Börsenhandel sieht so einfach aus. Um uns herum wimmelt es nur so vor Tipps und Ratschlägen. Täglich geben uns zahlreiche Analysten, Redakteure, Gurus - und die, die es sein wollen, Informationen darüber in welche Richtung sich die Märkte und Aktien entwickeln werden. In Börsenzeitschriften scheint es nur Gewinneraktien zu geben. Und auch die Werbung lässt uns so oft wie möglich wissen wo wir jetzt unbedingt dabei sein sollten.

Ob Börsen-Zeitschriften, -Foren, Websites, oder -Briefe - alle scheinen die Antwort auf die Frage „Wohin geht der Markt“ zu kennen - nur der „Laie“ weiss es nicht!

Und das Unglaubliche ist - der Laie ist der Einzige, der Recht hat, aber das nicht weiss!

Denn Börse ist ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten - keiner weiss wohin die nächste Bewegung geht. Und genau das können die meisten Laien nicht glauben, deswegen vertrauen sie lieber den „Profis“!

Super Trader müsste man sein.

Für Verwirrung kann auch so manche Fachpublikation sorgen, die wieder irgendeinen „Super-Trader“ mit seinem perfekten System vorstellt. Nach dem Lesen eines solchen Artikels kann man leicht in Versuchung kommen sich zu Fragen, ob das eigene Handelssystem eigentlich noch eine Daseinsberechtigung hat. Vor allem, wenn es mit dem eigenen System nicht so klappt.

„Immerhin hat der Super-Trader mit seinem Scalp-System im 1 Min-Chart eine Trefferquote von 80%!. Vielleicht ist Swing-Trading doch nix für mich - viel zu lahm! Ausserdem sollte ich noch ein paar Indikatoren dazu nehmen. Der sagt ja auch - ohne Relative Stärke, Gleitende-Durchschnitte und Volumen - geht gar nix! Und warum handle ich eigentlich Aktien ?! - im Devisenhandel spielt ja wohl die Musik! Hinter jeder Candle lauert der große Erfolg, aber leider ohne mich - was mache ich bloß falsch?!“.

Genau das - den Ideen und Systemen anderer Trader ständig wechselnd zu folgen!

Ob der beschriebene Trader mit seiner 80% Trefferquote eine gute Rendite erwirtschaftet ist dann noch eine andere Frage.

Unsere Fremdsteuerung macht es uns so schwer.

Einer der Gründe dafür, weshalb wir so anfällig für solche Fremdeinwirkungen sind liegt daran, dass wir in der Regel fremdgesteuert aufwachsen. Ob Eltern, Geschwister, in Kitas, Schule, Ausbildung, Job - überall erfahren wir, das andere es besser wissen als wir: Wir folgen den Wissenden! Oder denen, die wir dafür halten. Wir sind expertengläubig. Je weniger wir gelernt haben unser eigenem Können und Wissen zu trauen und zu folgen, desto anfälliger werden wir für die Meinungen anderer.

In der Finanzwissenschaft findet sich eine weitere Erklärung dafür. Menschen richten sich unbewusst nach dem aus, was sie sich wünschen oder glauben - positiv wie negativ.

Ein Beispiel dazu am Dax:

Ein Trader sieht, wie der Dax von einem Hoch zum nächsten klettert. Leider konnte er davon kaum profitieren. Ärgerlich! Sein Ärger lässt bereits einen Glaubenssatz entstehen. Zum Beispiel „Ich will aber auch Geld mit dem steigenden Dax verdienen“. Nun schaut er, wie er das schaffen könnte. Es schleicht sich der Gedanke ein „Nun ist der Dax schon so enorm gestiegen - der MUSS ja mal korrigieren. Und dann steige ich ein!“. Unbewusst möchte er gerne billiger in den Markt kommen um noch von der bereits geschehenen Aufwärtsbewegung nachträglich zu profitieren. Die unbewusste Absicht des Traders ist Gewinne nachzuholen. Er will sich ja nicht als Verlierer fühlen. „Das kann doch nicht angehen - alle machen mit dem Dax-Bullen Gewinne, bloß ich nicht!“

Der Trader hat nun seine Überzeugung - „Der Dax muss korrigieren!“. Denn das ist es, was er will. Nun liest er alle möglichen Publikationen. Er sucht nach der Erklärung, warum er mit seiner Meinung - „Der Markt muss korrigieren!“ Recht hat.

