In Interviews mit erfolgreichen und berühmten Tradern ist die häufigste Frage, die gestellt wird: „Was muss man tun um ein erfolgreicher Trader zu werden?!“

Auf alle Aspekte dieses Themas kann ich jetzt nicht im einzelnen in dieser Kolumne eingehen. Alle meine Kolumnen können Ihnen aber schon wichtige Punkte der Antwort verraten!

Ich möchte mich stattdessen auf die zweithäufigste Frage konzentrieren: „Kann jeder ein erfolgreicher Trader werden!?“

Ihnen ist sicher das Turtle-Trader-Projekt bekannt. Einer der Traderstars der 80iger Jahre war Richard Dennis. Er schaffte es angeblich in gut acht Jahren aus 2.000$ - 400 Mio.$ an den Börsen zu verdienen. Zusammen mit seinem Freund William Eckardt machte er 1983 ein Experiment. Sie wollten herausfinden, ob jeder geeignet ist Trader zu werden. Sie suchten sich für das Projekt 10 Kandidaten aus, unterrichteten sie 14 Tage lang und richteten jedem ein reales Konto von angeblich 1 Mio $ pro Person ein. Immerhin – 80% von ihnen schlossen das Experiment mit Gewinn ab.

Da kann man sich gleich die Frage stellen: Und warum schafften es die restlichen 20% nicht?

Das wollte ich auch wissen und las zu der Geschichte der Turtle Trader einige Bücher. Es wurde deutlich, dass den Verlierern vor allem ihre Psyche im Weg stand. Obwohl die Regeln von Dennis und Eckardt glasklar vermittelt wurden, fingen einige Traderschüler dennoch an ihre ganz eigenen Handelsarten in das System einzubringen. Sie stiegen zu spät in die Signale ein, trauten dem System nach einigen Minustrades nicht mehr und fingen an über das System nachzudenken und es an einigen Stellen zu verändern. Wodurch es dann nicht mehr perfekt funktionierte. Manche verpassten immer wieder wichtige Trades, andere gaben Orders falsch auf. Immer wieder kam es auch vor, dass es manchem nach einer Reihe von Minustrades schwer fiel, wieder in den Markt einzusteigen. Dadurch wurden große Gewinntrades verpasst. Ein Kandidat war so hektisch, dass er das Konto übertradete. Der Hauptgrund für die Verluste war vor allem, dass die Teilnehmer an irgendeiner Stelle zu denken anfingen. Sie handelten also nicht mehr wie ihnen von Dennis/Echardt vermittelt wurde, sondern ließen sich vom Markt verwirren. Der Markt zog sie aus ihre Konzentration und brachte sie somit von ihrem System weg. Sie handelten nicht mehr was sie sahen, sondern was sie dachten!

Doch wenn wir handeln, was wir denken, dann handeln wir aus unserem Zauberkasten heraus – unserem Gehirn. Wir handeln dann unsere Überzeugungen, unsere Hoffnungen, unser gelerntes Verhalten in Bezug auf Angst & Gier, handeln unsere Glaubenssätze. Wir geben dann die Regie ab. Nicht mehr wir traden, sondern der Markt tradet uns! Und damit sind wir dann verloren im großen Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Denn sicher ist am Markt - das nichts sicher ist!

Kann denn nun jeder ein erfolgreicher Trader werden? Ja – wenn er den Hauptgrund seiner Fehler in den Griff bekommt: sich selbst! Also das richtige Denken, welches beim Traden benötigt wird in das richtige Handeln umzusetzen!

Einer der markanten Fehler ist das ständige Denken, Denken, Denken... Denken:

- ob das System nach dem fünften Minustrade vielleicht doch falsch ist.

- ob der Markt jetzt nicht doch langsam mal wieder steigen/fallen müsste.

- ob es jetzt nicht gerade nach einer tollen Chance aussieht.

- wie ich mit diesem Trade nun ganz viel Geld verdienen kann.

- dass der Markt jetzt günstig für mich aussieht – und so weiter...

Dazu eine Übung:

Legen Sie sich Denk-Aufzeichungen an. Fragen Sie sich dazu bei jedem Trade den Sie eingehen „Was denke ich jetzt?!“ – und schreiben Sie es auf. Machen Sie diese Übung vier Wochen oder länger. Sie werden sehen was Sie alles über einen Trade DENKEN! Kontrollieren Sie nach dem Trade, ob sie ihn nach Ihren DENK-Mustern eingegangen sind oder weil er genau Ihrem System entsprach.

Ich bin sicher, auch Sie werden spätestens nach dieser Übung verstehen, dass ein ganz wichtiger Aspekt auf dem Weg zum erfolgreichen Trader der ist, weniger zu denken und mehr zu folgen: IHREM System!

Norman Welz - Mental Trainer / Börsenpsychologie