Sven Krause, seit Ende 1999 verantwortlicher Fondsmanager für den BB-Amerika-INVEST, sprach mit Morningstar über seinen Fonds sowie die Aussichten für die US-Börsen im kommenden Jahr.

Herr Krause, nach vier Jahren Outperformance wird Ihr Fonds in diesem Jahr sowohl Benchmark als auch Peer Group verfehlen. Woran lag es? Wie würden Sie Ihren Investmentansatz beschreiben?

Die von der DPG (Deutsche Performancemessungs-Gesellschaft für Wertpapierportfolios, Anm. der Red.) in unserem Auftrag durchgeführte Performanceanalyse weist per 31.10.2004 eine Wertentwicklung für den Fonds von -5,9% gegenüber -3,8% für die interne Benchmark aus. Dazu muss ich erwähnen, dass wir seit dem 1. Oktober dieses Jahres unsere Benchmark, und damit auch unser Anlageuniversum von 100% Dow Jones Industrial Average auf 50% Dow Jones und 50% MSCI Nordamerika umgestellt haben. Ursächlich für die leichte Underperformance war im Wesentlichen die Untergewichtung im analytisch teuren Ölsektor.

Die Benchmarkumstellung haben wir primär aufgrund der Tatsache vorgenommen, dass wir festgestellt haben, dass viele Nicht-Dow-Werte unsere Filterkriterien viel besser erfüllen als so manche Blue Chips. Marktineffizienzen kann man im Mid Cap-Bereich oft besser heben.

Der Anlageprozess konzentriert sich auf die Identifikation und Selektion von soliden, marktbreiten Aktien. Der Einsatz eines komplexen, dreistufigen Filtermodells mit verschiedenen Selektionskriterien liefert ein Ranking der Unternehmen. Der fundamentale Filter basiert sowohl auf klassischen Value- als auch auf Growthfaktoren.

Die Ergebnisse des Screenings werden in einem zweiten Schritt einer rigorosen Plausibilitätsprüfung unterzogen, d.h. dass wir sichergehen wollen, dass keine Anomalien oder Ausreißer ihren Weg ins Portfolio finden (Managementfilter).

Im dritten Schritt untersuchen wir dann die übrig gebliebenen Aktien auf die technische Situation und auf die Entwicklung der Gewinndynamik (quantitative Filter).

Im Rahmen der Portfoliokonstruktion werden die Kaufkandidaten aus dem gefilterten Universum innerhalb eines kombinierten Rangbildungsverfahrens für das Portfolio ausgewählt.

Insgesamt ist der Investmentprozess als fundamental, also Bottom-up zu bezeichen, wobei wir natürlich auch die volkswirtschaftliche Gesamtlage immer im Auge behalten.

Wie positionieren Sie sich für das kommende Jahr? Können Sie uns Beispiele sowohl auf der Branchen- als auch auf Einzeltitelebene nennen?

Wie bereits erwähnt ist die Vermögensaufteilung im Portfolio weitgehend das Ergebnis von fundamentaler Titelauswahl. Langfristig erzielt man Outperformance eher mit der Selektion als mit der Allokation. Dennoch achten wir natürlich auf unsere Positionierung im Vergleich zum Markt, aktuell liegt der Tracking Error im Sinne eines ausgewogenen Chance-Risiko-Verhältnisses bei rund 3%. Zyklische Investitionsgüter aus der Industrie performen gegen Ende eines Konjunkturzyklus im Allgemeinen relativ gut, und in diesem Stadium befinden wir uns meiner Meinung nach zur Zeit. Der Baumaschinenhersteller Caterpillar etwa, eine unserer größten Positionen, profitiert massiv von der Dollarschwäche. In den vergangenen Monaten haben wir in die Schwäche hinein auch immer wieder Pharmawerte gekauft, quasi als antizyklisches, konträres Investment. Die beiden Unternehmen Forest Labs und Boston Scientific etwa können jeweils hohes Gewinnwachstum (Forest Labs ca. 19% und Boston Scientif ca. 21% auf die kommenden 3 bis 5 Jahre), eine hohe Eigenkapitalrendite und beachtlichen freien Cash Flow aufweisen. Angesichts dessen ist die Bewertung bei einem KGV von 15 attraktiv.

Auch bei den viel geschmähten Halbleitern glauben wir, dass die schlechten Nachrichten mittlerweile weitgehend eingepreist sind, Intel ist weiterhin im Portfolio. Einige Positionen im Blue Chip-Bereich haben wir hingegen reduziert, darunter auch Ölwerte, wie bereits erwähnt. Hier ist absehbar, dass im Zuge des steigenden Ölpreises Überkapazitäten aufgebaut werden, die auf mittlere Sicht die Margen schmälern werden. Im Sinne des Konzepts von Produktwahrheit und –klarheit haben wir derzeit nicht vor, über die Kasse eine defensive Positionierung zu steuern. Außer in ungewöhnlichen Umständen dürfte die Cashquote nicht über 5% ansteigen.

Nach fast einhelliger Meinung wird der Dollar weiter fallen. Erwägen Sie, die Währung abzusichern?

Auch hier kommt das Konzept von Produktwahrheit und –klarheit zum Tragen. Wir gehen davon aus, dass ein Anleger, der in amerikanische Aktien investieren will, auch im Wesentlichen in der dortigen Währung veranlagt sein will. Hedging betreiben wir daher nur begrenzt. Aktuell sind 10% des Portfolios abgesichert. Die Tendenz dürfte dabei eher fallend sein, denn gerade die Einhelligkeit der Marktmeinung gegen den Dollar spricht für eine Aufwertung.

Wird 2005 endlich wieder ein Jahr der Blue Chips, oder werden Nebenwerte ihre Erfolgsserie fortsetzen?

Nach unseren Screening-Ergebnissen wird die weit verbreitete These einer zu erwartenden Outperformance von Blue Chips nicht bestätigt. Der Markt ist jedoch sehr heterogen, die Visibilität und Prognosefähigkeit ist stark eingeschränkt. Deshalb sind Blue Chips und Nebenwerte aus dem Universum MSCI Nordamerika jeweils zur Hälfte vertreten.

Quelle: Morningstar Deutschland

Die Aufgabe der Fonds-Ratingagentur Morningstar ist es, leicht zugängliche Informationen und Anwendungen anzubieten um den Anlegern eine objektive Hilfe zu den mehr als 6.000 in Deutschland zugelassen Fonds zu geben. Als Teil des europäischen Netzes lancierte Morningstar seine Dienste in Deutschland am 23.05.2001 unter www.morningstarfonds.de