Die USA sind ein großes Land und die Entwicklung der Fallzahlen sind je nach Bundesstaat unterschiedlich. In New York scheinen sich die Fallzahlen auf niedrigem Niveau einzupendeln. In Kalifornien könnte sich ein Plateau ausbilden und in Texas zeigt die Kurve steil nach oben. Entsprechend müsste man vermuten, dass auch die wirtschaftliche Entwicklung auseinanderläuft.

Das tut sie nicht, zumindest nicht auf den ersten Blick. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe entwickeln sich in den Bundesstaaten praktisch unabhängig von der Entwicklung der Fallzahlen (Grafik 1). Obwohl die Fallzahlen in Texas stark anstiegen, blieb die Zahl der Erstanträge relativ unbewegt. Mit etwas Fantasie kann man einen minimalen Aufwärtstrend erkennen.


Signifikant sind die Unterschiede jedenfalls nicht. Das gilt auch für die Ausschreibung neuer Stellen. Überall in den USA gab es bis Ende Juni einen positiven Trend. Seither geht es überall wieder bergab (Grafik 2). Staaten, die unter einer zweiten Welle leiden, haben mehr verloren. Dafür standen sie vor Beginn der zweiten Welle auch etwas besser da.


Das alles ist eine große Überraschung. Eigentlich ist es nur logisch, dass sich die Wirtschaft in Staaten schlechter entwickelt, in denen die Fallzahlen wieder steigen. Gemessen am Arbeitsmarkt ist das jedoch alles andere als offensichtlich. Stattdessen scheint sich das Land unabhängig von den regionalen Unterschieden zu entwickeln.

Ob das so bleibt, müssen wir abwarten. Bisher verzichten Bundesstaaten auf einen erneuten und kompletten Lockdown. Würde ein solcher erneut eingeführt, dürften die Unterschiede größer werden. Solange das jedoch nicht der Fall ist, entwickeln sich die Regionen ähnlich.

Wirtschaftspolitisch ist das ein ziemlicher Paukenschlag. Bisher wurde davon ausgegangen, dass die Wirtschaft auch ohne Lockdown einbrechen kann. Das konnten wir in Schweden beobachten. Konsumenten haben sich freiwillig eingeschränkt, weniger konsumiert und belebte Plätze gemieden.

In den USA scheint das nicht der Fall zu sein. Der amerikanische Durchschnittkonsument reagiert anders als der europäische. Ob die Fallzahlen steigen oder nicht, das Konsumverhalten reagiert weniger stark als gedacht. Es reagiert, das zeigen Sentimentindikatoren. Es ist aber nicht so, dass es zu einem Einbruch wie etwa in Schweden kommt.

Die Erholung in der US-Wirtschaft dürfte daher mittelfristig robuster ausfallen als in anderen Ländern, in denen steigende Fallzahlen zu einer größeren Zurückhaltung der Konsumenten führt. Vielleicht erklärt das auch, dass der Aktienmarkt auf die Zahlen kaum reagiert. Steigende Fallzahlen bedeuten nicht automatisch eine wirtschaftliche Katastrophe.

Clemens Schmale


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