Vor kurzem geisterte eine Grafik durchs Internet, die extrem erschreckend ist (Grafik 1). Dabei geht es darum wie viel Dollar Wachstum ein zusätzlicher Dollar Schulden generiert. In Emerging Markets lag dieser Wert in der Periode von 1997 bis 2007 bei fast 1. Ein Dollar Schulden entsprach einem Dollar Wachstum. So wünscht man sich das.

Heute ist es schon deutlich weniger. Von China und den meisten entwickelten Ländern muss man gar nicht reden. Hier ist die Bilanz düster. Schulden kreieren kaum noch Wachstum. Die Schlussfolgerung, die die meisten daraus ziehen, ist allerdings falsch. Viele sehen das als Zeichen dafür, dass Schulden unproduktiv sind und nie wieder zurückgezahlt werden können.

Der Teufel steckt im Detail. Zum einen ist da die Berechnungsmethode, zum anderen der Zeitraum, der verglichen wird. Die zweite Periode von 2007 bis 2017 schließt die Finanzkrise mit ein. In dieser schrumpften viele Wirtschaftsräume und Konjunkturprogramme erhöhten die Schulden. Dadurch fällt der Multiplikator von Schulden zu Wachstum besonders niedrig aus, was uns bereits zur Berechnungsmethode bringt.

Berechnet wird der Faktor, indem das Wachstum durch den Schuldenanstieg dividiert wird. In den letzten 4 Quartalen stiegen in den USA die Schulden um sagenhafte 3,23 Billionen Dollar. Die Wirtschaftsleistung stieg im gleichen Zeitraum um 1,05 Billionen. Ein Dollar Schulden kreierte demnach 0,33 Dollar Wachstum.

Führt man diese Rechnung für jedes Jahr durch, ergibt sich Grafik 2. Man sieht einen abnehmenden Trend. Man kann aber auch schlichtweg nicht übersehen, dass die Finanzkrise eine extreme Ausnahme darstellte und die Daten so etwas verfälscht.

Betrachtet man einen rollierenden 10-Jahreswert (Grafik 3), sieht das Bild anders aus. Schulden werden in den USA aktuell wieder produktiver. Das wird gerne verschwiegen. Es passt einfach nicht ins Bild von Crash-Prophezeiungen.


Generell ist die Betrachtung natürlich nicht ganz seriös. Sie vergleicht das Wachstum und die Schulden eines Jahres. Schulden können allerdings über viele Jahre Wachstum generieren. Kaufe ich eine Maschine, mit der mein Unternehmen wachsen kann, auf Kredit, wird dieser Kredit mit der Produktion der Maschine in einem einzigen Jahr verglichen. Die Maschine läuft nun aber vielleicht 10 Jahre. Über ihre Lebenszeit hat sie also viel mehr Wachstum geschaffen als sie an Kredit gekostet hat.

Unterm Strich werden Schulden aber tatsächlich unproduktiver, weil ein immer geringerer Teil der Schulden auf Investitionen entfällt, die auch wirklich Wachstum generieren können. Die hohe Gesamtverschuldung führt dazu, dass immer mehr Schulden aufgenommen werden müssen, um die Zinsen zahlen zu können. Zinsen an sich sind nicht produktiv.

Die US-Regierung muss pro Jahr 600 Mrd. an zusätzlichen Schulden ausgeben, um die Zinsen bedienen zu können. Ohne Zinsen hätte sie derzeit fast kein Defizit. Solange aber der Zinsanteil der zusätzlichen Schulden immer weiter steigt, wird auch der Multiplikator sinken. Würde man diesen Teil aus den Daten herausrechnen, sähe die Sache anders aus.