In meiner letzten Kolumne schrieb ich über die Macht von Glaubenssätzen. Wir Menschen sind voll von diesen Überzeugungen. Sie machen einen Großteil unseres Seins aus. Meistens sind sie uns so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir ihre Auswirkungen im täglichen Handeln nicht mehr wahrnehmen.

Um das zu verstehen braucht man bloß die täglichen TV-Rededuelle anzusehen. Ob es dabei um Themen geht wie „Mein Mann pinkelt im stehen“, oder um den Sinn und Unsinn von Harz IV bei Anne Will, spielt keine Rolle. Alle Beteiligten argumentieren aus ihrer Sicht und sind vollkommen davon überzeugt, dass sie Recht haben. Haben sie auch, allerdings nur für sich selbst! Denn was die Redner da präsentieren, ist in der Regel das, was sie selbst glauben.

Was im Fernsehen mal mehr oder weniger unterhaltsam passiert machen alle Menschen Tag ein Tag aus! Denn was wir glauben und denken, macht den Hauptteil unserer Persönlichkeit aus. Die Folge davon ist, dass wir die Dinge dann nicht sehen, wie sie objektiv sind, sondern wie wir denken, wie sie sind! Jede Aussage und jedes Tun ist somit von der eigenen Lebensgeschichte geprägt. Immer!

Menschen brauchen diese Form der inneren Stellungnahme um sich wertvoll zu fühlen. In der Fachsprache nennt man das SELBSTBILD. Über die Filter der Glaubenssätze machen wir uns ein Bild von der Welt, in der WIR leben, und ein Bild von uns - ein Selbstbild.

In meinen zahlreichen Coachinggesprächen ist immer wieder festzustellen, dass das Selbstbild nur sehr schwer zu verändern ist. Warum? Weil es immer SIE SELBST sind, der da verändert werden soll. Ihr Selbst, ist aber das, was sie in Ihrer Persönlichkeit ausmacht. Voll und ganz! Sie haben sich ja in ihrem Gehirn über Jahre dieses Bild aufgebaut. Sozusagen angelebt. Egal welche Vor- oder Nachteile es für sie haben wird. Letztlich werden Sie immer einen guten Grund finden an diesem Selbstbild festhalten zu wollen. Auch bei den besagten Glaubenssätzen meiner letzten Kolumne „Strafe muss sein“, oder „Von nichts kommt nicht!“.

Stellen sie sich das Selbstbild, mit seinen vielen Glaubenssätzen wie eine voll eingerichtete Wohnung vor. Und nun kommen sie als Coach daher, klingeln an der Tür und sagen „Guten Tag – ausziehen bitte. Hier will ein neues Selbstbild wohnen!“ Das Selbstbild wird sich mit allen Mittel dagegen wehren sein trautes Heim zu verlassen. Obwohl eine Veränderung - von anderen betrachtet - auch noch so vorteilhaft scheint!

Was tun?

Sie müssen dem Selbstbild / den Glaubenssätzen über Umwege ein neues Zuhause schaffen. Das gelingt, indem sie Stück für Stück an den Vorteilen der Veränderung arbeiten.

Glaubenssätze sind in unserem Gehirn mit sogenannten Neuronen, also Gehirnzellen verbunden. Auch hier passt das bekannte Bild von der Spitze des Eisberges und die unter Wasser liegenden übergroßen Eismasse. Denn auch Glaubenssätze sind mit zig tausenden von Gehirnzellen verbunden. Und je stärker der Glaubenssatz ist, desto mehr Neuronen halten an ihm fest, geben ihn nicht zur Veränderung frei.

Und nun? Ein Trick kann helfen! Haben sie schon einmal versucht ein quengeliges Kleinkind zu beruhigen, welches unbedingt ein gefährliches Feuerzeug wieder haben will? Eben durfte es das Feuerzeug noch halten und nun soll es auf einmal verboten sein... Nicht selten geht dann die Schimpferei los: „Nein, das ist zu gefährlich“, „Das darfst Du noch nicht!“. Als würde das einjährige Kind das verstehen. Was folgt ist dann oft Machtgehabe: „So, dann kommst Du eben in Dein Bett, fertig!“

Das Kind hatte sich im Gehirn voll und ganz auf das Feuerzeug konzentriert. Vielleicht war es die Farbe, die so toll war, oder die Form, egal. Der Reiz – Ich will aber das tolle Feuerzeug haben – wurde abrupt von der Person abgeschnitten. Der Wille – Ich will es aber haben – blieb beim Kind. Um es nicht zum quengeln kommen zu lassen, wäre es hier sinnvoll gewesen einen stärkeren neuen Reiz zu erzeugen, der auch noch mit einem emotionalen postiven Bild unterstützt wird: „Guck mal, was ist das denn hier (ein Schlüsselbund), das sieht aber toll aus“, klimper, klimper... (es wird in die Luft geworfen) etc. Je mehr positive Sinnesreize sie nun anbieten, desto schneller vergeht dem Kind die Aufmerksamkeit und Lust auf das Feuerzeug.

Bei der Veränderung von Glaubenssätzen funktioniert diese Strategie ebenso. Wohl nicht mit einem einfachen Schlüsselbund, aber das Prinzip bleibt gleich. Um Glaubenssätze zu verändern, hilft es, sie durch neue, positive und emotional starke Glaubenssätze zu verändern. Wenn das dann auch noch über das Unbewusste passiert, ist es am wirkungsvollsten! Dazu beim nächsten Mal mehr.

Norman Welz - Mental-Coach / Börsenpsychologie