anleger bestehe darin, sich nicht wahllos allen Risiken auszusetzen, nur weil sie auf dem Versicherungsmarkt existierten. „Nicht alle Risiken sind als Anlagen geeignet“, warnt Seo. Der Schlüssel liege darin, jene Teile des Marktes zu finden, die eine systemische Überrendite zahlen, die weit über der modellierten Risiko-Unsicherheit liege. Der Portfoliomanager orientiert sich daher bei der Risiko-/Renditestruktur an den Rückversicherungsrisiken, die sich am meisten auszahlten. Dabei konzentriere er sich auf die ‚Peak Perils‘, also die am besten verstandenen Risiken, die den globalen Versicherungsmarkt dominierten. Gleichzeitig wahre er dabei einen rationalen Diversifikationsgrad, heißt es weiter.

Der ILS-Markt trage heute rund 80 bis 100 Milliarden US-Dollar, also rund 20 Prozent, zu zusätzlichen Kapazitäten auf dem globalen Rückversicherungsmarkt bei. „Es besteht also noch Luft nach oben. Angesichts der Sorge vor einer weiterhin steigenden Zahl von Naturkatastrophen durch den Klimawandel glauben wir, dass der Markt für ILS in den kommenden Jahren großes Wachstumspotenzial bietet“, schließt der Experte.