Sein Unbewusstes unterstützt ihn dabei die richtigen Artikel für seine Überzeugung zu finden indem es ihn auf diese Artikel lenkt. Je mehr „Beweise“ er für seine Meinung findet, desto überzeugter wird er - „Der Dax muss korrigieren!“. Irgendwann kauft er sich short in den Dax ein.

Am Ende kommt es zu einem Ergebnis. Der Dax ist entweder weiter gestiegen oder gefallen. Die einen klopfen sich danach auf die Schulter und sagen „Siehste - habe ich doch gesagt, der Dax steigt!“. Die, die falsch lagen sagen vermutlich etwas wie: „An der Börse ist alles möglich!“. Stimmt.

Deshalb sollten Sie immer mehr lernen sich unabhängig von anderen zu machen. Traden Sie, was SIE sehen und analysieren und nicht die anderen. Vor allem traden Sie, was in Ihr System passt. Dann kann es Ihnen nämlich egal sein, ob der Dax bis zum Mond schießt oder der Dax-Chart bald wie eine abgestürzte Rakete in den Boden rammt!

Von Fehlern anderer kann man nicht lernen.

Von den eigenen Fehlern können sie lernen. Von den Fehlern anderer nicht. Es muss nicht verkehrt sein einem anderen mit seinem System zu folgen. Wichtig ist, das Sie sich dann auf sein System konzentrieren und nicht von einem zum nächsten System wechseln. Das wäre als würde Sie eine Kartoffelsuppe, eine Erbsensuppe und eine Bohnensuppe zur selben Zeit in einem Topf kochen. Und so, wie viele Köche den Brei verderben, verderben viele wechselnde Systeme Ihren Börsenerfolg!

Schauen Sie, dass Sie sich nicht ständig ablenken lassen von den unzähligen Vorschlägen anderer. Das ist nicht leicht, da wir in einer Gesellschaft leben in der ständig irgendwer für irgendetwas unsere Aufmerksamkeit von uns will. Die Chance liegt im „Weniger ist mehr“. Und auch dafür braucht es die Selbstverantwortung und man muss es wollen und leben.

Ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt liest vermutlich auch nicht ständig Artikel über orthopädische Knieoperationen oder wie man ein Herz richtig verpflanzt. Er wird wohl sein Fachwissen auf seinem Gebiet vertiefen. Was hält Sie eigentlich davon ab es genauso für IHR System zu tun? Finden sie es heraus!

Ob einer mit Gleitenden-Durchschnitten bei seinem System Erfolg hat kann Ihnen doch egal sein. Wichtig ist - hätte Ihr System einen Vorteil dadurch? Übertragen auf die Kochszene von oben bedeutet das: wenn der eine Koch (Trader) sagt, das er seine Suppe immer mit reichlich Pfeffer und Salz kocht, weil sie nur dann ein Riesenerfolg wird, das hilft Ihnen das gar nichts, wenn Ihre Kochkunst Süßspeisen sind!

Sich ständig nach den Anderen zu richten und deren Systeme handeln zu wollen ist all zu oft die Falle für Verluste. Sein System zu finden und zu vertiefen ist der Schlüssel zum Erfolg. Jeden Tag ein Stückchen mehr. Damit auch Sie eines Tages im Trading sagen können:

http://www.youtube.com/watch?v=6E2hYDIFDIU

Norman Welz - Mentaltraining / Finanzpsychologie